02.07.2007 · Urlauber sollten nicht nur Bargeld mit auf die Reise ins Ausland nehmen. Auch EC- und Kreditkarten gehören ins Gepäck. Auch sollten mehrere Touristen die Reisekasse unter sich aufteilen.
Die Meldung, die Mitte Juni durch die Presse ging, kam rechtzeitig zur Urlaubssaison. In der Türkei wurden die Mitglieder einer Bande von Zahlungskartenbetrügern zu hohen Haftstrafen verurteilt. Das Bundeskriminalamt (BKA) verkündete stolz, dies sei das Ergebnis eines seit Jahren immer intensiver werdenden Informationsaustausches mit den türkischen Behörden. In den ersten fünf Monaten 2007 seien „die Betrugsfälle zum Nachteil deutscher Urlauber in der Türkei im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert worden“. Grund zur Entwarnung, legte das BKA gleich nach, sei das nicht. Denn in nahezu allen Urlaubsländern steigt die Kriminalitätsrate während der Reisezeit an. Gerade in der Ferienzeit sei weiterhin Vorsicht geboten. Der Warnhinweis gilt keineswegs nur für die Handhabung von Karten, sondern auch für den Umgang mit Bargeld.
Neben den kriminalistischen Aspekten gibt es natürlich auch noch andere, die bei der Zusammenstellung der Reisekasse eine Rolle spielen. Allem voran stehen die Kosten, die durch den Einsatz von Karten oder Umtausch entstehen. Grundsätzlich gilt, dass am sichersten reist, wer im Portemonnaie einen Mix aus Bargeld, Bankkundenkarte (umgangssprachlich nach wie vor als EC-Karte bezeichnet) und Kreditkarte hat. Was dagegen kaum bekannt ist: Wer zum richtigen Zeitpunkt das richtige Zahlungsmittel einsetzt, kann die Gebühren drücken - und das keineswegs nur bei Fernreisen, sondern auch innerhalb Europas.
Bei Pauschalreisen genügen meist Sorten
Entscheidend für die Zusammensetzung der Reisekasse sind zwei Aspekte: das Reiseziel und die Art der Reise. Pauschalreisende beispielsweise kommen nach Ansicht aller Fachleute mit wenig Bargeld und einer Bankkundenkarte aus. 100 bis 150 Euro oder der Gegenwert in der entsprechenden Landeswährung gelten als angemessen, um am Ankunftstag Trinkgeld parat zu haben oder den Kindern ein Eis spendieren zu können. Teure Tauschspesen in Deutschland lassen sich vermeiden, wenn das später benötigte Bargeld vor Ort mit der EC-Karte abgehoben wird. Weltweit, erläutert Tanja Beller vom Bundesverband deutscher Banken, gibt es mittlerweile eine Million Geldautomaten, die die Karten mit dem blau-roten Maestro-Logo akzeptieren. Selbst in Kambodscha oder Nairobi ist das kein Problem, wie Beller aus eigener Erfahrung weiß.
Die Kosten für diesen Service sind zudem mit ein bis 4 Prozent (außerhalb Europas) des Betrages erträglich. Wer sein Konto bei der Citibank, Commerzbank, Comdirect, Deutschen Bank, SEB oder Hypo-Vereinsbank hat, kann bei deren ausländischen Zweigstellen oder Partnerbanken sogar gebührenfrei abheben. Und auch Besitzer der Postbank Sparcard können den Automaten bis zu viermal im Jahr kostenlos aufsuchen. Darüber hinaus lässt sich mit der Bankkundenkarte an etwa 10 Millionen elektronischen Kassenterminals in mehr als 100 Ländern bargeldlos bezahlen. Hierfür beträgt die Gebühr zumeist ein bis 1,5 Prozent des Auslandseinsatzes.
Die Wahl des Geldautomaten kann entscheidend sein
Dennoch ist gerade im Umgang mit EC-Karten Vorsicht geboten. Dass niemand beim Eintippen der Geheimnummer (Pin) zuschauen darf, versteht sich von selbst. Darüber hinaus warnt das BKA ausdrücklich davor, die Zahlenkombination mehrfach einzugeben, auch wenn man dazu aufgefordert wird. „Im Zweifel lieber einen anderen Automaten aufsuchen“, rät eine Sprecherin. Außerdem ist darauf zu achten, dass es sich wirklich um offizielle Automaten von Banken handelt. Wer vor Ort nicht suchen mag, kann sich vorab per Suchmaschine im Internet die richtigen Standorte anzeigen lassen (siehe dazu auch: Reisekasse).
