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Verhandlungen über Lohnverzicht Opel-Interimschef erhält keine Atempause

 ·  Thomas Sedran hat beste Chancen zum neuen kommissarischen Opel-Vorstandsvorsitzenden gewählt zu werden. Direkt nach der Wahl beginnen Verhandlungen mit der IG Metall über Standorte und Lohnverzicht.

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© Wresch, Jonas Kühle Stimmung in Rüsselsheim

Nach dem überstürzten Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden hangelt sich Opel von einer Übergangslösung zur nächsten. An diesem Dienstag soll der Aufsichtsrat in einer Sondersitzung einen neuen kommissarischen Vorstandschef küren. Die besten Chancen werden dem für die Unternehmensstrategie verantwortlichen Vorstandsmitglied Thomas Sedran eingeräumt. Er war erst im April von der auf Sanierungen spezialisierten Unternehmensberatung Alix Partners zu Opel gewechselt. Sedran hat jedoch schon vorher GM in Sachen Opel beraten und unter anderem die Allianz mit dem französischen Peugeot-Konzern in die Wege geleitet.

Seit dem Rücktritt von Karl-Friedrich Stracke in der vergangenen Woche führt bei Opel der Vizechef des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors, Stephen Girsky, kommissarisch die Geschäfte. Auch sein Nachfolger wird zunächst nur übergangsweise bestellt und soll dem Vernehmen nach voraussichtlich noch in diesem Jahr wieder abgelöst werden. Darüber hinaus stehen noch weitere Mitglieder des Opel-Vorstands unter verschärfter Beobachtung durch GM.

Schon wird in Rüsselsheim über eine bevorstehende Ablösung von Entwicklungschefin Rita Forst und Finanzchef Mark James gemunkelt. Der einen wird eine verspätete Modernisierung der Motorenpalette zur Last gelegt, dem anderen eine finanziell nicht solide unterlegte Sanierungsstrategie. Die Opel-Topmanager kommen und gehen auch in der zweiten Reihe: Am Wochenende hat Cheflobbyist Volker Hoff sein Amt niedergelegt.

Lohnsumme bei etwa einer Milliarde Euro

Der neue Vorstandsvorsitzende wird jedenfalls keine Atempause bekommen. Schon an diesem Mittwoch beginnen die formalen Verhandlungen mit dem Betriebsrat und den Gewerkschaftern der IG Metall über Standortzusagen und Lohnverzicht. Das wird aus Kreisen des Betriebsrats berichtet. In den Verhandlungen treffen Armin Schild, Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, und Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug auf den neuen Vorstandschef sowie Personalchef Holger Kimmes. Die Gewerkschafter wollen die Zusage erreichen, dass bis Ende 2016 keines der vier deutschen Werke - insbesondere weder Bochum noch Eisenach - geschlossen wird und dass keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen. Im Gegenzug wären sie nach früheren Aussagen Schilds möglicherweise bereit, auf die in diesem Jahr für die gesamte Branche ausgehandelte Tariferhöhung um 4,3 Prozent zu verzichten. Für Opel würde ein solcher Verzicht die Lohnkosten um mindestens 40 Millionen Euro im Jahr drücken. Die gesamte Lohnsumme des Unternehmens liegt in Deutschland bei etwa 1 Milliarde Euro.

Damit sich die Gewerkschaftsseite auf die neue Unternehmensstrategie einlässt und dem Chefwechsel reibungslos zustimmt, wird sie von der Unternehmensleitung weitere Zugeständnisse fordern, um die Standorte zu sichern. Opel hat in Europa genug Fabriken und Belegschaften, um 1,5 Millionen Autos im Jahr herzustellen. Tatsächlich wird das Unternehmen 2012 aber bestenfalls 1 Million Autos verkaufen. Geht es nach dem Betriebsrat, dann könnte die Unterauslastung von einem Drittel am besten ausgeglichen werden, wenn Opel mehr Autos in wachsende Märkte wie Brasilien, China oder Indien exportieren dürfte. Außerdem wird gefordert, dass GM einen Teil der Produktion der Marken Chevrolet und Opel aus Korea und Mexiko nach Deutschland verlegt, um die Fabriken hierzulande besser auszulasten.

Bundesregierung bleibt aufmerksam

Der Absatz von Opel in Europa hat sich in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um 15 Prozent auf 380.000 Einheiten verringert. Das entspricht einem Marktanteil von weniger als 7 Prozent. Dem Unternehmen droht trotz der Sanierungsbemühungen der vergangenen drei Jahre, als 8.000 von 48.000 Stellen abgebaut wurden, im laufenden Jahr der fünfte Milliardenverlust hintereinander.

Die Bundesregierung gab am Montag bekannt, die Entwicklung bei Opel aufmerksam zu verfolgen. Gespräche mit Vertretern des Unternehmens gebe es zwar keine, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Die Bundesregierung gehe jedoch davon aus, dass sich GM an getroffene Absprachen mit Arbeitnehmervertretern halte. Vor der Opel-Aufsichtsratssitzung hat auch die IG Metall diese Erwartung bekräftigt. GM habe „nirgends signalisiert“, dass man sich nicht an die Vereinbarungen halten werde.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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