24.10.2005 · Die deutschen Banken kümmern sich bei Vergabe von Krediten nach Ansicht von Verbraucherschützern zu wenig um die tatsächliche Finanzkraft ihrer Kunden. Viele Institute verliehen Geld zu Zinsen und Raten, die der Kunde nicht zurückzahlen könne.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat von den Banken mehr Verantwortungsbewußtsein bei der Vergabe von Krediten gefordert.
Intransparenz, variable Zinsen und horrende Vorfälligkeitsentschädigungen machten die Kreditnehmer zum Spielball der Banken, sagte vzbv-Chefin Edda Müller am Montag in Berlin. Der Verband forderte einen besseren Verbraucherschutz bei der Darlehensvergabe und Nachbesserungen bei der dazu vorliegenden EU-Richtlinie.
Nach Beobachtung der Verbraucherzentralen ermitteln immer mehr Institute die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden anhand so genannter Scoring-Systeme. Mit diesem Punktesystem leiten die Banken einen individuellen Zinssatz für den Kreditnehmer ab. Im Falle einer Volksbank habe der effektive Jahreszins für ein Darlehen zwischen 5,6 und 14,99 Prozent gelegen, sagte der Finanzexperte des vzbv, Manfred Westphal. Die Gründe für den Unterschied bleiben oft unklar, die Bewertung sei häufig willkürlich. Manchmal führe bereits ein hohes Alter der Kunden dazu, daß ein Darlehen verweigert werde. Viele Banken würden in ihrer Werbung außerdem nur die mögliche Spanne der Zinsbelastung angeben. Finanziell schwache Haushalte litten unter dieser Geschäftspolitik am stärksten.
Die Bundesbürger sind nach Angaben des vzbv insgesamt mit 999 Milliarden Euro verschuldet, 765 Milliarden davon entfallen auf Immobiliendarlehen.
„Zusatzkosten oft vernebelt“
Die Verbraucherschützer bemängeln außerdem, daß Zusatzkosten bei der Kreditvergabe oft vernebelt werden. Insbesondere verpflichtende Restschuldversicherungen könnten den Preis für ein Darlehen deutlich in die Höhe treiben. Ein weiterer Kritikpunkt für den vzbv sind die gängigen Vorfälligkeitsentschädigungen, die bei einer frühzeitigen Rückzahlung von Darlehen verlangt werden.
Diese Ersatzleistung müsse europaweit nach französischem Vorbild auf drei Prozent begrenzt werden, verlangte Müller. In einem Fall habe eine deutsche Bank einer französischen Kundin bei einem vorzeitig abgelösten Immobilienkredit 33.600 Euro in Rechnung gestellt. Da französisches Recht galt, habe die Kundin am Ende nur 6400 Euro zahlen müssen.
Die Verbraucherschützer forderten bessere Mindeststandards bei der in der EU beratenen Verbraucherkreditrichtlinie. So sollten Banken etwa für eine allzu leichtfertige Kreditvergabe haften müssen, wenn beispielsweise absehbar gewesen sei, daß die Rückzahlung einen Kunden überfordere. Außerdem forderte der Verband, daß Kunden die Gründe für die Verweigerung eines Kredites genannt werden sollten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2542 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 107,26 $ | +0,38% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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