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Verkehrswende : Hier kommt Daimlers Elektrobus

  • -Aktualisiert am

Der Glanz des Neuen – für Daimler. Andere Hersteller sind dem Unternehmen voraus. Bild: dpa

Daimler baut jetzt Busse, die ohne Verbrennungsmotor auskommen. Doch noch haben sie Schwächen.

          Um Busse mit Elektroantrieb wird zurzeit viel Aufhebens gemacht. Die Hersteller merken, dass die Nachfrage nach Alternativen zum Dieselantrieb langsam anzieht. Nun hat der Hersteller Daimler in Mainz den ersten komplett mit Batterien betriebenen Stadtbus von Mercedes-Benz vor. Dort warnte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Martin Daum aber vor zu viel Euphorie. „Die Langstrecke bleibt aus unserer Sicht weiterhin eine Herausforderung.“ Trotz großer technischer Fortschritte gebe es hier noch viele offene Fragen: Angefangen von der Leistungsfähigkeit der Batterie bis hin zur Langlebigkeit bei sehr hohen Kilometerleistungen.

          Deshalb startet die Daimler AG bewusst im Segment der Stadtbusse. „Wir sind überzeugt, dass elektrische Lastwagen und Busse zunächst in urbanen Räumen zum Einsatz kommen“, sagte Daum. Hier ist es um einiges einfacher, die entsprechende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen.

          Der nun vorgestellte E-Citaro-Stadtbus bringt es zunächst auf eine Reichweite von 150 Kilometern. Damit könnten Teilnetze im Tagespensum ohne Zwischenladung im öffentlichen Nahverkehr bedient werden.

          Nutzbar für 30 Prozent aller Einsätze

          Gemessen an den Anforderungen, die Verkehrsbetriebe üblicherweise an ihre Busse haben, lässt sich die erste E-Citaro-Generation laut Daimler für etwa 30 Prozent aller Einsätze nutzen, sofern das Fahrzeug nur im Depot und nicht unterwegs geladen werden soll. Unter optimalen Bedingungen sei sogar eine Reichweite von 250 Kilometern möglich. Die Batterien in dem Stadtbus stammen von Akasol. In ihr sind Samsung-Zellen verbaut.

          Während dieses Testes in Spanien war der E-Citaro schon auf der Straße unterwegs. Ende des Jahres soll die Serienproduktion starten.

          Die Reichweite des Busses soll in den kommenden Jahren schrittweise gesteigert werden, wenn die benötigten Batterien leistungsfähiger werden. Ab dem Jahr 2022 soll der Bus mit einer zusätzlichen Strom bringenden Brennstoffzelle ausgestattet werden, wie Gustav Tuschen berichtete. Er ist der für die Entwicklung verantwortliche Manager bei der Bus-Sparte. Ein mit zusätzlicher Brennstoffzelle ausgestatteter Bus müsse dann nicht mehr während seines Einsatzes geladen werden. Er könne dann Stadtbusse mit Verbrennungsmotor ersetzen.

          Der Bus mit Elektroantrieb hat seinen Preis. Mit einem Faktor 2,5 im Vergleich zum klassischen Bus liege man nicht völlig falsch, sagte Ulrich Bastert, der den Vertrieb verantwortet. Nach Einschätzung von Daimler werden bis zum Jahr 2025 etwa ein Drittel aller in Europa gekauften Stadtbusse einen Elektroantrieb haben. 2030 liege der Anteil dann bei 70 Prozent.

          Auch MAN kann Elektrobusse

          Die Volkswagen-Gesellschaft MAN ist bei Elektrobussen auch mit von der Partie. Ein MAN-Sprecher sagte: „Wir gehen darum davon aus, dass in den nächsten Jahren die Nachfrage bei batterie-elektrisch angetriebenen Stadtbussen sehr stark ansteigen wird.“

          Auf der Messe IAA-Nutzfahrzeuge in Hannover werde MAN einen Prototyp des batterie-elektrischen Busses zeigen. Das Unternehmen habe mit einigen Städten Partnerschaften zur gemeinsamen Erprobung von Elektro-Bussen geschlossen. „Im Anschluss an die Feldtests 2020 wird die Serienproduktion eines zu 100 Prozent elektrisch angetriebenen Stadtbusses starten“, sagte der MAN-Sprecher.

          Daimler will in den nächsten Monaten mit der Produktion der Großserie am Standort Mannheim loslegen. Dort werde er gleichfalls von den dortigen Verkehrsbetrieben im Alltag erprobt, teilte das Unternehmen weiter mit. Bestellungen für den nun vorgestellten Bus gebe es gleichfalls aus Hamburg und Berlin. Beide Kommunen hätten 35 Busse geordert.

          Üppige Subventionen

          Zur Reduzierung von Luftschadstoffen können sich Verkehrsbetriebe in Deutschland beim Kauf von sechs oder mehr Elektrobussen bis zu 80 Prozent der Mehrkosten vom Staat bezahlen lassen. Derzeit sind nach früheren Angaben in Deutschland gut 35.000 Linienbusse auf den Straßen unterwegs, davon aber nur wenige hundert Elektrobusse.

          Ein Großteil davon sind wiederum Hybridbusse. Diese haben noch einen zusätzlichen Verbrennungsmotor. Die Daimler-Bussparte will bis 2020 rund 200 Millionen Euro in die Weiterentwicklung des elektrischen Antriebs, aber auch in vernetztes und automatisiertes Fahren stecken.

          Bei den Elektrobussen setzt Daimler gezielt auf das Thema Vernetzung. Mit Hilfe von Telematikdiensten könne der Einsatz des Busses besser gesteuert werden. Und sie unterstützen laut Mitteilung gleichfalls die praktische Arbeit des Fahrers: Beispielsweise bei der täglich vorgeschriebenen Abfahrtskontrolle.

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