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Vapiano : Tchibo-Erben kaufen Anteil an Restaurantkette

Vapiano-Restaurant in Frankfurt Bild: Daniel Pilar

Als sich Günter und Daniela Herz von ihren Geschwistern und damit auch ihren Anteilen an dem Kaffeeröster Tchibo trennten, haben sie mehrere Milliarden Euro bekommen. Jetzt steigen sie bei der Restaurantkette Vapiano ein.

          Nicht nur Kleinsparer haben manchmal ihre liebe Not mit der Anlage ihres Geldes. Auch Milliardäre wissen davon ein Lied zu singen. 4,1 Milliarden Euro hatten Günter Herz und seine Schwester Daniela Herz-Schnoeckel im Jahr 2003 bekommen, als sie sich im Streit von ihren Geschwistern und in der Folge auch von ihren Anteilen an dem Kaffeeröster Tchibo trennten. Seither dürfte diese Summe eher gewachsen als geschrumpft sein. Denn die Geschwister haben zwar in Hamburg eigens eine Investment- und Beteiligungsgesellschaft namens Mayfair gegründet. Diese hat allerdings bis heute nicht viele Transaktionen gemeldet. Im Portfolio findet sich bisher nur der Schiffszertifizierer Germanischer Lloyd, den man sich 575 Millionen Euro kosten ließ. Die zwischenzeitliche Beteiligung an dem Sportartikelhersteller Puma hat Herz mit einem Gewinn von 500 Millionen Euro wieder verkauft.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Doch nun haben Günter und Daniela ein neues Beteiligungsobjekt gefunden. Sie engagieren sich mit 40 Prozent bei der Restaurantkette Vapiano. Das klingt italienisch, weil in den 97 hochwertig ausgestatteten Selbstbedienungslokalen in Deutschland und Europa vor allem frische Pasta und Pizza verkauft werden.

          Das Unternehmen, die Vapiano SE, sitzt aber in Bonn und wurde auch von Deutschen gegründet. Gregor Gerlach, einer der Gründer und amtierender Aufsichtsratsvorsitzender der Gruppe, verkauft die erwähnten Anteile an Mayfair. Nach Informationen der F.A.Z. liegt der Kaufpreis für das Paket in hoher zweistelliger Millionenhöhe.

          Mayfair-Manager Hinrich Stahl, der diese Investition für die Herz-Geschwister federführend verhandelt hat, wollte sich auf Anfrage nicht zu den Einstiegskonditionen äußern. Er ließ aber klar durchblicken, dass man es nicht bei einem Anteil von 40 Prozent belassen will. „Wir haben Interesse an einer Mehrheitsübernahme von Vapiano“, sagte Stahl. In diesem Sinne stehe man bereit für den Fall, dass eine Kapitalerhöhung notwendig werde. Wichtig sei aber, dass der Unternehmensgründer Gerlach an Bord bleibe.

          Frisches Geld könnte Vapiano über kurz oder lang deshalb gebrauchen, weil die Kette weiterhin einen strammen Wachstumskurs halten soll (siehe Die deutsche Pizza-Kette Vapiano will in Europa wachsen). Im vergangenen Jahr hat sie den Nettoumsatz um mehr als ein Fünftel auf 103,5 Millionen Euro erhöht und dabei nach Aussage Stahls mit Gewinn gearbeitet. Stahl ist davon überzeugt, dass das Gastronomiekonzept von Vapiano überall in der Welt funktioniert. Schon heute steht die Hälfte der Restaurants im Ausland, wobei der Schwerpunkt klar auf Europa liegt. Das soll nicht so bleiben. „Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll Vapiano auch in China und Japan Fuß fassen“, sagte Stahl. Auch in diesen Ländern werde man grundsätzlich dem gleichen Konzept folgen, das Angebot der Speisen (etwa bei der Auswahl der Fleischsorten) aber an die jeweiligen Essgewohnheiten anpassen.

          Der für seine strengen Investitionskriterien bekannte Günter Herz glaubt jedenfalls, aufs richtige Pferd gesetzt zu haben: „Wir sind stolz, ein solches Unternehmen zu begleiten und haben hohe Erwartungen an die weitere langfristige Entwicklung“, ließ der Milliardär mitteilen.

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