http://www.faz.net/-gqe-7h4db
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.09.2013, 18:15 Uhr

Verizon stimmt zu Vodafone verkauft amerikanisches Mobilfunkgeschäft

Vodafone will aus seiner amerikanischen Mobilfunk-Tochter aussteigen. Kaufen soll die Anteile der Miteigentümer Verizon. Der hat jetzt zugestimmt.

© REUTERS

Der rund 130 Milliarden Dollar schwere Ausstieg von Europas größtem Telekomkonzern Vodafone aus dem amerikanischen Mobilfunk-Unternehmen mit Verizon gelingt. Verizon übernimmt die Anteile, teilte das Unternehmen am Montagabend mit.

Für Verizon ist dies ein lang erkämpfter Sieg. Der amerikanische Konzern ringt seit Jahren mit den Briten um eine vollständige Übernahme von Verizon Wireless. Wenn sich Verizon den Mobilfunker nach 13 Jahren der Zusammenarbeit mit Vodafone nun komplett einverleibt, ist das die drittgrößte Unternehmensübernahme überhaupt.

Mehr zum Thema

Verizon wolle den Kauf des 45-Prozent-Anteils von Vodafone an dem größten Mobilfunkanbieter der Vereinigten Staaten zur Hälfte über Kredite und Anleihen in Höhe von 65 Milliarden Dollar finanzieren, sagten eingeweihte Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die übrigen 65 Milliarden Dollar wolle der Konzern mit eigenen Aktien zahlen. Einige Geschäftsteile in Europa sowie in Schwellenländern wie Indien, der Türkei und Afrika würden an Vodafone gehen, wodurch die Steuerlast des britischen Konzerns um fünf Milliarden Dollar sinken könnte.

Die Finanzierung werde weltweit von JPMorgan und Morgan Stanley koordiniert. Daneben beraten auch Barclays und Bank of America Verizon, um den Deal zu stemmen. Berater von Vodafone sind den Kreisen zufolge Goldman Sachs und UBS. Die beiden Telefonkonzerne wollten sich nicht dazu äußern.

Für Vodafone wäre der Zeitpunkt günstig

Vodafone und Verizon streiten sich schon seit langem über Strategie und die Verwendung der reichlich gefüllten Kassen ihres Gemeinschaftsunternehmens. Nach einigen gescheiterten Trennungsversuchen hatte der Deutsche-Telekom-Konkurrent am Donnerstag erklärt, abermals mit Verizon über einen Rückzug zu verhandeln. Insidern zufolge haben vor allem die steigenden Kreditzinsen und der gesunkene Aktienkurs von Verizon den US-Konzern veranlasst, die Gespräche in den vergangenen Wochen voranzutreiben, um den Deal nicht noch teurer werden zu lassen.

Für Vodafone kommt der Geldregen zu einem günstigen Zeitpunkt, da der zweitgrößte Mobilfunkbetreiber der Welt massiv in das Festnetz und superschnelle Internetanschlüsse investiert. Derzeit übernehmen die Briten Kabel Deutschland für knapp elf Milliarden Euro. Das ist wenig im Vergleich zu früheren Vodafone-Deals. Auf dem Höhepunkt der New Economy im Jahr 2000 legte der Konzern für den deutschen Mobilfunker Mannesmann 200 Milliarden Dollar auf den Tisch. Es war die teuerste Übernahme aller Zeiten. In den Boom-Jahren saß das Geld so locker, dass der zweitgrößte Deal nicht lange auf sich warten ließ: 2001 schluckte der amerikanische Medienriese Time Warner den amerikanischen Internet-Anbieter AOL für 165 Milliarden Dollar. Die Fusion entpuppte sich Jahre später allerdings als kompletter Fehlschlag, der Konzern wurde wieder zerschlagen.

Quelle: FAZ.net/bern., Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Internet-Pionier Yahoo fällt weiter zurück

Der einstige Internetstar Yahoo kommt nicht auf die Beine, ganz im Gegenteil: Im ersten Quartal hat das Unternehmen elf Prozent weniger umgesetzt. Mehr

19.04.2016, 23:36 Uhr | Wirtschaft
Mindestens 500 Tote Zahl der Opfer steigt nach Erdbeben in Ecuador weiter

Nach dem Erdbeben in Ecuador steigt die Zahl der Opfer weiter an. Die vorläufige Bilanz des Bebens: Mindestens 500 Tote, mehr als 4500 Verletzte und Schäden in Höhe von bis zu 3 Milliarden Dollar. Mehr

21.04.2016, 15:59 Uhr | Gesellschaft
52 Firmen fliegen raus Norwegens Pensionsfonds sagt Tschüs zur Kohle

Der weltgrößte Pensionsfonds verkauft Anteile an mehr als 50 Kohle-Unternehmen. Die Beteiligungen an zwei deutschen Konzern gehören bislang nicht dazu. Mehr

15.04.2016, 10:56 Uhr | Finanzen
Forscher proben den Ernstfall Gewappnet für die Ölkatastrophe in der Arktis

Durch den Klimawandel wird die rohstoffreiche Arktis für Konzerne zunehmend interessant. Doch das Fördern von Öl und Gas birgt Gefahren für Mensch und Umwelt. Umweltexperten aus Finnland erproben vor Ort neue Techniken für den Fall eines Ölaustritts. Mehr

14.04.2016, 19:14 Uhr | Wissen
Gewinn sinkt Apple schrumpft: Erstmals weniger iPhones verkauft

Apple hat im ersten Quartal die ohnehin geringeren Erwartungen unterboten. Zum ersten Mal überhaupt verkaufte der Konzern weniger iPhones als vor einem Jahr und auch andere Produkte machen Sorgen. Dennoch gibt es zumindest eine gute Nachricht es für die Aktionäre. Mehr Von Roland Lindner, New York

26.04.2016, 23:06 Uhr | Wirtschaft

Es ist Zeit für weniger Vorbehalte 

Von Heike Göbel

Vieles, was die AfD fordert, würde ernsthaft diskutiert, käme es von einer etablierten Partei. Ein Kommentar vor dem Auftakt des Parteitages der Rechtspopulisten. Mehr 1 111


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Sozialverband für mehr Rente „Wir schaffen mehr Reichtum mit weniger Arbeit“

Gerade die Sozialverbände warnen vor Altersarmut und prangern ein stabiles Rentenniveau an. Einer ihrer Chefs erklärt, wieso das möglich sei trotz der alternden Gesellschaft. Mehr 12 4

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“