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Undurchsichtige Bilanzen Verlust der Dresdner Bank ist verschwunden

27.04.2009 ·  3,9 Milliarden Euro Fehlbetrag hat die Dresdner Bank im vierten Quartal ausgewiesen. Sie tauchen weder bei der Allianz noch bei der Commerzbank auf. Eine der beiden müsste jetzt ihre Bilanz für 2008 neu erstellen, fordern unabhängige Analysten.

Von Markus Frühauf
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Entweder die Allianz oder die Commerzbank müssen ihren Geschäftsbericht für das Jahr 2008 neu erstellen. Dies fordert Dieter Hein vom unabhängigen Aktienanalysehaus Fairesearch. Der renommierte Bankenanalyst prangert einen „Bilanzierungsskandal um die Dresdner Bank“ an. Das inzwischen auf die Commerzbank übergegangene Institut hat im Geschäftsjahr 2008 einen Verlust von 6,3 Milliarden Euro verzeichnet, wovon 3,9 Milliarden auf das von schweren Marktverwerfungen geprägte Schlussquartal entfallen. Doch diesen Verlust haben nach Ansicht von Hein weder die Allianz noch die Commerzbank konsolidiert.

Die Allianz hat eigenen Angaben zufolge die Ergebnisbeiträge der Dresdner Bank nur bis zum 30. September 2008 mit einem Fehlbetrag von 2,1 Milliarden Euro konsolidiert. Der Versicherungskonzern hat für das Geschäftsjahr 2008 einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro ausgewiesen.

Den Fehlbetrag der ehemaligen Tochtergesellschaft bezifferte die Allianz für das Gesamtjahr auf 6,4 Milliarden Euro, was auf dem ersten Blick dem von der Dresdner Bank ausgewiesenen Verlust von 6,3 Milliarden Euro nahe kommt.

Das Phantomquartal der Dresdner Bank

Mit 4,1 Milliarden Euro entfällt der größte Teil der Dresdner-Bank-Verluste bei der Allianz aber auf Buchwertabschreibungen. Laut ihrem Geschäftsbericht haben Änderungen im Ergebnis der Dresdner Bank seit Vertragsunterzeichnung keine Auswirkungen auf die Allianz mehr. Am 31. August 2008 hatten Allianz und Commerzbank die Transaktion bekanntgegeben.

Die Commerzbank kontrolliert die Dresdner Bank erst seit dem 12. Januar 2009, so dass sie die Verluste ihrer neuen Tochtergesellschaft im vierten Quartal 2008 noch nicht in ihrer Bilanz im vergangenen Geschäftsjahr abbilden muss.

Der Quartalsverlust der Dresdner Bank von 3,9 Milliarden Euro scheint also verschwunden zu sein. Hein spricht deshalb von einem Phantomquartal der Dresdner Bank, das in keinem Konzernabschluss auftauche. Die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchführung sowie der einfache gesunde Menschenverstand erfordern seiner Meinung nach zwingend, dass einer der Eigentümer das vierte Quartal 2008 der Dresdner Bank in sein Konzernergebnis einbeziehen muss.

Deshalb fordert Hein eine Neuerstellung eines der beiden Geschäftsberichte sowie die Verschiebung der Hauptversammlungen der beiden Gesellschaften bis zur Klärung des Sachverhalts. Die Allianz stellt sich ihren Aktionären diesen Mittwoch, die Commerzbank am 15. Mai.

Auch die Wirtschaftsprüfer müssen kritisch beäugt werden

Den Standpunkt des Fairesearch-Analysten unterstützt auch der Bilanzierungsexperte Karlheinz Küting. Dass der Quartalsverlust der Dresdner Bank in keiner Bilanz auftauche, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Zum Zeitpunkt des Kontrollverlusts hätte bei der Allianz eine Entkonsolidierung stattfinden müssen. Dieser Zeitpunkt wiederum hätte identisch sein müssen mit dem Kontrollgewinn der Commerzbank. Daher hätte der Quartalsverlust der Dresdner Bank in einem der beiden Jahresabschlüsse konsolidiert werden müssen, sagte Küting dieser Zeitung. „Es gibt keinen kontrollfreien Zeitraum“, fügte er hinzu.

Seinen Worten zufolge muss neben der Rolle der Bilanzierenden auch die der Wirtschaftsprüfer kritisch hinterfragt werden. Den Geschäftsbericht der Allianz testierte KPMG, den der Commerzbank PricewaterhouseCoopers (PwC).

Aufgrund der Marktverwerfungen nach der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers kam es im November und Januar zu zwei Nachverhandlungen zwischen Allianz und Commerzbank, in denen die ursprünglich vereinbarten Konditionen dem zwischenzeitlich deutlich schlechteren Zustand der Dresdner Bank angepasst wurden. Wegen der Belastungen aus der Finanzkrise und der Integration der angeschlagenen Dresdner Bank benötigt die Commerzbank staatliche Kapitalhilfen von 18,2 Milliarden Euro.

Dresdner Bank hatte Buchwert von 9,2 Milliarden Euro

Die Allianz beruft sich in ihrem Geschäftsbericht auf die internationale Rechnungslegungsvorschrift IFRS 5. Diese schreibt vor, dass eine zur Veräußerung bestimmte Einheit aus dem fortgeführten Geschäft ausgegliedert und unter aufgegebenen Geschäftsbereichen ausgewiesen werden muss.

Dieser Logik folgend hat die Allianz die Verluste der Dresdner Bank im vierten Quartal nicht mehr direkt in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung abgebildet, sondern indirekt über die Änderungen im Zeitwert (Fair Value) der erhaltenen Gegenleistungen.

Die Allianz hatte für die Dresdner Bank von der Commerzbank eine Barzahlung von 3 Milliarden Euro, eine Beteiligung von 18 Prozent, die Kapitalanlagegesellschaft Cominvest und eine langfristige Vertriebsvereinbarung erhalten. Diese Gegenleistungen hat der Versicherer in seinem Geschäftsbericht mit 5,1 Milliarden Euro bewertet.

Die Dresdner Bank hatte einen Buchwert von 9,2 Milliarden Euro. Die notwendigen Abschreibungen verbuchte die Allianz im dritten Quartal mit 1,4 Milliarden und im vierten Quartal mit 2,7 Milliarden Euro.

Sehr intransparente Darstellung

Der Substanzverzehr der Dresdner Bank durch den Verlust im vierten Quartal wird nach Ansicht der Allianz durch diese Buchwertabschreibungen widergespiegelt. Der Fehlbetrag aus dem aufgegebenen Geschäftsbereich hänge hauptsächlich von Zeitwertänderungen der erhaltenen Gegenleistungen ab, schreibt der Versicherer im Geschäftsbericht.

Allerdings hat die Allianz bislang noch nicht für Aufklärung gesorgt, wie sie aus dem Quartalsverlust der Dresdner Bank von 3,9 Milliarden Euro auf eine Zeitwertabschreibung im vierten Quartal von 2,7 Milliarden Euro kommt. Dazwischen klafft eine Lücke von 1,2 Milliarden Euro.

Darüber hinaus stellt sich die Frage, warum diese intransparente Darstellung gewählt wurde. Transparenter wäre es gewesen, die Ergebnisse der Dresdner Bank im vierten Quartal so wie in den vorangegangenen neun Monaten voll zu konsolidieren. Die Zahlen hätten auch dann unter der Rubrik aufgegebene Geschäftsbereiche ausgewiesen werden können.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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