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Unbeschadet durch die Krise : „Wir haften bis zum letzten Hosenknopf“

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Hans-Walter Peters, persönlich haftendender Gesellschafter und Sprecher der Berenberg Bank Bild: Pilar, Daniel

Deutschlands älteste Privatbank ist ohne Kratzer durch die Krise gekommen. Hans-Walter Peters, Gesellschafter und Sprecher der Berenberg Bank, verrät das Erfolgsrezept.

          Privatbankiers gegründet 1590“ steht in geschwungener Schrift im Logo der Berenberg Bank. 423 Jahre hat Deutschlands älteste Privatbank also bereits auf dem Buckel. Das sieht man ihr von außen aber nicht an. Die Berenberg Bank residiert in Hamburg zwar an einer sehr feinen Adresse: Neuer Jungfernstieg 20. Von dort schweift der Blick direkt über die Binnenalster, dieses schöne Gewässer im Herzen der Stadt. Aber das Gebäude, in dem gut 700 der mehr als 1100 Mitarbeiter ihr Büro haben, ist keine alte Trutzburg aus dem 19. Jahrhundert, sondern ein schmuckloser Zweckbau aus Glas und dunklem Stahl, errichtet in den frühen siebziger Jahren.

          Die Innenausstattung trifft dann schon eher die Erwartung des Besuchers: Tiefe Teppiche, gediegene Ledersofas und alte Ölgemälde, welche die Gründer und deren Nachfahren zeigen, prägen das Bild. Mit Joachim von Berenberg ist die Gründerfamilie noch immer im Gesellschafterkreis der Bank vertreten. Hans-Walter Peters, der 57 Jahre alte Sprecher der Geschäftsführung, ist allerdings kein Familiengewächs. Der Ökonom arbeitet seit 1994 für die Bank und verfügt heute über 25,6 Prozent der Stimmrechte. Er ist, genau wie seine beiden Geschäftsführerkollegen, persönlich haftender Gesellschafter.

          Persönlich haftend? Was wie eine Floskel klingt, kann im Ernstfall ganz schön gefährlich sein, denn das Bankgeschäft - das hat sich spätestens seit der Finanzkrise herumgesprochen - steckt nun mal voller Risiken. „Wir haften bis zum letzten Hosenknopf“, sagt Peters über seine Position und die seiner beiden Partner Andreas Brodtmann und Hendrik Riehmer. Alle drei haften sogar noch fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden aus der Bank mit ihrem eigenen Hab und Gut.

          Es fehle oft eine gesunde Balance aus Risiko und Haftung

          So ungemütlich dieses für echte Privatbanken typische Haftungsprinzip auch ist - Peters hält es für ungeheuer heilsam: „Sie müssen immer so handeln, dass Sie nachts noch schlafen können.“ Will heißen: Die Geschäftsführer achten aus ureigenem Interesse streng darauf, dass die Bank keine großen Risiken eingeht. Ob Werktag, Urlaub oder Wochenende, es vergeht kein Tag, an dem Peters nicht die wesentlichen Bilanzpositionen checkt.

          Zum Beweis greift er während des Gesprächs zu seinem Blackberry, drückt ein paar Tasten, und prompt fächert sich die tagesaktuelle Gewinn-und-Verlust-Rechnung aller Geschäftssegmente auf. Man spürt, wie sehr Peters diese Transparenz beruhigt: „Ich kenne alle Risiken“, sagt er. Als er vor kurzem für zwei Tage auf einer Konferenz im spanischen Hinterland war und dort keinen Empfang hatte, hat ihn das ziemlich nervös gemacht.

          Nach Peters’ Ansicht fehlt es vielerorts an einer gesunden Balance zwischen Risiko und Haftung. Dass andere Häuser ihren Händlern hohe Boni zahlen für Gewinne, die unter Inkaufnahme hoher Risiken erzielt wurden, für die am Ende nur die Bank geradestehen muss, hält Peters für gefährlich. „Wenn ein Mitarbeiter eine Milliarde Euro im Eigenhandel verdient, muss man fragen, mit welchem Risiko er das erreicht hat.“ Für Peters liegt in der persönlichen Haftung der Schlüssel zum Erfolg der Berenberg Bank, die bisher ohne Kratzer oder gar Verluste durch die Finanzkrise gekommen ist.

          In der zurückliegenden Dekade lag die Eigenkapitalrendite vor Steuern Jahr für Jahr oberhalb von 40 Prozent. 2012 erreichte die Bank knapp 44 Prozent. Der Jahresüberschuss stieg um gut 7 Prozent auf 60 Millionen Euro. „Wenn das kein Zeichen dafür ist, dass wir kein Risiko fahren“, kommentiert Peters die Bilanz. Man habe keine Derivate und keine Staatsanleihen der europäischen Südländer im Eigenbestand. Von Schiffsfonds, die vielen Anlegern und Kreditinstituten gerade in Hamburg derzeit schlaflose Nächte bereiten, habe die Bank weitgehend die Finger gelassen. Warum? „Die Schifffahrt ist ein sehr volatiles Geschäft“, antwortet Peters trocken.

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