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Verkaufsstrategie Die Allianz drängt in die Autohäuser der Welt

14.10.2009 ·  Der Versicherungskonzern will eine bewährte Zusammenarbeit in Deutschland in andere Länder übertragen: Auch anderswo soll das Autohaus zum Vertriebskanal werden und die Versicherung beim Neuwagenkauf abgeschlossen werden.

Von Henning Peitsmeier, München
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Der Versicherungskonzern Allianz will seine Kooperation mit der Autoindustrie international ausbauen. Das in Deutschland praktizierte Modell, Versicherungen direkt im Autohaus zu verkaufen, soll in aller Welt ausgerollt werden, kündigte Karl-Walter Gutberlet, Privatkunden-Vorstand der Allianz, gegenüber dieser Zeitung an. In Deutschland arbeitet der Marktführer mit seinen neun Millionen Kunden in der Autoversicherung schon sehr eng im Flottengeschäft mit fast allen namhaften Autoherstellern zusammen. Allein von Volkswagen-Händlern erhält die Allianz eine Million Versicherungsverträge. In den ersten acht Monaten dieses Jahres stiegen die Neuverträge um 30 Prozent auf 170.000 Stück. Insgesamt sind es in Deutschland 1,4 Millionen Verträge, die die Allianz von zehn Autoherstellern mit 24 Marken erhält. Nun laufen Gespräche mit mehreren Herstellern, um die Internationalisierung voranzubringen. „Von der Autoindustrie hören wir den Wunsch, weltweit mit nur drei, vier großen Versicherungskonzernen zusammenarbeiten zu wollen“, sagte Gutberlet.

Das Autohaus ist für die Allianz ein zusätzlicher Vertriebskanal und in der Sparte Kraftfahrzeuge laut Gutberlet der ideale Ort für den Verkauf von Versicherungen für Neuwagen: „Untersuchungen zeigen, dass der Kunde schon beim Autokauf auf die Versicherung angesprochen werden will, weil er beim Autohändler eine hohe Expertise in Fragen der Autoversicherung vermutet.“ In der Branche kursieren Schätzungen, dass ein Drittel aller Kraftfahrzeug-Versicherungen dem freien Versicherungsmarkt dadurch entzogen werden. Auf dem europäischen Markt agieren Axa, Zurich und Generali ebenfalls im Stile des Marktführers; in Asien ist es vor allem Tokio Marine.

Einen ganz anderen Weg in Deutschland geht die HUK Coburg: Der zweitgrößte Anbieter von Kraftfahrzeug-Versicherungen will über ein Netz von günstigen freien Werkstätten Kosten sparen und diese an den Versicherungskunden weitergeben. Wer sich verpflichtet, Schäden am eigenen Auto nur in Vertragswerkstätten des Versicherers reparieren zu lassen, erhält einen Rabatt auf die Prämie.

Partnerschaft mit Volkswagen

Die Allianz denkt global: „Wir haben West- und Osteuropa im Fokus, die wichtigen Länder in Süd- und Mittelamerika und natürlich auch Asien“, sagte Gutberlet. In einigen Ländern, wie Australien, Indien, Malaysia oder Indonesien, hat die Allianz nach seinen Worten schon einen erfolgreichen Start mit den Autoherstellern hingelegt. Größter Partner des Münchener Versicherers ist Volkswagen. Schon seit 1948 vermittelt der Volkswagen Versicherungsdienst als Tochtergesellschaft der Volkswagen Financial Services (VWFS) in Deutschland Kraftfahrzeug- Versicherungen der Allianz.

Das gemeinsame Interesse besteht darin, dass im Schadensfall Autos aus dem VW-Konzern in den eigenen Vertragswerkstätten repariert werden, was dort zu einer besseren Auslastung führt. Die Allianz wiederum senkt ihre Ausgaben, weil sie die Reparatur direkt mit den Werkstätten regelt. Schon jedes vierte Fahrzeug aus dem Volkswagen-Konzern ist mit einer Versicherung des Volkswagen Versicherungsdienstes ausgestattet.

Die Nachfrage stagniert seit Jahren

„Die Allianz ist unser bevorzugter Partner in der Auslandsexpansion, die sich schon auf zwölf Länder ausgedehnt hat“, sagte ein VWFS-Sprecher. Anfang dieses Jahres haben beide Unternehmen in Indien mit Kraftfahrzeug- und Garantieversicherungen begonnen, im Sommer ist Russland als neuer Markt hinzugekommen. Für die Allianz ist eine starke Internationalisierung des Geschäfts eine Möglichkeit, dem wachsenden Margenschwund im Inlandsgeschäft entgegenzuwirken. Die Autoversicherung ist mit Einnahmen von gut 20 Milliarden Euro zwar immer noch der drittwichtigste Zweig der Branche. Die Nachfrage stagniert aber seit Jahren - nicht zuletzt weil neue, preisaggressive Internetanbieter auf den Markt drängen. Viele Anbieter machen Verluste.

Die Allianz verliert seit Jahren im Kraftfahrtsegment Beiträge. Im vergangenen Jahr ging die Zahl der Kraftfahrtverträge um 172.000 auf 15,3 Millionen Stück zurück. In den vergangenen drei Jahren sanken die Beitragseinnahmen von 3,65 auf zuletzt noch 3,42 Milliarden Euro. Davon stammen jedoch schon 15 Prozent aus dem Verkauf im Autohaus. Hinzu kommen 100 Millionen Euro an Beiträgen in der Garantieversicherung. International liegt der Anteil mit 1 bis 2 Prozent sehr viel niedriger. Doch ist es Gutberlets erklärtes Ziel, zusammen mit den Herstellern den internationalen Anteil eines Tages auf das deutsche Niveau zu heben. „Der Zug nimmt jetzt Fahrt auf, und die Allianz sitzt mit auf der Lokomotive“, sagte Gutberlet.

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Jahrgang 1968, Wirtschaftskorrespondent in München.

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