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Unternehmen im Aufschwung Die Gewinne deutscher Großkonzerne steigen

29.07.2010 ·  Wird das ein wahrer Wirtschaftsaufschwung? Chemie, Elektrotechnik und Autobau: Sieben deutsche Großkonzerne präsentierten am Donnerstag rasant steigende Gewinne - doch die Vorstandchefs warnen vor Konjunkturrisiken.

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Die deutschen Großkonzerne erleben einen kräftigen Aufschwung. Egal ob Chemie, Elektrotechnik, Autos, Lastwagen oder Luftverkehr: Die jüngsten Unternehmenszahlen deuten auf eine rasante Erholung hin. Am Donnerstag legten gleich 7 der 30 Dax-Konzerne ihre Quartalszahlen vor. Das Börsenbarometer Dax sprang leicht nach oben.

BASF-Chef Jürgen Hambrecht hat eigentlich Grund zum Feiern. Sein Chemiekonzern hat im zweiten Quartal den Überschuss verdreifacht (siehe BASF steigert Ergebnis um 94 Prozent). Doch von Euphorie ist beim Vorstandsvorsitzenden des Weltmarktführers wenig zu spüren. „Die Krise ist noch nicht vollständig verdaut“, sagt der Manager. Und nicht nur er: Trotz satter Gewinne warnen vieler seiner Vorstandskollegen in Top-Konzernen vor Konjunkturrisiken. Aus gutem Grund: Die Rezession ist zwar überstanden und ein Rückfall unwahrscheinlich, doch die Sorgenliste ist noch lang.

Die größte Gefahr sind die Vereinigten Staaten

Die fragile Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft der Vereinigten Staaten, der harte Sparkurs der Euro-Länder, das Auslaufen staatlicher Konjunkturhilfen, dazu starke Wechselkursschwankungen. „Tatsächlich ist die Unsicherheit auf den weltweiten Märkten noch nicht ganz beseitigt“, sagt der Chef des Lkw- und Maschinenbauers MAN, Georg Pachta-Reyhofen. „Das zweite Halbjahr wird kein Selbstläufer“, sagt VW-Vorstand Christian Klingler.

Die größte Gefahr gehe von den Vereinigten Staaten aus, schreibt die Deutsche Bank in ihrem Zwischenbericht. Dort stieg die ohnehin hohe Arbeitslosigkeit zuletzt wieder, am Immobilienmarkt ist keine Entspannung in Sicht, und die Industrie büßt trotz der weltweiten Erholung wieder Aufträge ein. Der Chef der mächtigen Notenbank Fed, Ben Bernanke, bezeichnete die Aussichten deshalb als „außergewöhnlich unsicher“. Experten schließen inzwischen selbst einen Rückfall in die Rezession nicht mehr aus. Das würde die exportabhängige deutsche Industrie hart treffen: 54 Milliarden Euro erlöste sie 2009 in den Vereinigten Staaten, nur Frankreich und die Niederlande beziehen mehr aus Deutschland.

„Dieses Ding muss vom Tisch“

Auch im Euro-Raum stehen die Zeichen auf Konjunkturabkühlung, weil die Regierungen wegen der Schuldenkrise in den nächsten Jahren zusammen dreistellige Milliardenbeträge sparen müssen und dafür Ausgaben senken und Steuern erhöhen. Schrecken verbreiten die Sparpläne der Bundesregierung vor allem bei den beiden größten deutschen Fluggesellschaften Lufthansa und Air Berlin. Eine Steuer auf Flugtickets soll Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble 1 Milliarde Euro im Jahr in die Kasse spülen. Für Kurzstrecken in Deutschland und Europa sind demnach 9 Euro geplant, für mittellange Strecken zwischen 2500 und 6000 Kilometer 25 Euro und für Langstrecken 40 Euro.

„Eine Steuer käme außerdem zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt nach der Finanzkrise und den Ascheschäden“, sagt Lufthansa-Manager Karl-Ulrich Garnadt. Selbst geringe Kostenerhöhungen könnten sofort zu Buchungsverlusten führten. Und Air-Berlin-Chef Joachim Hunold sieht die Gewinne der Luftfahrtunternehmen in Gefahr. „Die Gesamtbelastung von einer Milliarde Euro im Jahr übersteigt die Summe der 2009 von allen deutschen Flughäfen und Fluggesellschaften erzielten Unternehmensergebnisse“, sagt Hunold. „Dieses Ding muss vom Tisch.“

Siemens ist in einer komfortablen Lage

Die beiden Airlines sind nicht die einzigen, auf die neue Belastungen zukommen. Die Industrie muss sich im Zuge der geplanten Ökosteuer-Reform auf Milliarden-Kosten bei Strom- und Gasrechnungen einstellen. Der Bund will die bisherigen Ausnahmen bei der Abgabe drastisch zusammenstreichen, so dass große Energieverbraucher bis zur neunfachen Steuerlast tragen werden müssen. Damit will der Bund 2011 rund eine Milliarde Euro und in Folgejahren 1,5 Milliarden Euro mehr einzunehmen. Auf die vier großen Energieversorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW müssen um einen Teil ihrer Pfründe fürchten: Die neue Atomsteuer soll dem Staat von 2011 bis 2014 jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen.

