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Unruhen in Französisch-Guyana : Europäische Satellitenstarts sind blockiert

Der Weltraumbahnhof in Korou Bild: Optique/REX/Shutterstock

Vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou können derzeit keine Trägerraketen ins All starten. Das trifft auch eine Airbus-Tochtergesellschaft – zur Freude der Konkurrenz.

          Französisch-Guyana befindet sich in Aufruhr. Die Bevölkerung protestiert massenweise gegen die hohe Arbeitslosigkeit und steigendende Kriminalität. Die Gewerkschaften haben zu einem Generalstreik aufgerufen, und die Regierung in Paris hat bisher keine Wege gefunden, um die Gemüter zu beruhigen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Diese Meldung erscheint zunächst wenig Relevanz für einen Leser in Deutschland zu haben. Doch in Französisch-Guyana befindet sich Europas Weltraumbahnhof. Die Starts der Trägerrakete Ariane 5 sind seit Tagen blockiert. Schon dreimal musste das europäische Weltraum-Unternehmen Arianespace, eine Airbus-Tochtergesellschaft,  den zuletzt geplanten Flug absagen. Ein neues Datum steht bisher nicht fest. In Branchenkreisen wird nicht ausgeschlossen, dass auch der nächste, für Ende April vorgesehene Flug, gefährdet ist.

          Die Zuverlässigkeit von Satellitenstarts ist ein immer wichtigeres Kriterium für den wirtschaftlichen Erfolg, weil die Kommunikation über das Weltall heute zu unserem Alltag gehört. Die Raketen bringen immer häufiger Telekommunikations-, Wetter- und militärische Satelliten ins All. Nicht nur der Satellitenbau, sondern auch das Transportgeschäft ist ein heftig umkämpfter Wirtschaftszweig. Unternehmen wie Space-X des amerikanischen Unternehmers Elon Musk oder Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos haben sich auf dem Markt breit gemacht. Space-X bezeichnet sich inzwischen als der am schnellsten wachsende Anbieter von Weltraumtransporten, und auch das Unternehmen des Amazon-Gründers kommt voran. Kürzlich hat der europäische Satellitenbetreiber Eutelsat angekündigt, einen Satelliten erstmals von Blue Origin ins All transportieren zu lassen.

          Teurere Flüge, aber bislang hohe Verlässlichkeit

          Arianespace war zu Recht immer stolz auf die Verlässlichkeit seiner Ariane-5-Rakete – ein Vorzug, den Space–X aufgrund einiger Unfälle und seinem geringen Alter nicht für sich beanspruchen kann. Seit Ende der siebziger Jahre hat die Ariane-Familie mehr als 200 Starts absolviert, die ihre Satelliten erfolgreich im All platzierten. Das jüngste Modell, die Ariane 5, hat seit 2003 77 erfolgreiche Starts hintereinander geschafft. Die Flüge von Arianespace sind teurer als die der Amerikaner, doch viele Kunden bezahlen den Preis wegen der höheren Sicherheit  gerne.

          Der nun schon dreimal verschobene Ariane-Start betrifft zwei insgesamt mehr als zehn Tonnen schwere Satelliten, gebaut von dem französischen Unternehmen Thales Alenia. Einer gehört  der brasilianischen Betreibergesellschaft Telebras, die ihn für Kommunikations- und militärische Zwecke einsetzen will. Der andere ist eine Auftragsarbeit für die südkoreanische Telekom-Gesellschaft KT Corp., die Internet- und Videodienste für Südostasien ermöglichen soll. Wenn die Blockade von Guyana nicht bald zur Ruhe kommt, könnte sich auch ein für Ende April vorgesehene Flug im Auftrag von Eutelsat verschieben. Er hat symbolische Bedeutung, weil er den ersten Eutelsat-Satelliten mit vollem Elektroantrieb (anstelle des üblichen schweren chemischen Antriebsstoffes)  transportieren soll.

          Arianespace teilte auf Anfrage mit, dass es noch zu früh sei, um über Auswirkungen auf den Eutelsat-Flug zu sprechen. Das europäische Unternehmen verfügt aufgrund einer Zusammenarbeit mit dem russischen Raketenbetreiber Soyus auch über eine Startbasis in Baikonur in Kasachstan. Doch die monatelang vorbereiteten Flüge können nicht rasch ihren Abflugort wechseln.

          Einwohner fühlen sich von Frankreich vernachlässigt

          Nach einer Entspannung der politischen Lage in Guyana sieht es derzeit nicht aus. 37 Gewerkschaften haben für Montag zu einem Generalstreik aufgerufen. Schulen, die Universität, der Hafen, Behörden und immer mehr Geschäfte sind seit Donnerstag geschlossen. Viele Straßen sind von den Streikenden blockiert, das Benzin wird knapp. Die Menschen kaufen in den Supermärkten bereits Notrationen.

          Die rund 250.000 Einwohner der Region fühlen sich vom Mutterland Frankreich vernachlässigt. Die Arbeitslosenquote ist mit 22 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in Frankreich, und die Kriminalität hat sich in jüngster Zeit erheblich ausgeweitet.  Diejenigen, die Arbeit haben, schließen sich den Streikenden mit Forderungen nach Gehaltserhöhungen an. Die französische Regierung hat eine Delegation von verschiedenen Ministeriums-Vertretern nach Guyana geschickt. Doch etliche Bürgermeister von Französisch-Guyana haben sich geweigert, mit ihr zusammenzutreffen.

          Die französischen Übersee-Regionen sind in der Vergangenheit immer wieder von Massenprotesten gekennzeichnet gewesen. Die Menschen leben dort in großer Abhängigkeit von Frankreich, ein Großteil der Waren wird aus dem Mutterland importiert. Die Einkommen der Bevölkerung bestehen zu einem erheblichen Teil aus staatlichen Subventionen aus Paris. 

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