11.01.2008 · Die Banken hoffen auf mehr als 10 Milliarden Dollar. Das frische Geld der Staatsfonds aus dem Nahen Osten oder Asien soll die Wirkungen der Hypothekenkrise abfedern. Dennoch wird es wohl Entlassungen geben.
Die amerikanische Investmentbank Merrill Lynch verliert einer Zeitung zufolge voraussichtlich 15 Milliarden Dollar wegen Problemen mit Hypothekengeschäften. Das sei fast zweimal so viel wie ursprünglich von dem Unternehmen geschätzt, berichtete die „New York Times“ am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Viele Wall-Street-Analysten hätten nur mit zwölf Milliarden Dollar gerechnet.
Die Bank werde die Abschreibungen wahrscheinlich kommende Woche bekanntgeben, wenn sie ihre neuen Geschäftszahlen vorlegt. Etliche große amerikanische Institute sind im Zuge der Krise am Hypotheken- und Immobilienmarkt ins Straucheln gekommen und kämpfen mit gigantischen Verlusten. Ein Weg aus der Krise ist für viele, sich frisches Kapital zu besorgen.
Staatsfonds sollen helfen
Merrill Lynch und auch die Citigroup befinden sich in Gesprächen über weitere große Beteiligungen ausländischer Investoren. Wie das „Wall Street Journal“ berichtet, wird für Merrill Lynch mit einer Kapitalspritze von 3 bis 4 Milliarden Dollar gerechnet. Der Löwenanteil dieser Summe soll von einem Staatsfonds aus dem Nahen Osten aufgebracht werden. Die Citigroup hofft auf bis zu 10 Milliarden Dollar frisches Kapital. Das Geld dürfte von Staatsfonds aus dem Nahen Osten und Asien kommen, hieß es in dem Bericht.
Mit dem Verkauf von Aktien an die Fonds wollen die Banken ihre nach hohen Verlusten geschwächte Kapitalbasis stärken. Bereits Ende Dezember hatte Merrill Lynch den Verkauf neu zu emittierender Aktien im Wert von 6,2 Milliarden Dollar an Temasek Holdings, eine staatliche Anlagegesellschaft aus Singapur, sowie an eine amerikanische Fondsgesellschaft bekanntgegeben. Die Citigroup hatte im November eine Kapitalspritze von 7,5 Milliarden Dollar vom arabischen Emirat Abu Dhabi erhalten. Bei der Wall Street-Bank Morgan Stanley investierte die staatliche China Investment Corp. 5 Milliarden Dollar, und die Schweizer Großbank UBS erhielt 9,8 Milliarden Dollar von einem Staatsfonds aus Singapur.
Staatsfonds-Beteiligungen bislang immer unter 10 Prozent
Bisher lagen die Beteiligungen einzelner Staatsfonds an amerikanischen Banken immer unter 10 Prozent. Dieser Rahmen wurde von den Aufsichtsbehörden stillschweigend gebilligt. Der Besitz höherer Beteiligungen würde eine Prüfung unter nationalen Sicherheitsaspekten auslösen. Zudem wollen sich die Investoren mit einer passiven Rolle bescheiden und verzichten etwa auf einen Sitz im Verwaltungsrat, dem Kontrollgremium von Aktiengesellschaften. Die neuen Investitionen könnten aber zu steigender Aufmerksamkeit in Washington führen. Die Aufseher könnten befürchten, dass die Staatsfonds möglicherweise gemeinsame Sache machen, um Kontrolle auszuüben. Zudem wieden in diesem Jahr in Amerika nicht nur der Präsident, sondern auch das Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Ausländische Investitionen könnten leicht zum Wahlkampfthema werden.
Die neuen Vorstandschefs der Banken, Vikram Pandit bei Citigroup und John Thain bei Merrill Lynch, erwägen zudem andere Maßnahmen, um ihre Kapitalbasis zu stärken. So will der Verwaltungsrat der Citigroup am Montag über eine Kürzung der Dividende beraten. In der Vergangenheit hatte die Citigroup zwar wiederholt versichert, dass die Ausschüttung an die Aktionäre nicht angetastet wird. Pandit gilt aber als Manager, der vor radikalen Schritten nicht zurückschreckt. Es wird zudem damit gerechnet, dass Pandit kräftige Entlassungen bekanntgibt.
Thain hatte Ende des vergangenen Jahres Merrill Lynchs Finanzierungssparte für Mittelstandsunternehmen für 1,3 Milliarden Dollar an den Mischkonzern General Electric abgegeben. Zudem hat Merrill Lynch offenbar Pläne auf Eis gelegt, ein neues Hauptquartier in der Mitte von Manhattan zu bauen. Es wird damit gerechnet, dass die Investmentbank ihren Mietvertrag für die bisherige Zentrale an der Südspitze Manhattans verlängert.
| Name | Kurs | Prozent |
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| FAZ-INDEX | 1.377,52 | −1,19% |
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| Rohöl Brent Crude | 105,19 $ | −1,55% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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