Individualtouristen dagegen benötigen mehr Flexibilität als Pauschalreisende. Daher dürfen sie ruhig etwas mehr Bargeld mitnehmen. Mehr als ein Drittel der Reisekasse, so die Empfehlung der Stiftung Warentest, sollte es aber nicht sein. Denn im Verlustfall ist das oft mühsam Ersparte dann unwiederbringlich weg und der Urlaub schneller zu Ende als erwartet. Sicherer und bei Individualreisen unverzichtbar sind Kreditkarten, die allerdings bei Verlust sofort gesperrt werden müssen. Erst danach sind die Karteninhaber von der Haftung befreit.
Reisekasse auf mehrere Personen verteilen
Auch Geldabhebungen sind mit der Kreditkarte möglich, in der Regel jedoch teurer als mit der EC-Karte. Deswegen sollte die Kreditkarte nicht statt der EC-Karte mitgenommen werden, sondern zusätzlich. Einzige Ausnahme: Besitzer von Visakarten heben im Euro-Raum kostenlos ab; wenn sie ihr Konto bei der ING-Diba oder der Volkswagenbank haben, sogar weltweit. Doch Vorsicht: Hierzu wird die Pin benötigt, erinnert Beller. Wer die im Inland nicht benutzt, muss sie sich rechtzeitig besorgen. Sie sollte aber in keinem Fall notiert werden - schon gar nicht am gleichen Ort, an dem die Karte aufbewahrt wird. Ohnehin, ermuntert Beller, sollte die Reisekasse idealerweise von vornherein auf mehrere Personen verteilt werden. Unabhängig davon empfiehlt sie Kreditkartenbesitzern, konsequent darauf zu bestehen, alle Karten in Sichtweite zu behalten. „Geben Sie sie auch dann nicht aus der Hand, wenn der Kellner nur zum Abrechnen nach hinten will.“
Reiseschecks können für Individualreisende nach wie vor eine Alternative sein, zumal wenn eine Fernreise geplant ist - und diese womöglich noch abseits der gängigen Touristenpfade. Dann werden sie sogar empfohlen, denn anders als Bargeld enthalten sie eine Versicherung und werden bei Verlust innerhalb von 24 Stunden ersetzt. Empfehlenswert ist es, sich die Schecks in kleinen Stückelungen entweder in der Landeswährung oder in amerikanischen Dollar ausstellen zu lassen. Wo sie im Reiseland akzeptiert werden, lässt sich ebenfalls im Vorfeld ermitteln, Auskünfte hierüber erteilen die Banken.
Auf dem Traumschiff gilt der Euro weltweit
Fein raus sind in der Regel Urlauber, die eine Kreuzfahrt gebucht haben, denn die Währung an Bord bleibt der Euro - auch wenn das Traumschiff in der Karibik ankert. Mit der EC- oder Kreditkarte zu bezahlen, ist dort in der Regel ebenfalls problemlos möglich. Schwierig kann es, wenn überhaupt, bei Landgängen werden. Nur auf sehr wenigen Schiffen gibt es die Möglichkeit, kleine Summen in Landeswährung zu tauschen. Grundsätzlich gilt für alle Reisenden: Nicht nur die Sicherheitshinweise der eigenen Bank sind wichtig. Wer sich vor Reiseantritt beim Veranstalter, beim Touristenverband oder beim Auswärtigen Amt nach der speziellen Situation im Zielland erkundigt, erfährt oft noch wichtige Details - beispielsweise ob gerade in diesem Gebiet in der vergangenen Zeit besondere Betrugsfälle oder Diebstähle aufgetreten sind.
Entscheidend ist, im Falle eines Falles schnell zu reagieren. Wer eine Karte verloren hat, kann sich unter der Telefonnummer 00 49 für Deutschland und 11 61 16 zum Sperrdienst der Gesellschaft weiterleiten lassen oder erfährt zumindest, an wen er sich wenden kann. Außerdem kann unter Kartensicherheit ein sogenannter Notfallpass heruntergeladen werden, in den dann direkt alle Sperrnummern eingetragen werden. Doch auch hier noch einmal Vorsicht: Es nützt nichts, diesen Pass gemeinsam mit den Karten aufzubewahren.
EC- und Kreditkarten im Gepäck - u.U lebensgefährlich
Ulf Haesen (Haesen1)
- 04.07.2007, 17:28 Uhr
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