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Union für härtere Vorgaben : „Heimische“ Äpfel aus 200 Kilometern Entfernung

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Wo kommt die Ware her? Das Versprechen, es handele sich um einen Apfel „aus der Region“, ist dehnbar. Bild: dpa

Beim Einkaufen im Supermarkt greifen viele gern zu „regionalen“ Produkten. Doch was genau heißt das schon? Die Union fordert striktere Regeln.

          Die Union im Bundestag will mehr Verlässlichkeit für die Kunden beim Kauf regionaler Lebensmittel erreichen. „Wo „regional“ drauf steht, muss auch „regional“ drin sein“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gitta Connemann (CDU). „Genau darauf können sich Verbraucher aber zurzeit nicht verlassen.“

          Die Unionsfraktion hat daher nun bei der Lebensmittelbuch-Kommission beantragt, einen Leitsatz für Regionalität zu entwickeln. Das Gremium erarbeitet Festlegungen für das Deutsche Lebensmittelbuch, das für mehr als 2000 Lebensmittel deren üblicherweise zu erwartende Herstellung und Beschaffenheit beschreibt.

          Die Leitsätze seien „wichtige Orientierungshilfen“, sagte Connemann. „Sie schaffen Klarheit für Hersteller, Handel, Verbraucher, Lebensmittelüberwachung und Gerichte. Das System hat sich bewährt.“ Die Kommission, der je acht Vertreter von Verbrauchern, Wirtschaft, Wissenschaft und Lebensmittelüberwachung angehören, hatte 2016 eine neue Geschäftsordnung bekommen. Ausdrücklich ist nun etwa als Ziel verankert, alle Wirtschaftsbeteiligten, insbesondere die Verbraucher, vor Irreführung und Täuschung zu bewahren. Verbraucherschützer fordern auch gesetzliche Regeln für die Regional-Kennzeichnung.

          „Wir brauchen verbindliche Mindeststandards“

          Connemann sagte, inzwischen erscheine der Begriff „regional“ vielfach relativ. Es könne aber nicht sein, dass „heimische“ Äpfel aus 200 Kilometern Entfernung stammten. Regionalität stehe jedoch auch nicht automatisch für Qualität, da solche Produkte nicht per se besser als Lebensmittel aus anderen Gegenden seien. „Deshalb brauchen wir verbindliche Mindeststandards für die Qualität regionaler Produkte.“ Nur dann könnten sich Verbraucher wirklich auf dem Markt orientieren, und nur dann gebe es einen wirklichen Qualitätswettbewerb.

          Die bestehende Kennzeichnung mit einem „Regionalfenster“ sei ein Anfang gewesen, müsse aber weiter entwickelt werden, sagte Connemann. Das 2014 eingeführte Logo zeigt unter anderem, woher die Hauptzutat stammt und wie hoch der Anteil regionaler Zutaten ist. Die Nutzung ist für Lebensmittelhersteller und Einzelhandel freiwillig.

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