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Elon Musks neustes Projekt : Verhilft der Tesla-Chef dem Solar-Dachziegel zum Durchbruch?

Hat viel vor und vermarktet sich außerordentlich erfolgreich: Tesla-Chef Elon Musk Bild: AP

Tesla-Chef Elon Musk will die Dächer der Welt mit Solar-Ziegeln decken. Die Technik gibt es schon lange, auch in Deutschland. Der Erfolg lässt bislang auf sich warten.

          Die Sache scheint glasklar: Würden die Dächer dieser Welt als Sonnenkollektoren dienen, könnten sie das Klima retten helfen, glaubt Elon Musk, zumal dann, wenn man auch noch Energiespeicher anschließt und Elektroautos mit dem so gewonnenen Strom betreibt. Und weil der Gründer von Tesla mit seinen Elektroautos auch schon die erfolgsverwöhnten deutschen Automanager ins Schwitzen gebracht hat, elektrisiert Musks neues Anliegen durchaus.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Als hätte er immer schon Dachziegel verkauft, zeigte Elon Musk auf dem Gelände der Universal Studios – genauer: auf dem Filmset von Desperate Housewives –, was er für zukunftsträchtig hält: Ziegel in rot oder grau, eher traditionell oder in schlichter Eleganz, immer aber ausgestattet mit der Funktion zum Sonne-Sammeln. Das sieht besser aus, erklärte Musk, es kostet weniger, isoliert besser und hält auch noch länger. Und rumms, ließ er auf der Videowand drei herkömmliche Ziegel zerscheppern, während sein Produkt natürlich heil blieb.

          „Die Show war klasse“, sagt Bosch-Geschäftsführer Stefan Hartung. „Es ist eine faszinierende Idee, Dachziegel für Photovoltaik zu nutzen“, fügt er hinzu. Er hat gleich die Geschäftschancen vor Augen, die sich für die Bosch-Sparte Energy & Building nutzen ließen, wo ohnehin gerade alles mit allem vernetzt wird – warum also nicht auch die Ziegel von Elon Musk?

          Bosch-Geschäftsführer bezweifelt Umsetzbarkeit

          Doch dann gießt Hartung doch Wasser in den Wein: „Ob und wie sich das realisieren lässt, muss sich erst noch zeigen“, sagt der Bosch-Geschäftsführer im Gespräch mit der F.A.Z. Bosch selbst hat reichlich schmerzhafte Erfahrungen mit Photovoltaik-Projekten machen müssen, die letztlich keinen Markt fanden, bis hin zu Fassaden aus Dünnschicht-Modulen.

          Und Dachziegel? Kann es sein, dass ausgerechnet in Deutschland, dem Land der Energiewende und der Tüftler noch niemand auf die Idee gekommen ist, die Elon Musk jetzt so selbstbewusst präsentiert?

          Natürlich gibt es sie. Man nehme etwa die Broschüre „Architektonische Integration von Photvoltaik-Anlagen“ des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg aus dem Jahr 2000 und findet auf Seite 15: den „Vorläufer des Tesla-Ziegels“, wie Thomas Stark sagt, der Architektur-Professor aus Konstanz, der die Broschüre erstellt hat. „Es ist ja ein naheliegender Synergie-Effekt, dass Solarmodule den Zweck erfüllen, gleichzeitig ein Bauteil zu sein“, erklärt Stark: „Der Ziegel wiederum ist eines der wenigen Bauteile, das weitgehend standardisiert und daher für eine Massenproduktion geeignet ist. Die Idee von Elon Musk ist also eine sehr naheliegende.“

          Vor allem die niederrheinische Traditionsfirma Laumans hat sich einen Namen gemacht mit Ton-Ziegeln, auf denen kleine Solarzellen aufgeklebt wurden, was je Dachziegel eine Leistung von maximal 5 Watt ergab. Die Produktion wurde im Jahr 2004 eingestellt. „Bei meiner Recherche zu diesem Thema entsteht bei mir sogar der Verdacht, dass einigen Herstellern das Abenteuer Solardachziegel das Genick gebrochen hat“, schrieb Christian Märtel in einem Fachbeitrag, der auf verschiedenen Internetseiten zum Thema Photovoltaik zu finden ist.

          Wirtschaftlichkeit von Photovoltaik hat abgenommen

          Doch der Beitrag ist vier Jahre alt, wie er sagt, und seither nicht aktualisiert, auch weil das Interesse nicht da ist für dieses Thema. Märtel ist bei DAA tätig, einem Vermittlungsservice für Fachbetriebe. Aus den Beratungsanfragen zu Photovoltaik-Anlagen ermittelt DAA seit Jahren auch einen Index, der die Stimmungslage unter privaten Bauherren wiedergibt – und dieser ist ganz eindeutig: „Seit einem Jahr ist die Nachfrage sehr stark zurückgegangen, wie ja der Zubau auch“, berichtet Märtel: „Und das liegt nicht daran, dass schicke Dachziegel fehlen.“ Mit kleinteiligen Lösungen trete der Dachziegel an gegen nahtlos integrierbare Photovoltaik-Anlagen, mit denen die Dachfläche maximal ausgenutzt werden könne und die entsprechend wirtschaftlich sind.

          „Wir bemerken, dass die Leute sehr preissensibel sind“, berichtet Märtel. „Die eindeutige Rechengröße lautet: Was kostet die Kilowattstunde mit dieser Anlage.“ Tatsächlich hat die Bundesnetzagentur schon im vergangenen Jahr nur 1,48 Gigawatt (GW) Zubau verbucht, während das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eigentlich vorsah, dass jährlich Photovoltaikanlagen mit 2,5 GW installiert werden.

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