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Verlustgeschäft Bosch steigt aus Solargeschäft aus

Nach einem Milliardenverlust im vergangenen Jahr steigt der Technikkonzern Bosch aus dem Solargeschäft aus. Von der Entscheidung sind 3000 Mitarbeiter betroffen.

© dpa Vergrößern Der Preisverfall in der Solarbranche hat Bosch zur Aufgabe des Geschäfts bewegt.

Bosch zieht sich aus dem Geschäft mit Solarzellen und Solarmodulen praktisch komplett zurück. Die Fertigung von Wafern, Zellen und Modulen werde Anfang 2014 eingestellt, ebenso Vertrieb und Entwicklung, teilte der Stuttgarter Konzern mit. Für einige Aktivitäten hofft Bosch noch auf Käufer. Lediglich eine Brandenburg angesiedelte Tochtergesellschaft mit 150 Mitarbeitern, die sich mit der Entwicklung der Dünnschicht-Technologie befasst, wird weitergeführt. Durch den Ausstieg von Bosch aus der Photovoltaik sind 3000 Mitarbeiter von Arbeitslosigkeit bedroht.

«Das ist eine Entscheidung, die für Bosch sehr schmerzlich ist», sagte Volkmar Denner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH in einer Telefonkonferenz. Die Entscheidung sei im Gesellschafterkreis einstimmig gefallen. Aber gerade auch die Familie Bosch habe sich nicht leicht getan. Tatsache sei, dass es Bosch  nicht gelungen sei, den Bereich Solar Energy wettbewerbsfähig zu machen, räumte er ein.

Solarzellen und Module sind zu billig geworden

Grund für den Ausstieg ist der starke Preisverfall für Solarzellen und Module.  «Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Senkung der Herstellkosten konnten wir den Preisverfall von bis zu 40 Prozent nicht kompensieren», sagte Stefan Hartung, der bei Bosch den Unternehmensbereich Energie und Gebäudetechnik verantwortet.   

Infografik / Boschs Solarsparte © dpa Bilderstrecke 

Selbst bei einer Fortführung wäre ein erheblicher Personalabbau notwendig gewesen, sagte Denner.  Gleichzeitig hätte das «unvertretbare Risiko» weiter bestanden, mit der Solarsparte Milliardenverluste zu realisieren. «Fast alle Anbieter  schreiben rote Zahlen, selbst die chinesischen Hersteller», so Denner. Erst vor wenigen Tagen hat Suntech, der vormals weltweit größte Hersteller von Solarzellen, Insolvenz anmelden müssen.

Bosch hat mehr als 2,4 Milliarden Euro verloren

Bosch hat das Engagement in der Photovoltaikbranche bisher ungefähr 2,4 Milliarden Euro gekostet. Weitere Kosten werden durch den Sozialplan entstehen. Wie hoch diese sein werden, wollte Denner nicht sagen. Man könne die Verkäuflichkeit verschiedener Einheiten nicht abschätzen. Man wolle den Mitarbeitern zudem vakante Stellen im Konzern anbieten.

Die Investitionen von insgesamt 1,56 Milliarden Euro hat das Unternehmen bis Ende 2012 komplett abgeschrieben. Dazu kamen operative Verluste von 750 Millionen Euro. Im ersten Quartal dürften noch einmal mindestens 100 Millionen Euro Minus durch den Betrieb entstanden sein. Außerdem muss Bosch wohl Subventionen von 60 Millionen Euro zurückbezahlen, die für den Bau einer neuen Solarfabrik im thüringischen Arnstadt bezahlt wurden.

Vor einem Jahr gab der Bosch-Chef seinen Posten auf

Fast auf den Tag genau vier Jahre ist es her, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den Grundstein für die Fabrik in Arnstadt legte legte. Nicht nur weil es ein außergewöhnliches Ereignis in der tiefsten Wirtschaftskrise war, sprach sie von einem «Lichtblick», sondern auch weil die Physikerin an den Erfolg von Innovationen in die Photovoltaik glaubte: «Wir werden wunderbare Dinge erleben.»

Auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass Bosch überraschend verkündete, dass der damals 62 Jahre alte Franz Fehrenbach seinen Posten als Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH vorzeitig aufgeben und an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln würde. Unter Fehrenbachs Führung hatte sich das Stiftungsunternehmen zu einem «grünen» Unternehmen entwickelt, das mit der Hinwendung zum Energiebereich neue zukunftsträchtige Geschäftsfelder erschließen wollte. Ein Zusammenhang mit den milliardenschweren Problemen in der Solarsparte und Fehrenbachs Rückzug wurde offiziell nie hergestellt.

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Fehrenbach schürte auch nach der Ankündigung die Hoffnung für die Mitarbeiter der Solarsparte. «Ich bin sehr zuversichtlich, dass sich die nötigen Fortschritte zeigen werden“, sagte er. In drei bis fünf Jahren werde Bosch im Bereich Photovoltaik ein positives Ergebnis erzielen können. Jetzt erklärt Fehrenbach ein einem gestern in der Mitarbeiter-Zetischrift «Bosch-Zünder» veröffentlichten Interview: «Wir alle müssen uns eingestehen, dass alle diese Fortschritte nicht ausreichend genug waren, um dauerhaft wettbewerbsfähig und wirtschaftlich auf dem Markt agieren zu können. Dies ist vielleicht die schmerzhafteste Erfahrung, die ich in meinem Berufsleben erleben muss.»

Die Solarsparte von Bosch

Das Geschäft mit der Sonnenenergie bei Bosch läuft über die Tochter Bosch Solar Energy. Sie hatte nach den jüngsten Angaben weltweit rund 3.000 Mitarbeiter.

Die Sparte hat drei Standorte: In Arnstadt im Herzen Thüringens läuft die Produktion ebenso wie im französischen Vénissieux. Dünnschichtmodule werden in Brandenburg an der Havel entwickelt. Ein Werk in Erfurt wurde bereits Ende 2012 geschlossen. Die Zentrale der Tochter liegt in Arnstadt mit rund 1.800 Mitarbeitern.

Hinzu kommt die Bosch-Tochter Aleo Solar mit Sitz in Oldenburg und Prenzlau mit rund 850 Beschäftigten.

Bosch war im Juni 2008 bei der Thüringer Ersol Solar Energy AG eingestiegen und hatte sie ein Jahr später ganz übernommen. Die Übernahme markiert den Anfang des Bosch-Geschäfts mit der damals noch boomenden Photovoltaik (dpa)

Quelle: F.A.Z.

 
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