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Unterstützung für die Rettung : Großindustrie pro Euro

Die Unternehmenchefs und der Euro: eine nicht ganz unneigennützige Liebe Bild: vario images

Niemand unterstützt die Euro-Rettung so hingebungsvoll wie die deutschen Großkonzerne. Mit Solidarität hat das wenig zu tun. Die EZB finanziert ihnen den Absatz. Und die Euroretter nehmen ihnen das Währungsrisiko ab. Die Zeche zahlt der Steuerzahler.

          Sie geben sich als die wahren Freunde des Euro. Keiner trommelt so für die gemeinsame europäische Währung wie die Chefs von Deutschland Großunternehmen. Von einer „Erfolgsgeschichte“ schwärmt VW-Chef Martin Winterkorn. „Ein unheimlich wichtiges Instrument auch für die Zukunft“ nennt Daimler-Chef Dieter Zetsche die gemeinsame Währung und fordert „Solidarität“ von den Deutschen ein. Je teurer und riskanter die Rettungsprogramme, je unabsehbarer die Haftungsrisiken für den deutschen Steuerzahler werden, desto nachdrücklicher bekunden die Industrie ihre Unterstützung.

          Christian Siedenbiedel
          Johannes Pennekamp

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Der gesammelte Dax-30 ist die beste Propaganda-Maschinen für die Gemeinschaftswährung. Zerbricht der Euro, erlebt Deutschland seine Katastrophe, rufen sie. Ein Land, das so vom Export lebt, brauche den Euro. Tausende von Arbeitsplätzen im ganzen Land stünden auf dem Spiel. Soll heißen: Unser Wohl ist auch das Gemeinwohl.

          Eine Liebe mit Kalkül

          Was die Chefs der Konzerne nicht sagen: Die Euro-Liebe der Unternehmenschefs ist nicht so uneigennützig wie sie klingt. Wenn sie für den Euro trommeln, machen sie vor allem Propaganda in eigener Sache. Patriotismus muss ihre Sorge nicht sein; die Angst der Euroskeptiker, eine Vergemeinschaftung der Schulden in Europa überfordere die Deutschen, quält sie nicht: Deutschlands Großindustrie gehört nämlich mehrheitlich längst nicht mehr deutschen Eigentümern. Jeden dritte Euro verdienen sie heutzutage im europäischen Ausland. Und 54 Prozent der Aktien der Dax-Unternehmen gehören längst ausländischen Eigentümern. Spitzenreiter sind beim Umsatz im europäischen Ausland der Versorger Eon und der Handelskonzern Metro mit jeweils 57 Prozent. Bei Siemens sind es immerhin 38 Prozent. Die Liebe der Großunternehmen zum Euro ist deshalb eine Liebe mit Kalkül. Die Kosten der Eurorettung müssen sie nicht tragen.

          Das unterscheidet die großen Aktiengesellschaften vom eigentümergeführten Mittelstand. „Familienunternehmer sind in der Regel eng mit Deutschland verbunden. Sie haben in Deutschland investiert, sie leben in Deutschland und können ihren Sitz nicht eben mal verlegen“, sagt Lutz Goebel, Präsident des Familienunternehmer-Verbandes. „Ihnen ist deshalb sehr daran gelegen, dass die Wirtschaft in Deutschland gut läuft.“ Das heißt im Umkehrschluss: Deutschlands Großkonzerne haben längst sehr internationale Eigentümer, werden von angestellten Managern gelenkt - und sind vor allem auf die Stabilität ihrer Absatzmärkte in Südeuropa bedacht.

          Kein Wunder, dass die deutsche Industrie die Euro-Staaten Südeuropas um jeden Preis retten will: Indirekt lässt sie sich damit auch selbst staatlich retten. Für Volker Grossmann, Makroökonom an der Universität Freiburg in der Schweiz ist es nur logisch, dass die Großunternehmen für das Bestehen der Euro-Zone kämpfen. Denn die Europäische Zentralbank finanziert ihnen bereitwillig die Kredite, mit denen ihre Produkte gekauft werden.

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