12.08.2008 · Das Bundeskriminalamt hat Büros und Wohnungen von fünf ehemaligen Vorstandsmitgliedern der Sachsen LB durchsucht. Es besteht der Verdacht, dass die ehemaligen Vorstände durch riskante Geschäfte die Existenz der Bank aufs Spiel setzten.
Von Joachim JahnPolizei und Staatsanwaltschaft haben am Dienstag-nachmittag Büros und Wohnungen von fünf früheren Vorstandsmitgliedern der ehemaligen Sachsen LB durchsucht. Das teilte das Bundeskriminalamt in Wiesbaden mit. Die einstigen Manager stehen unter dem Verdacht der Untreue und Bilanzfälschung. Sie sollen die Milliardenrisiken aus ihren Geschäften mit Finanzderivaten auf dem amerikanischen Markt mit Hypothekenkrediten verschleiert haben. Die Bank musste daraufhin im vergangenen Jahr von einem Sicherungsfonds der Sparkassen mit 17,1 Milliarden Euro gestützt werden. Die Schieflage führte zur Übernahme der Staatsbank durch die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) sowie zum Rücktritt des sächsischen Finanzministers Horst Metz und letztlich auch von Ministerpräsident Georg Milbradt (beide CDU). Das Kreditinstitut firmiert seit diesem Notverkauf als unselbständige Sachsen Bank.
Der Vorstand der Sachsen Bank habe der Staatsanwaltschaft umfassende Unterstützung und Kooperation zugesichert, teilte das Bundeskriminalamt noch während der Razzien mit. Die Fahnder können sich auch auf ein Sondergutachten von Wirtschaftsprüfern und die Erkenntnisse eines Untersuchungsausschusses des Landtags stützen. In ihr Visier geraten sind offenbar unter anderem der frühere Vorstandschef Herbert Süß, der 2005 mit 65 Jahren an die Spitze der bereits krisengeschüttelten Sachsen LB getreten war, sowieso sein Vorgänger Michael Weiss. Süß war bis zuvor Vorstandschef der Ostsächsischen Sparkasse in Dresden. Weiss und sein Vorstandsmitglied Rainer Fuchs hatten nach einer Flut von Vorwürfen gegen die finanzschwache Bank gehen müssen. Weiss hatte den Investmentbanker Claus-Harald Wilsing von der damaligen DGZ-Bank geholt, um das Geschäft mit Finanzinstrumenten im Ausland auszubauen. Vor einem Jahr wurde dann erneut der gesamte Vorstand ausgetauscht.
28 Objekte durchsucht
In einer konzertierten Aktion durchsuchten die Fahnder insgesamt 28 Immobilien in sechs Bundesländern. Eingebunden war außerdem das Betrugsdezernat der irischen Polizei in der Hauptstadt Dublin. Dieses beschlagnahmte gleichzeitig mit den deutschen Kollegen Akten, Computer und elektronische Datenträger bei den dortigen Zweckgesellschaften Ormond Quay Funding Plc. und Georges Quay Funding I Ltd. Über diese nicht in der Bilanz ausgewiesenen Firmen hatte die Sachsen LB mit Hilfe ihrer in Dublin ansässigen Tochtergesellschaft Sachsen LB Europe Finanzgeschäfte im Volumen von mehr als 23 Milliarden Euro abgewickelt. Dabei ging es um die Verbriefung von Kreditrisiken durch sogenannte Conduits.
Den einstigen Managern werfen die Behörden nun vor, sie hätten Immobilienspekulationen erheblich ausgeweitet. Angesichts der beschränkten Eigenkapitalausstattung hätten sie damit die Existenz der Bank aufs Spiel gesetzt. Das dabei eingesetzte Vermögen habe zum eingegangenen Risiko und zum erstrebten Gewinn außer Verhältnis gestanden, werfen die Strafverfolger ihnen vor. Noch schwerer wiegt die Anschuldigung, sie hätten ein rechtzeitiges Eingreifen des Verwaltungsrates verhindert. Zu diesem Zweck hätten sie die „aus den Geschäften naturgemäß resultierenden Marktrisiken und die in diesem Zusammenhang übernommene Haftung“ nicht offen in das Risikomanagement und die Jahresabschlüsse der Bank eingestellt.
Joachim Jahn Jahrgang 1959, Redakteur der Wirtschaft in Berlin, zuständig für „Recht und Steuern“.
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