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Unternehmenskonzentration : Zehn Möbelhändler beherrschen die Szene

  • -Aktualisiert am

Die Höffner Möbelgesellschaft GmbH & Co. KG gehört zu den drei größten Unternehmen der Möbelbranche Bild: Pressefotografie Storch, Bad Hg.

Große Einrichtungshäuser wie Ikea, Höffner oder XXXLutz dominieren den Markt. Die zehn größten Möbelhändler vereinen fast die Hälfte des Umsatzes auf sich. Es geht um 18 Milliarden Euro.

          Die Konzentration im Möbelhandel nimmt immer noch zu. Während der Umsatz der 30 größten Einrichtungshäuser nur noch weniger als 2 Prozent im Jahr zulegt auf zuletzt 18 Milliarden Euro, teilen die ganz Großen, die man an einer Hand abzählen kann, den Markt unter sich auf.

          Allein die zehn größten Möbelhändler erzielten im Jahr 2012 mehr als 14 Milliarden Euro Umsatz und schafften es damit, ihren Marktanteil auf nunmehr 45 Prozent anwachsen zu lassen, wie aus einer neuen Analyse des Fachmagazins „Möbel Kultur“ hervorgeht. Auf den ersten drei Rängen liegen unangefochten Ikea, Höffner und der deutsche Zweig der österreichischen XXXLutz-Gruppe.

          Infografik: Die größten Möbelhändler Bilderstrecke

          „Die Konzentration hat in der Tat extrem zugenommen“, sagt Timo Renz von der Unternehmensberatung Wieselhuber. In vielen Fällen seien die Einrichtungshäuser allerdings nicht auf der bestehenden Fläche gewachsen, sondern hätten durch die Eröffnung neuer Filialen zugelegt. Das bedeutet, dass die Umsätze je Quadratmeter sinken. „Ob das ein besonders erfolgreiches Geschäftsmodell ist, da bin ich mir nicht so sicher“, zweifelt Renz.

          Allein in München seien binnen weniger Jahre fast 80.000 Quadratmeter an neuer Fläche für den Möbelhandel hinzugekommen, obwohl der Gesamtmarkt nicht mehr wächst. Trotzdem kommt es bundesweit immer wieder zu großen Neueröffnungen. Im März 2013 öffnete Hofmeister in Sindelfingen bei Stuttgart ein neues Einrichtungshaus mit einer Verkaufsfläche von 40.000 Quadratmetern.

          Internethandel verschärft den Verdrängungswettbewerb

          Es scheint sich eine ähnliche Situation herauszubilden wie in der Baumarktbranche. Dort sind gerade Praktiker und Max Bahr zahlungsunfähig geworden. Sie mussten Insolvenz anmelden, weil ihr Geschäft nicht mehr genug einbrachte. Auch im Möbelhandel dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis eine Bereinigung einsetzt.

          Denn die großen Einrichter sprechen alle dieselbe Zielgruppe von preisbewussten Verbrauchern an, wie sich an der inflationär auftretenden Werbung mit Preisnachlässen ablesen lässt. Begonnen hat ein Verdrängungswettbewerb, der durch den gerade erst beginnenden Internethandel von Möbeln noch verschärft wird und der früher oder später mit einer Konsolidierung wie in der Baumarktbranche enden dürfte.

          Durch den wachsenden Wettbewerbsdruck hat sich auch das Innenleben der Branche verändert. Viele Möbelhandelsunternehmen beginnen damit, die Risiken ihres Geschäfts auf die Mitarbeiter abzuwälzen. Sie zahlen den Verkäufern ein vergleichsweise geringes monatliches Fixum, das oft nur in der Größenordnung von 2000 Euro brutto liegt.

          Der übrige Teil des Gehalts ist erfolgsabhängig und wird am Umsatz bemessen, den der Verkäufer hereinbringt. Ein Teil des unternehmerischen Risikos wird also an die Mitarbeiter abgegeben. Diese erhalten dadurch aber auch die Gelegenheit, durch besondere Anstrengungen ihr Gehalt aufzubessern.

          Gute und schlechte Botschaften

          Hinzu kommt der wachsende Wettbewerb durch den Verkaufskanal Internet. Dort wird zwar nicht die kompliziert geplante Küche bestellt, aber vielleicht doch ein neues Bett oder eine Kinderzimmereinrichtung. Bisher haben die großen Einrichter auf diesen Trend noch nicht angemessen reagiert. Stattdessen messen sie ihren Erfolg weiterhin stur daran, wer die meisten neuen Filialen in neuen Städten eröffnet oder die meisten neuen Märkte in anderen Ländern erschlossen hat. Diese Art von Expansion ist jedoch zunehmend mit einer schlechten Profitabilität verbunden.

          Für die Kunden birgt die zunehmende Konzentration im Möbelhandel eine gute und mehrere schlechte Botschaften. Die gute Nachricht ist, dass der Wettbewerb auf die Preise drückt. Die schlechte ist, dass die Beratungsqualität beim Möbelkauf in der Tendenz abnimmt, weil die Verkäufer auf den Umsatz fixiert sind. Außerdem nimmt ganz einfach die Vielfalt des Angebots ab, wenn ein Dutzend Händler darüber bestimmen, welche Art von Betten, Schränken, Sesseln und Sofas mit welchem Design produziert werden.

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