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Unterhaltungselektronik : Vom Überleben in der Premiumnische

  • -Aktualisiert am

Der Unterhaltungselektronik-Hersteller Loewe hat die Krise gemeistert Bild: dpa

Einst arbeiteten in Deutschland mehr als 100.000 Menschen in der Unterhaltungselektronik-Branche. Doch die schnell wachsende Konkurrenz aus Asien sorgte für eine erste Welle der Geschäftsaufgaben. Einige Anbieter haben die Krise jedoch überlebt.

          Der Begriff „Braune Ware“ wäre der Branche fast zum Verhängnis geworden. Er stammt noch aus den Zeiten, in denen sich der Fernseher noch in perfekter farblicher Harmonie in die Eichenschrankwand im Gelsenkirchener Barock einpassen ließ. Für die Küche wurde die „Braune Ware“ mit abwaschbarer Decifix-Folie im Holzlook geliefert. Fast alles, wo Musik oder Fernsehbilder herauskamen, war braun - und vielfach in Deutschland produziert. Es steckte viel Qualität in den Geräten mit dem etwas angestaubten Image.

          Wenn es also nur das Image gewesen wäre, hätte der Niedergang der deutschen Unterhaltungselektronik sicherlich verhindert werden können. So tat sich zum Beispiel das Unternehmen Braun schon sehr früh mit dem modernen Design von Dieter Rams für seine Geräte hervor. Die damals gebauten Hi-Fi-Anlagen werden heute immer noch zu hohen Liebhaberpreisen gehandelt - Braun selber aber fertigt schon lange nicht mehr. Es war aber leider mehr als ein Imageproblem. Der Grund für die erste Welle der Geschäftsaufgaben in den achtziger und neunziger Jahren lag vielmehr in der schnell wachsenden Konkurrenz aus Asien. Dort wurden Geräte gebaut, die im Preis deutlich unter den deutschen Fabrikaten lagen, vielfach in der Anmutung moderner waren und vor allem innerhalb kurzer Zeit auch in der Qualität den deutschen Angeboten in nichts nachstanden.

          Viele Unternehmen verschwanden von der Bildfläche

          Dieser Angriff ließ in der Branche in Deutschland kaum einen Stein auf dem anderen. Unternehmen wie Saba, Telefunken oder Dual und Braun verschwanden ebenso von der Bildfläche wie Nordmende oder selbst Grundig und die entsprechende Sparte von Siemens. Damit erloschen die Gesellschaften, die die Pionierzeiten der Rundfunk- und Fernsehgeschichte entscheidend geprägt hatten. Zwar existieren in vielen Fällen wie bei Telefunken, Nordmende oder Grundig die Marken auch heute noch weiter: Sie stehen aber kaum noch für die einst gerühmte Kompetenz der deutschen Industrie in Sachen Unterhaltungselektronik.

          Es gibt aber noch Ausnahmen: Während in den meisten Geräten dieser Marken Technik aus der Türkei oder Fernost steckt, werden Dual-Plattenspieler weiterhin von der Alfred Fehrenbacher GmbH in St. Georgen im Schwarzwald hergestellt. Dort arbeiten allerdings lange nicht mehr die 3000 Mitarbeiter, die Dual in den Glanzzeiten des Unternehmens beschäftigt hatte. So blieb auch von den einst deutlich mehr als 100.000 Arbeitsplätzen, die von der Branche in Deutschland bis in die achtziger Jahre geschaffen wurden, kaum noch etwas übrig. Fast 40.000 Angestellte waren bis Ende der achtziger Jahre allein bei Grundig beschäftigt. Im Jahr 2003, als das Unternehmen in die Insolvenz ging, waren es noch 3500 Mitarbeiter, von denen die meisten ihren Arbeitsplatz in der Folge ebenfalls verloren. Heute wird die Marke Grundig von dem türkischen Elektronikhersteller Beko für seine Geräte genutzt.

          1995 waren gerade noch 35.000 Mitarbeiter in deutschen Betrieben beschäftigt

          Auch den anderen Unternehmen der Branche erging es nicht viel besser, und viele haben nicht so lange durchgehalten wie Grundig. Im Jahr 1995 waren insgesamt gerade noch 35.000 Mitarbeiter in den deutschen Betrieben beschäftigt. Heute wird die Zahl der Arbeitsplätze im mittleren vierstelligen Bereich geschätzt, und auch das ist keine Selbstverständlichkeit. Es bestand durchaus die Gefahr, dass sämtliche deutsche Unternehmen der Branche die Krise nicht überleben würden. Dann wäre Deutschland heute ausschließlich Sitz der Vertriebsorganisationen der international führenden Hersteller wie Samsung und Panasonic oder Sony und Sharp, die hier jeweils nur einige hundert Mitarbeiter beschäftigen.

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