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Uwe Hück Volkstribun im Porsche

23.06.2005 ·  Er ist Kämpfer, Polterer und ein Naturtalent, wenn es ums Reden geht. Daher fällt es dem Konzernbetriebsratschef Uwe Hück nicht schwer, die gute Stimmung unter den Porsche-Arbeitern aufrechtzuerhalten.

Von Susanne Preuss
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Wenn er Seite an Seite mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und mit dem Bundeskanzler zur Betriebsversammlung schreitet, dann ist Uwe Hück, Konzernbetriebsratschef von Porsche, in seinem Element. Die Porsche-Werker klatschen ihm Beifall - und Hück gibt sich gerührt: „Sie lieben mich halt, da kann ich nichts dafür.“

Daß Wiedeking kurz danach durch entsprechende Gesten einen noch größeren Beifall provoziert, steckt er weg: er ist schließlich Sportler. Bevor er mit 23 Jahren als Lackierer bei Porsche anfing, hatte der Stuttgarter schon eine Karriere als Profi-Boxer hinter sich, zweimal hat er im Thai-Boxen den Europameister-Titel geholt.

Keine Geschenke

Im Augenblick ist es Uwe Hück ohnehin wichtiger, die gute Stimmung aufrechtzuerhalten, und das gelingt ihm prächtig. Den Arbeitern hat er gute Nachrichten mitgebracht: daß Porsche in Stuttgart kräftig investieren will und daß ihre Arbeitsplätze noch sicherer gemacht werden. Wer will in diesem Augenblick schon genau wissen, was als Gegenleistung verlangt wird?

Ohnehin ist allen klar, daß es keine Geschenke gibt - denn bei Porsche wird immer Tacheles geredet, vom Betriebsratschef ebenso wie vom Vorstandsvorsitzenden. Jetzt läßt man gerne den Kanzler von Porsche schwärmen, von diesem „Traumauto“, von dem erfolgreichen Unternehmen als „Modellfall für Deutschland“ und Beispiel gelebter Sozialpartnerschaft.

Kanzler kumpelhaft geduzt

Gerhard Schröder kann im Wahlkampf nichts Besseres passieren als so ein Auftritt bei einem gut aufgestellten Unternehmen mit einer begeisterungsfähigen Belegschaft. Doch hier ist er offenbar wirklich auf Seelenverwandte gestoßen: Während die offizielle Agenda das Ende des Kanzlerbesuchs (und die Weiterreise nach Aachen zu einem Treffen mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso) um 16.52 Uhr vorsah, blieb Schröder eine gute Stunde länger.

Schröder, so heißt es in Zuffenhausen, habe Uwe Hück sogar zu seinem Geburtstagsfest nach Hannover eingeladen. Angesichts dessen erscheint es nicht nur der SPD-Mitgliedschaft Hücks geschuldet, daß er den Kanzler kumpelhaft duzt.

Ein Naturtalent

Ein bißchen schwieriger, weil von den Mühen des Alltags geprägt, ist Uwe Hücks Beziehung zu Vorstandschef Wiedeking. „Wendelin Wiedeking und ich eignen sich ja nicht zum Schmusen, und das ist auch gut so“, sagt er. „Das ist auch gut so“, sagt Uwe Hück oft. Es sind die Worte des Volkstribuns, der mit lauter Stimme, die Adern an den Schläfen geschwollen, unangenehme Wahrheiten verkünden muß.

Er ist ein Naturtalent, wenn es ums Reden geht und darum, die Menschen auf seine Seite zu bringen - genau wie der Konzernchef -, und beide lieben es ebenso zu provozieren. Daß die IG Metall vor zwei Jahren den Vorsitz kampflos dem traditionalistischen Jürgen Peters überlassen wollte, brachte ihn so auf, daß er - Mitglied des IG-Metall-Vorstands Stuttgart und der großen Tarifkommission in Baden-Württemberg - selbst seinen Hut in den Ring warf. „Da ist mal wieder der Gaul mit ihm durchgegangen“, lautete der typische Kommentar derer, die Uwe Hück kennen.

Keine Autos, sondern Emotionen

Der Vater dreier Kinder ist ein Polterer, einer, der nicht taktiert, sondern seine Reden aus dem Bauch heraus hält, ehrlich und geradeaus. So kommt es zu kuriosen Parolen, etwa zum Thema Subventionen. Am Tag der Proteste der bayerischen Zuckerrübenbauern schimpfte Hück: „Die bayerischen Zuckerrüben werden subventioniert, und dann fehlt das Geld für die Bildung unserer Kinder!“ Die Porsche-Arbeiter finden, Hück habe recht, und sie klatschen. Sie sehen in ihm den Kämpfer um den Standort.

Das gilt auch für Leipzig, wo die Arbeiter für mehr Arbeit deutlich weniger Lohn als in Stuttgart bekommen, wo es aber - bei 20 Prozent Arbeitslosenquote - als das große Los gilt, wenn man einen Job bei Porsche ergattert. Hück ist für die Porsche-Belegschaft ein Idol. Diese Rolle paßt gut zu Porsche, einem Unternehmen, das keine Autos verkauft, sondern Emotionen. Und für die Beschäftigten ist es nichts anderes als ein Zeichen von Stolz auf die Leistung seiner Kollegen, daß Hück einen Porsche fährt: einen silberfarbenen 911 Carrera 4 S, Neupreis beim Händler rund 90.000 Euro.

Quelle: F.A.Z., 24.06.2005, Nr. 144 / Seite 17
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