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Verlag soll Familienunternehmen bleiben WAZ-Verkauf besiegelt

 ·  Mehr als 60 Jahre lang gehörte die WAZ-Gruppe den Gründerfamilien Brost und Funke. Jetzt hat die Funke-Tochter Petra Grotkamp für 500 Millionen Euro den Brost-Anteil übernommen. Die WAZ soll aber ein Familienunternehmen bleiben.

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© dapd Vergrößern Dunkle Wolken über der WAZ-Mediengruppe

Die WAZ-Mediengruppe soll nach dem Willen der neuen Mehrheitseigentümerin Petra Grotkamp langfristig ein Familienunternehmen bleiben. Das sagte Grotkamp der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Dienstag). Weder sei die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft geplant noch werde es weiteren Personalabbau in der Redaktion wie in der Vergangenheit geben, ergänzte ihr Mann, der frühere langjährige Geschäftsführer Günther Grotkamp.

Am Montagabend waren die Verträge für das spektakuläre Millionengeschäft unterschrieben worden, mit dem die WAZ-Mediengruppe ihre Eigentümerverhältnisse neu ordnet: Die drei Erben des Mitbegründers Erich Brost verkauften ihren 50-Prozent-Anteil an Petra Grotkamp, die Tochter des zweiten Firmengründers Jakob Funke. Grotkamp halte damit durchgerechnet 66,6 Prozent, teilte ihr Anwalt mit. Das Bundeskartellamt habe bereits zugestimmt. Der Erwerb erfolge mit wirtschaftlicher Rückwirkung zum 31. Dezember 2011.

Harte Auseinandersetzungen

Durch die Neuordnung der Eigentümerstrukturen werde viel Konfliktstoff entschärft und die Zusammenarbeit zwischen den Gesellschaftern deutlich verbessert, sagte Günther Grotkamp in dem Interview. In der Vergangenheit hatte es harte Auseinandersetzungen zwischen Gesellschaftern, zum Teil vor Gericht, gegeben.

Günther Grotkamp kündigte einen Ausbau des Digital-Geschäfts an. Das Online-Angebot werde künftig eine größere Bedeutung bekommen. Dabei stünden aber Angebote mit Medienbezug im Vordergrund, sagte Grotkamp. Hier hätten die Mitarbeiter die größten Kenntnisse und der Verlag die besten Chancen. Vorstellbar seien auch Zukäufe weiterer Zeitungen, sagte Grotkamp. Der Verlag plant eine neue Firmenzentrale in der Nähe der Essener Universität.

Der Testamentsvollstrecker der Brost-Erben, Peter Heinemann, hatte dem Geschäft nach gründlicher Prüfung zugestimmt. Zum Kaufpreis gab es keine Angaben. Er soll laut Branchenkreisen bei etwa 500 Millionen Euro liegen. Ex-Kanzleramtsminister Bodo Hombach, der für die Brost-Seite zehn Jahre lang WAZ-Geschäftsführer war, scheidet mit dem Abschluss aus dieser Position aus. Geschäftsführer der Funke-Seite ist der 2008 vom Springer-Verlag nach Essen gekommene Christian Nienhaus.

„Große Chance für eine neue WAZ-Ära“

Er werde die Mediengruppe aber weiter beraten und im Initiativkreis der Ruhr-Industrie vertreten, teilte Hombach mit. „Von Anfang an habe ich den Verkauf der WAZ-Anteile der Brost-Erben an Frau Grotkamp als richtig erachtet“, schreibt Hombach in einer Presseerklärung. Er biete „eine große Chance für eine neue WAZ-Ära in einer im Umbruch befindlichen Medienlandschaft“.

Die WAZ-Mediengruppe mit 40 Zeitungen und mehr als 100 Zeitschriften erwirtschaftete 2011 mit etwa 15.000 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro, 2010 waren es noch 1,2 Milliarden Euro Umsatz. Nach deutlichem Personalabbau soll das Betriebsergebnis 2011 wieder im dreistelligen Millionenbereich liegen. Ein WAZ-Sprecher wollte dazu keine Angaben machen.

„Das Ende des bisherigen Einigungszwanges zwischen den beiden Gründerfamilien erleichtert die Entscheidungsfindung im Konzern. Für die Zukunft ist dies eine wichtige Voraussetzung, die WAZ-Mediengruppe weiter auszubauen“, schreibt der Testamentsvollstrecker in einer Presseerklärung.

Die neue Mehrheitseigentümerin Petra Grotkamp muss sich bei künftigen Reformen allerdings mit den beiden weiteren Eigentümern Stephan Holthoff-Pförtner und Renate Schubries abstimmen. Teil der Verträge sei auch die Zusicherung Grotkamps, für mindestens ein Jahr keine Konzerngesellschaft weiterzuverkaufen, teilte Testamentsvollstrecker Heinemann mit.

Klaus Schubries begrüßte als Bevollmächtigter der Funke-Familien-Gesellschaft (FFG) den Kauf der Brost-Anteile durch Grotkamp ausdrücklich. „Ich bringe damit die Hoffnung zum Ausdruck, dass es uns gemeinsam in der Einigkeit, die bei den letzten FFG-Sitzungen praktiziert worden ist, gelingen wird, die WAZ Mediengruppe erfolgreich in die Zukunft zu führen und weiter zu entwickeln“, erklärte Schubries.

Der Sozialdemokrat Erich Brost und der Konservative Jakob Funke hatten 1948 die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ mit einer Lizenz der britischen Militärregierung gegründet. Aus ihr entstand einer der größten regionalen Zeitungsverlage Europas.

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24.01.2012, 12:35 Uhr

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