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Verkauf von Jaguar und Land Rover Katzenjammer und Kletterkünstler

19.12.2007 ·  Die beiden britischen Autohersteller Jaguar und Land Rover bieten Stoff für Träume von großen und kleinen Jungs - und fahren wieder einmal in eine ungewisse Zukunft. Konzerne aus Indien bieten 2 Milliarden Dollar. Ford muss sich jetzt entscheiden.

Von Holger Appel
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Der kleine Junge hat immer von einem Jaguar E-Type geträumt. Rot mit hellen Sitzen. Der große Junge träumt immer noch von einem Jaguar E-Type. Rot mit hellen Sitzen. Als Erstwagen wünscht er sich einen Land Rover Defender, mit Leiter draußen dran, damit die nachwachsenden Jungs aufs Dach klettern und ihre Liebe für den rustikalen Geländewagen gemeinsam mit dem Vater ausleben können. Gefühlsduselei? Mag sein, aber es gibt eine ganze Menge Leute, die wünschten sich mehr Herzblut von den Eigentümern der Marken Jaguar und Land Rover, von Ford und seinem Konzernchef Alan Mulally. Das Hoffen ist vergeblich. Ford hat es in den vergangenen achtzehn Jahren nicht verstanden, den Mythos Jaguar wiederzubeleben, obwohl die Amerikaner dafür viele Milliarden Dollar investiert haben.

Doch die Idee, die Kosten durch den Einsatz von Komponenten aus dem Hause Ford zu senken, ging schief. Viele Kunden empfanden Jaguar nicht mehr als Jaguar. Hinzu kam, dass für den europäischen Markt lange Zeit kein Dieselmotor vorhanden war, was den Absatz zusätzlich bremste. Weil die Amerikaner im eigenen Geschäft auch nicht erfolgreich sind und im Jahr fast 10 Milliarden Euro Verlust einfahren, ist ihnen Geld jetzt wichtiger als zwei Automarken mit ungewisser Zukunft. Und weil die heruntergewirtschaftete britische Raubkatze allein offenbar nicht zu verkaufen ist, wird sie im Doppelpack mit der ertragsstarken Marke Land Rover angeboten.

Die Raubkatze hat ihre Krallen verloren

Ganz klar: Die Perle in dem Geschäft heißt Land Rover, nicht Jaguar. Die Raubkatze hat (spätestens) im Hause Ford ihre Krallen verloren und nimmt derzeit mal wieder Anlauf auf eine kraftvollere Zukunft. Das recht frische Modell XK hat 2007 in Deutschland rund 1000 Käufer gefunden, weltweit sollen es 15.000 sein, was eine Steigerung um fast 30 Prozent wäre. Die Qualität, jahrelang lausig und Gegenstand groben Spotts („Wer einen Jaguar kauft, braucht einen zweiten, denn einer steht immer in der Werkstatt“), steigt deutlich, wie Untersuchungen der Marktforscher von JD Power oder des ADAC Automarxx zeigen. Allerdings büßt Jaguar formale Eigenständigkeit ein. Die neuen Modelle ohne Katze auf der Motorhaube halten manche Beobachter für frisch, andere für beliebig.

Gerade der Verkauf von Jaguar ist für die Konzernherren auch aus politischen Gründen heikel. Denn das 1922 von dem britischen Tüftler William Lyons gegründete Unternehmen ist neben Land Rover eine der wenigen inländischen Automarken, die noch über nennenswerte Produktion in Großbritannien verfügen. So halten sich Gerüchte, die britische Regierung könnte sich in letzter Minute querlegen. Tut sie das nicht, werden die Geschicke von Jaguar und Land Rover wohl demnächst aus Indien gelenkt werden. Tata Motors will Berichten zufolge gut 2 Milliarden Dollar für Jaguar und Land Rover bieten. Der indische Rivale Mahindra & Mahindra habe eine Offerte von 1,9 Milliarden Dollar vorgelegt, berichteten indische Zeitungen am Mittwoch.

Bis zum Wochenende soll entschieden werden

Vor allem das vom charismatischen Gründer Ratan Tata geführte Firmen-Konglomerat genießt in Großbritannien einen guten Ruf. Seine Tochtergesellschaft Tata Tea übernahm vor sieben Jahren den britischen Konkurrenten Tetley, in diesem Jahr kaufte sein Stahlkocher Tata Steel den Rivalen Corus (ehemals British Steel). Beide Transaktionen zogen die Strategen aus Mumbai geräuschlos und in gutem Einvernehmen mit der organisierten Arbeitnehmerschaft durch.

Eine Abschlussgarantie ist das freilich nicht. Schon einmal hat sich in ähnlicher Situation vor kurzem das Blatt zugunsten eines britischen Angebots gewendet. Zu Jahresbeginn gab Ford die englische Nobelmarke Aston Martin preis, die unter ihrem Chef Ulrich Bez aufgeblüht ist. Sie wurde im März für eine Milliarde Dollar an ein Konsortium um den britischen Rennsport-Unternehmer David Richards verkauft. Aston Martin gehörte bis dahin - ebenso wie Jaguar, Land Rover und die schwedischen Marke Volvo - zur Premier Automotive Group, jenem Markenverbund, in dem Ford vor Jahren seine europäischen Luxusmarken bündelte und von dem nun fast nichts mehr übrig bleiben wird.

Was auf mittlere Sicht mit Volvo, denen es gelungen ist, ihre Eigenständigkeit zu wahren und damit schönen Gewinn einzufahren, geschehen wird, steht in den Sternen. Die Zukunft von Jaguar und Land Rover entscheidet sich früher. Bis zum Wochenende will Ford mitteilen, an wen verkauft wird. Ob kleine und große Jungs dann von einem Jaguar aus Indien träumen?

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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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