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Veröffentlicht: 19.09.2015, 10:15 Uhr

Selbstfahrende Autos Amerika schaltet auf Autopilot

Obamas Verkehrsminister erwartet in zehn Jahren fahrerlose Autos überall auf der Welt. Eine optimistische Sichtweise. Denn viele Fragen sind noch offen.

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© dpa Ein selbstfahrendes Auto von Google ist in Mountain View in Kalifornien unterwegs.

Das Auto, das selbst über die Straßen fährt, kommt rasch. Davon ist der amerikanische Verkehrsminister Anthony Foxx überzeugt. „Das fahrerlose Auto in einem Jahrzehnt ist sicher“, sagte er dieser Zeitung auf der Automesse IAA in Frankfurt. Die Frage ist nur, wie lange es noch dauert: Für ihn hängt dies davon ab, wie die Regierungen die Technik unterstützen und wie zügig deren Sicherheit bewiesen werden kann. „Aber ich bin sehr optimistisch, dass wir es überall auf der Welt in zehn Jahren im Einsatz sehen“, sagte Foxx.

Jan Hauser Folgen:

Der amerikanische Politiker, der Mitglied der demokratischen Partei ist, kam diese Woche zum Treffen mit seinen Amtskollegen aus den G7-Ländern nach Frankfurt und ging am Donnerstag mit ihnen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Messestände der Autoindustrie. Alle Verkehrsminister, die erstmals im Rahmen der G7 zusammenkamen, unterstützen die Entwicklung des automatisierten und vernetzen Fahrens. Dafür wollen sie Standards für einen internationalen Rechtsrahmen entwickeln und die Datensicherheit gewährleisten. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte die Vertreter aus Japan, Amerika, Kanada, Großbritannien, Italien und Frankreich eingeladen.

Viele Fragen für den Autopiloten hält auch der optimistische Foxx noch für offen, wie er in Frankfurt vor Journalisten ausführte. Wer haftet für fahrerlose Wagen? Wie funktioniert es im gemischten Umfeld mit fahrerlosen Wagen und Autos, die Menschen lenken? Was geschieht mit Fußgängern und Fahrradfahrern? Der Minister sieht viele Ungewissheiten, die auch die öffentliche Hand betreffen. Der Staat muss darauf Antworten finden.

„Wir müssen das System schneller machen“

Vor den Augen sieht Foxx dennoch die Möglichkeiten des fahrerlosen Fahrens. „Wir wollen das Fundament legen, damit es sich auf der Welt ausbreiten kann“, sagte er. Das gelte auch für die anderen G7-Länder. Am Montag hat er noch in Amerika den Startschuss für Versuche zum autonomen Fahren in drei Städten gegeben. In New York werden dafür 10.000 Fahrzeuge wie Taxis oder Lastwagen eines Paketdienstes eingebunden.

Ihm dauert die Entwicklung allerdings zu lange. „Der Dialog zwischen der Autoindustrie und den Regierungen darf nicht Schritt für Schritt erfolgen, sondern muss groß angelegt sein“, sagte er. Die Regulierung in Amerika und wahrscheinlich auch in anderen Ländern bewege sich im Schneckentempo voran. Wenn eine bahnbrechende Idee komme, könne diese nicht erst in fünf oder sechs Jahren genehmigt werden und dann auf den Markt kommen. In der Zwischenzeit entstünden schon wieder neue Technologien. Daher legt er Wert auf den langfristigen Dialog. „Wir müssen das System schneller machen“, sagte er. Für das alles gelte aber eines: Bei der Genehmigung liege der Fokus auf die Sicherheit, die gewährleistet sein müsse.

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Neben dem Vorantreiben des fahrerlosen Autos berieten die G7-Minister, die sich in einem Jahr in Japan wiedertreffen, über die Notwendigkeit von Investitionen in die Infrastruktur. Sie wollen sich über die Erfahrungen mit öffentlich-privaten Partnerschaften austauschen, um den Ausbau zu finanzieren. In Amerika hält Foxx die Ausgaben in die Verkehrswege für zu gering und wirbt für mehr Geld. In den nächsten 30 Jahren erwartet er 70 Millionen Menschen mehr in den Vereinigten Staaten; die Zahl der Lastwagen auf den Straßen wird sich um mehr als die Hälfte erhöhen. Dies gehe zu Lasten aller Amerikaner, sagte er: Sie würden für Autoreparaturen und durch längere Fahrtzeiten zahlen.

Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte Foxx vor zwei Jahren zum Verkehrsminister gemacht. Vorher war er vier Jahre lang Bürgermeister in Charlotte in North Carolina. Als Minister sprach er davon, neuen Technologien den roten Teppich auszurollen – und besonders das vernetze und automatisierte Fahren auf den Weg bringen zu wollen. Davon verspricht er sich weniger Unfälle und weniger Emissionen. Zu Gast bei Google setzte er sich in ein kleines weißes Auto des Konzerns und fuhr führerlos durch die Zentrale in Mountain View. Mit den amerikanischen Internetunternehmen entsteht Konkurrenz für die Autohersteller und die deutsche Industrie wie Volkswagen, Daimler oder BMW. Foxx erwartet nicht, dass es dabei Sieger und Verlierer gibt. „Auf dem Tisch ist genug für alle da“, sagte er. Der Minister erkennt jedoch schon Spannungen zwischen den bisherigen Hersteller und den Internetkonzernen in Amerika. Er sieht darin gute, kreative Spannungen und hofft, dass dies für mehr Forschung sorgt.

© afp Videografik: So funktionieren selbstfahrende Autos

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