Hinzu kommt, dass die Konjunkturprogramme weltweit auslaufen. Der Technologiekonzern Siemens ist da noch in einer vergleichsweise komfortablen Lage, weil er vor allem auf Großprojekte mit langer Vorlauf- und Planungszeit wie Kraftwerke oder Züge spezialisiert ist: Vier Milliarden Euro hat der Technologiekonzern bislang aus staatlichen Konjunkturpaketen rund um die Welt eingesammelt, bis Herbst 2012 sollen es 15 Milliarden sein. Andere Unternehmen müssen dagegen ohne Staatshilfe auskommen. Wie schwer das sein kann, erfahren gerade die Autobauer: Sie wollen in diesem Jahr zwischen 2,8 und 2,9 Millionen Wagen im Inland losschlagen - eine Million weniger als 2009, als die Abwrackprämie einen Run auf die Schauräume der Autohändler ausgelöst hatte. Nur dank des Exportbooms in Länder wie China fällt das derzeit nicht ins Gewicht.

Das Auf und Ab erschwert die Kalkulation der Unternehmen

Kursausschläge des Euro erschweren das Geschäft. Zu Jahresbeginn kostete er noch 1,45 Dollar, im Juni dann nur noch 1,18 Dollar - und jetzt wieder knapp 1,31 Dollar. Das heftige Auf und Ab binnen kurzer Zeit aber erschwert die Kalkulation der Unternehmen. Auch das ist ein Grund dafür, warum BASF-Chef Hambrecht trotz glänzender Quartalszahlen vor Konjunkturrisiken warnt.

BASF: Ein Drittel mehr Umsatz

Der weltgrößte Chemiekonzern BASF kommt in alter Stärke aus der Wirtschaftskrise und legte in fast allen Sparten zu. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fast 30 Prozent auf 16,2 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von knapp 1,2 Milliarden Euro, nach 343 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum (siehe BASF steigert Ergebnis um 94 Prozent).

Volkswagen: Gewaltiger Gewinnsprung dank China

Beflügelt von der Nachfrage aus China konnte Europas größter Autobauer Volkswagen den Gewinn kräftig steigern. Unter dem Strich standen 1,8 Milliarden Euro, mehr als drei Mal soviel wie im ersten Halbjahr des Krisenjahres 2009. Der Umsatz stieg um 20,7 Prozent auf 61,8 Milliarden Euro (siehe VW steigert den Gewinn auf 1,8 Milliarden Euro).

Siemens: Auftragseingänge steigen um ein Fünftel

Beim Elektrokonzern Siemens kletterten die Auftragseingänge im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2009/10 im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 20,87 Milliarden Euro. Der Umsatz legte um vier Prozent auf 19,17 Milliarden Euro zu (siehe Die Aktien des Tages: 29. Juli 2010).

Lufthansa: Wieder in der Gewinnzone

Europas größte Fluggesellschaft Lufthansa kehrte nach tiefroten Zahlen zum Jahresauftakt im zweiten Quartal in die Gewinnzone zurück. Unter dem Strich wurde trotz der Flugausfälle durch die Vulkanasche aus Island rund 194 Millionen Euro verdient. Insgesamt ist das erste Halbjahr damit zwar noch negativ, das Unternehmen sieht aber eine „solide, grundlegende Nachfrageerholung“.

Bayer: Umsatz nimmt um 14,6 Prozent zu

Die Chemiesparte rettete Bayer das zweite Quartal. Der Umsatz kletterte von April bis Juni um 14,6 Prozent auf knapp 9,2 Milliarden Euro. Der Gewinn ging dagegen leicht auf 525 Millionen Euro zurück, nach 532 Millionen Euro im Vorjahr.

Merck: Chemiegeschäft erholt sich

Beim Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck führte die Erholung im Chemiegeschäft zu einem kräftigen Gewinnanstieg. Das Ergebnis nach Steuern legte im zweiten Quartal um 70 Prozent auf 187 Millionen Euro zu. Beim Umsatz verbuchte Merck ein Wachstum auf 2,2 Milliarden Euro nach 1,9 Milliarden Euro im Vorjahr.

MAN: Profitiert vom erholten Nutzfahrzeugmarkt

Der Lastwagen- und Motorenhersteller MAN profitierte von der Erholung auf den Nutzfahrzeugmärkten. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal verglichen mit dem Vorjahresquartal um 16 Prozent auf rund 3,6 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um fast das Doppelte auf rund 276 Millionen Euro.

Quelle: FAZ.NET mit dpa und Reuters
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