http://www.faz.net/-gqe-7h2mh
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 30.08.2013, 17:10 Uhr

Verdacht Justiz ermittelt im Umfeld des Rhön-Klinikums

Die Staatsanwaltschaft München geht gegen den Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum vor: Die Ermittlungen stehen offenbar im Zusammenhang mit der versuchten Übernahme im vergangenen Jahr.

© dpa Licht ins Dunkel

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen des Vorwurfs der Marktmanipulation beim Krankenhauskonzern Rhön-Klinikum. „Es geht um Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz und versuchte Nötigung“, sagte ein Sprecher der Münchener Staatsanwaltschaft.

Grund sei die versuchte Übernahme von Rhön-Klinikum im Jahr 2012, bei der neben dem fränkischen Klinikbetreiber auch der Gesundheitskonzern Fresenius und der Klinikrivale Asklepios eine Rolle spielten. „Es wird gegen mehrere Personen ermittelt“, sagte der Sprecher. Namen und nähere Einzelheiten könne er wegen der laufenden Untersuchungen nicht nennen. Eine Anzeige sei im Juli eingegangen.

Die Staatsanwaltschaft hat im Rahmen der Ermittlungen auch die Finanzaufsicht Bafin eingeschaltet, die den Fall überprüft hat. „Die Bafin hat dabei keine Anzeichen für Marktmanipulation gefunden“, sagte eine Sprecherin der Behörde. Rhön-Klinikum lägen zu dem Fall keine Informationen vor, sagte ein Unternehmenssprecher. „Wir gehen davon aus, dass die Rhön-Klinikum AG nicht im Fokus der Ermittlungen steht.“

Gescheiterte Übernahme

Sollte sich die ermittelnde Staatsanwaltschaft an Rhön-Klinikum wenden, werde das Unternehmen vollumfänglich kooperieren. Ein Sprecher des Rhön-Gründers und -Großaktionärs Eugen Münch sagte, die Ermittlungen richteten sich nicht gegen Münch. Fresenius lehnte eine Stellungnahme ab, von Asklepios war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Im vergangenen Jahr war der Gesundheitskonzern Fresenius mit seinem Versuch gescheitert, Rhön-Klinikum zu übernehmen. Fresenius wollte zusammen mit dem eigenen Klinikbetreiber Helios den mit Abstand größten deutschen Krankenhauskonzern schmieden.

Mehr zum Thema

Als entscheidendes Hindernis erwies sich die in der Satzung von Rhön festgeschriebene 90-Prozent-Hürde für alle wichtigen unternehmerischen Entscheidungen. Denn der Rhön-Rivale Asklepios und der Medizintechnikkonzern B. Braun brachten sich mit Aktienpaketen in Stellung. Beide wollen aus unterschiedlichen Gründen die Entstehung eines großen Krankenhauskonzerns verhindern. B. Braun lehnte ein Stellungnahme zu den Ermittlungen der Münchener Staatsanwaltschaft ab.

Eine neue Runde im Streit um die Kontrolle von Rhön wurde im Juni eingeleitet, als die Rhön-Aktionäre auf ihrer Hauptversammlung überraschend die 90-Prozent-Hürde kippten. Allerdings wurden die Stimmen von B. Braun bei der entscheidenden Abstimmung nicht berücksichtigt - nur so wurde die dafür notwendige Mehrheit erzielt. Ohne die Hürde wären die Erfolgsaussichten bei einem abermaligen Anlauf zur Übernahme von Rhön deutlich höher. Inzwischen sind vier Anfechtungsklagen gegen die umstrittene Satzungsänderung anhängig, auch B. Braun und Asklepios hatten geklagt. Über die Anfechtungsklagen muss das Landgericht Nürnberg-Fürth entscheiden.

Quelle: Reuters

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Krankenschwester im Verdacht Frühchen fast getötet: Schwierige Ermittlungen

Eine Marburger Krankenschwester steht im Verdacht, mindestens einem Baby Narkosemittel verabreicht zu haben. Für die Ermittler ist es eine schwierige und langwierige Aufgabe, mögliche weitere Opfer zu finden. Mehr

02.05.2016, 15:12 Uhr | Rhein-Main
Panama Stadt Razzia in der Kanzlei Mossack Fonseca

Die Kanzlei Mossack Fonseca in Panama Stadt ist von Ermittlern der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Die Kanzlei steht im Zentrum der Ermittlungen um die sogenannten Panama Papers. Mehr

13.04.2016, 07:41 Uhr | Wirtschaft
F.A.Z. Exklusiv Fresenius Medical Care begräbt Übernahmeplan in Irland

Der Dialysespezialist wollte zukaufen, um auch andere Bereiche, deren Behandlung oft in Verbindung mit einer Nierenschwäche notwendig sind, abzudecken. Dieser Plan ist nun gescheitert. Mehr Von Klaus Max Smolka

01.05.2016, 15:46 Uhr | Wirtschaft
Berlin Verfahren gegen Grünen-Abgeordneten Beck eingestellt

Am Mittwoch äußerte sich der Grünen-Politiker Volker Beck in Berlin zur Einstellung der Ermittlungen gegen ihn durch die Berliner Staatsanwaltschaft. Die Berliner Polizei hatte im März 0,6 Gramm einer, wie sie sagte betäubungsmittelverdächtigen Substanz gefunden. Beck war daraufhin von seinen Ämtern in der Fraktion zurückgetreten. Mehr

13.04.2016, 22:33 Uhr | Politik
Dreieich Festnahme nach Schüssen auf Flüchtlingsunterkunft

Nach dem Anschlag auf ein Flüchtlingsheim in Dreieich im Januar hat die Polizei einen Fahndungserfolg zu vermelden. Sie hat den mutmaßlichen Schützen festgenommen. Es erging Haftbefehl. Mehr

19.04.2016, 11:40 Uhr | Rhein-Main

Was Trillerpfeifen übertönen

Von Dietrich Creutzburg, Berlin

Wem gehört der Produktivitätsfortschritt? Verdi und IG Metall lassen für Rentner nichts übrig. Mehr 12 28


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Ungleichheit Norwegens Staatsfonds geht gegen überhöhte Managergehälter vor

Der weltgrößte Staatsfonds will bald Prinzipien zu einer angemessenen Bezahlung für Top-Manager vorstellen. Die Institution ist an mehr als 9000 Unternehmen beteiligt. Mehr 46

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“