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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Verdacht auf Untreue und Bilanzfälschung Polizei durchsucht HSH Nordbank

26.05.2010 ·  Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchen seit dem Vormittag Geschäftsräume der HSH Nordbank und Privatwohnungen von früheren Vorstandsmitgliedern. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit Monaten gegen Top-Manager der Bank wegen des Verdachts der schweren Untreue sowie teilweise Bilanzfälschung.

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Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat am Mittwoch Büros der HSH Nordbank in Kiel und Hamburg sowie fünf Privatwohnungen in Schleswig-Holstein und Hamburg durchsucht. Im Einsatz sind nach Angaben der Behörde sechs Staatsanwälte und 60 Polizisten.

Gegen vier ehemalige und zwei amtierende Bank-Vorstände bestehe ein Untreueverdacht, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Zusätzlich gehe die Behörde in zwei Fällen dem Verdacht der „unrichtigen Darstellung“ nach dem Aktiengesetz nach. Ergebnisse der Aktion wurden zunächst nicht bekannt. Ein HSH-Sprecher sagte zu den Durchsuchungen: „Wir sehen das relativ gelassen.“ Die Bank werde weiter mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

Bei den Untersuchungen geht es unter anderem um das umstrittene Geschäft mit dem Codenamen „Omega 55“, das auch von dem amtierenden Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher abgezeichnet wurde. Gegen Nonnenmacher laufen ebenfalls Ermittlungen, seine Wohnung wurde jedoch nicht durchsucht.

Im Rahmen der Omega-Geschäfte hatte die HSH Immobilienpapiere an die französische Bank BNP Paribas veräußert. Im Gegenzug stand die Landesbank für Risikopapiere ein, die BNP an die Zweckgesellschaft Omega Capital Funding in Dublin übertrug. Die Geschäfte bescherten der HSH Nordbank insgesamt einen Verlust von rund 270 Millionen Euro (siehe Omega 55: vom Entlastungsgeschäft zum schweren Ballast).

Die HSH Nordbank hatte sich in der Finanzkrise mit faulen Wertpapieren verspekuliert, deren Risiken vom Management der Bank falsch eingeschätzt worden waren. Durch die Fehlspekulationen geriet die Bank an den Rand des Abgrunds. Sie musste von ihren Eigentümern Hamburg und Schleswig-Holstein mit drei Milliarden Euro Kapital und weiteren 10 Milliarden Euro an Garantien gestützt werden. Insbesondere auf die „Omega“-Transaktionen hatte die HSH im vergangenen Jahr hohe Summen abschreiben müssen. Die Abschreibung hatte zur Beinahe-Pleite der Bank beigetragen und den damaligen HSH-Chef Hans Berger den Job gekostet.

Allein im Jahr 2008 hatte die Bank insgesamt einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro aufgetürmt, im vergangenen Jahr waren es noch knapp 700 Millionen Euro Verlust. Und die Bank bleibt auch weiterhin das Problemkind unter den Landesbanken: Während andere angeschlagene Landesinstitute wie die West LB oder die Bayern LB im ersten Quartal Gewinne erzielten, hat die HSH Nordbank zum Jahresauftakt abermals tiefrote Zahlen geschrieben - als einzige Landesbank. Die Quartalszahlen der NordLB stehen noch aus.

Die einzige Landesbank mit Verlust

Trotz eines positiven Steuereffekts belief sich der Verlust im ersten Quartal unter dem Strich auf 276 (Vorjahreszeitraum: 231) Millionen Euro. Damit bleibt die HSH Nordbank in der Verlustzone. Neben dem schwachen Euro belasteten auch die Kosten für die staatlichen Garantien das Ergebnis. Die HSH war als eines der ersten deutschen Institute unter den staatlichen Rettungsschirm des Bankenfonds Soffin geschlüpft, zusätzlich hatten die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg die Bank mit Kapital und Sicherheitsgarantien gestützt.

Die Kosten für staatliche Garantieleistungen drückten im ersten Quartal mit insgesamt 150 Millionen Euro das Ergebnis. Operativ sieht sich HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher aber auf Kurs: Ziel sei es, 2010 vor Restrukturierungskosten den Verlust auf 700 Millionen Euro zu
reduzieren, nach gut einer Milliarde Euro im Jahr zuvor. Im kommenden Jahr will Nonnenmacher wieder schwarze Zahlen schreiben und 2012 dividendenfähig sein.

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Von Heike Göbel

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30.05.2012 12:12 Uhr
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