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Unternehmensberater Die Berater sind ratlos

 ·  Die goldenen Zeiten für Unternehmensberater sind vorbei: Die Einstellung zu ihnen ist viel kritischer geworden, als Vordenker gelten sie nur noch selten. Zwar geben sie anderen bereitwillig Ratschläge, doch was ihre eigene Zukunft angeht, wirken sie einigermaßen ratlos.

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Geht es der Wirtschaft insgesamt gut, geht es auch den Unternehmensberatern gut. So war es in vergangenen Aufschwungphasen, so könnte es auch jetzt wieder sein. Doch ganz so einfach ist es dieses Mal nicht. In der Beratungsbranche läuft es derzeit alles andere als rund. Damit nicht genug: Die Damen und Herren, die anderen bereitwillig Ratschläge erteilen, wirken einigermaßen ratlos, was ihre eigene Zukunft angeht.

Keine Frage, es gibt auch für die rund 85 000 Unternehmensberater in Deutschland wieder mehr zu tun. Viele Unternehmen haben ihren Sparkurs gelockert und vergeben bereitwilliger als noch vor einem Jahr Projekte an McKinsey & Co. Aber die Art der Zusammenarbeit hat sich verändert. In den Unternehmen reden zunehmend die Einkaufsabteilungen mit, welche Berater zum Einsatz kommen und welche Beträge diese in Rechnung stellen dürfen. Jeglicher Verdacht von Vetternwirtschaft soll so im Keim erstickt werden. Die Berater müssen sich die Frage gefallen lassen, ob Tagessätze von zum Teil mehr als 5000 Euro angemessen sind - und nicht selten Nachlässe gewähren. Die Folge: Beratungsmandate sind längst nicht mehr so lukrativ, wie sie das früher einmal waren.

Hinzu kommt, dass die Einstellung zu Unternehmensberatern insgesamt kritischer geworden ist. Die Ratgeber werden zwar immer noch gerne gerufen, wenn es gilt, eine für die Belegschaft unangenehme "Restrukturierung" - wie Stellenabbau im Beraterdeutsch heißt - zu verordnen. Aber wenn es um Wachstumsfragen geht, um das Erschließen neuer Märkte, betonen Vorstandsvorsitzende in letzter Zeit auffallend oft, wie gut ihre hauseigenen Denkfabriken dafür gerüstet sind. Unternehmensberater gelten nur noch selten als Vordenker. Da hilft es auch nichts, dass sie eine Studie nach der anderen über die Zukunft der Wirtschaft veröffentlichen. Zumindest nicht, solange zu den zentralen Erkenntnissen gehört, dass ein Fachkräftemangel droht. Das dürfte sich auch so schon herumgesprochen haben.

Auch Personalberater drängen in den Markt

Es ist kein Zeichen der Stärke, dass Unternehmensberater ihre Bemühungen im Moment darauf konzentrieren, sich mit anderen zusammenzuschließen. Zumal nicht einmal das funktioniert. Der geplante Zusammenschluss der Strategieberatungen Booz und A.T. Kearney scheiterte im Sommer unter anderem daran, dass sich beide Seiten nicht darauf einigen konnten, wie das neue Gemeinschaftsunternehmen heißen sollte. Das schreckte die Partner von Roland Berger nicht davon ab, im November ihrerseits den Schulterschluss mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zu suchen. Nicht einmal eine Woche später kam die Kehrtwende. Jene, die eben noch Loblieder auf die Größenvorteile gesungen hatten, priesen plötzlich die Vorzüge der Unabhängigkeit. Professionell - jene Eigenschaft, die sich die Beratungsbranche gerne auf ihre Fahne schreibt - wirkt das alles nicht.

Von Ideen, wie sich das angestammte Geschäftsfeld sinnvoll erweitern ließe, ist dagegen erstaunlich wenig zu hören. Berater verweisen an dieser Stelle allenfalls auf ihre neuesten Büros in Asien und Südamerika. Doch reicht das Wachstum in fernen Ländern langfristig, um den Bedeutungsverlust in den Kernmärkten Amerika und Europa auszugleichen? Wohl kaum. Was der Branche fehlt, ist eine Strategie über die geographische Ausweitung hinaus.

Interessant zu beobachten ist in diesem Zusammenhang, dass sich andere zunehmend in das Feld der Unternehmensberater vorwagen. So bauen Personalberatungen angesichts des demographischen Wandels eifrig Abteilungen auf, die Unternehmen helfen sollen, bislang unerkannte Talente in der Belegschaft zu entdecken und zu fördern. Dazu stellen sie auch schon mal die ganze Organisationsstruktur in Frage - bislang eine Domäne der Unternehmensberater.

Fusionen allein sind keine Lösung

Ein neues Betätigungsfeld für Unternehmensberater könnten soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sein. Vielen Konzernen wird erst langsam bewusst, welchen Einfluss die virtuellen Plauderzirkel auf Umsatz und Gewinn haben. Und viele haben immer noch keine Strategie, wie sie mit den neuen Medien und den neuen Konsumenten umgehen sollen. Wollen die Berater dieses Feld nicht den Werbeagenturen überlassen, sollten sie sich beeilen. Marktführer McKinsey hat schon Witterung aufgenommen und ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Marktforschungsinstitut Nielsen gegründet. Das Ziel der Kooperation: Unternehmen erklären, was Internetnutzer über sie denken und wie sich dieses Bild ändern lässt.

Berater neigen dazu, solche Vorstöße der Konkurrenz in neues Terrain als Spielerei abzutun. Als einen netten Versuch, aber nicht nachahmenswert, weil ohne Aussicht auf Erfolg. Mit dieser Überheblichkeit tut sich die Branche keinen Gefallen. Wenn sie relevant bleiben will, sollte sie mehr wagen. Neue Beratungsfelder auszuloten gehört dazu. Das Glück allein in Fusionen zu suchen kann keine Lösung sein. Und darauf zu hoffen, dass das Geschäft mit dem fortdauernden Wirtschaftsaufschwung wieder an die guten alte Zeiten anknüpft, schon gar nicht.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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