Die Deutsche Post möchte einen möglichen Streik der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi offenbar doch noch vermeiden. Ein Post-Sprecher sagte, ein Streik sei nicht notwendig, da der Konzern weiter „uneingeschränkt gesprächsbereit“ sei. Ein Arbeitskampf sei weder im Interesse des Unternehmens noch der Beschäftigten. Der Konzern hoffe, ihn noch abwenden zu können.
„Wir suchen das Gespräch“, sagte der Sprecher. „Wir sollten die Zeit bis zum 2. Mai nutzen, um zu einer Lösung zu kommen“. Auch der Verhandlungsleiter des Konzerns, Personalvorstand Walter Scheurle betonte: „Die Deutsche Post bleibt bei ihrer konstruktiven Grundhaltung und ist uneingeschränkt gesprächsbereit.“
Urabsimmung und unbefristeter Streik sind angekündigt
Am Samstag hatte die Gewerkschaft Verdi eine Urabstimmung und einen unbefristeten Streik vom 2. Mai bei dem Konzern angekündigt. Zuvor waren die Tarif-Verhandlungen beider Seiten in Düsseldorf gescheitert. Bis Anfang kommenden Monats soll es Verdi zufolge zudem weiter Warnstreiks geben.
„Die Beschäftigten sind stinkesauer und sie werden das der Deutschen Post AG in den kommenden Tagen eindrucksvoll beweisen“, sagte Verdi-Verhandlungsleiterin Andrea Kocsis. Nur mit einem „einigungsfähigen Angebot“ könne der Konzern den unbefristeten Ausstand noch abwenden.
Verdi kritisiert Arbeitgeberangebot als „pure Provokation“
Hauptstreitpunkt bei den Tarifgesprächen, die am Donnerstag in Düsseldorf begonnen hatten, waren die Arbeitszeiten für die Beamten und Angestellten bei der Post. Kocsis warf dem Post-Management unter dem neuen Konzernchef Frank Appel vor, die Arbeitszeiten der Beschäftigten massiv erhöhen und damit letztlich 12.500 Stellen im Konzern streichen zu wollen. Die Post habe zwar ein Angebot vorgelegt, doch dies sei eine „pure Provokation“ gewesen. Die Tarifkommission habe die Verhandlungen zu Arbeitszeit und Kündigungsschutz deshalb einstimmig für gescheitert erklärt.
Zudem hatten beide Seiten noch erfolglos über einen Lohnabschluss gesprochen. Für diesen Themenkomplex herrscht aber noch bis Ende April Friedenspflicht. Das Angebot der Post habe insgesamt ein Volumen von nur zwei Prozent über 26 Monate gehabt, betonte Kocsis. Die Mitarbeiter sollten länger arbeiten und dafür solle ihnen auch noch in die Tasche gegriffen werden.
Die Gewerkschaft ruft nun für die Zeit vom 25. April bis 29. April zu Urabstimmungen unter den Beschäftigten auf. Am 30. April will sie das Ergebnis bekannt geben. Am 2. Mai soll dann der unbefristete Arbeitskampf beginnen.
Man habe ein attraktives Angebot vorgelegt, betonte Post-Verhandlungsleiter Scheurle. Darin sei eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Juni 2011 und ein Anstieg der Löhne in den nächsten zwei Jahren um rund 5,5 Prozent vorgesehen. Im Gegenzug sollten die Arbeitszeiten angehoben werden. Arbeitnehmer sollten künftig eine halbe Stunde länger pro Woche arbeiten, Beamte 41 statt 40 Stunden.
Erste große Herausforderung für neuen Postchef Appel
Verdi hatte für die Tarifbeschäftigten sieben Prozent mehr Lohn und einen Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis zum 30. Juni 2011 gefordert. Zudem soll eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden bei der Post verhindert werden, um Arbeitsplätze zu sichern. Die Gewerkschaft hatte ihre Forderung bereits mit Warnstreiks unterstrichen, durch die Millionen von Paketen und Päckchen nur mit großer Verspätung ihre Kunden erreichten.
Der neue Postchef Frank Appel muss sich mit dem Arbeitskampf nun auf die erste große Herausforderung in seiner Amtszeit einstellen. Zuletzt hatte es in Deutschland 1994 einen großen Post-Streik gegeben.
Kann es sein, dass die Briefpost ein Auslaufmodell ist?
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
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Paul Rabe (heidelpaul)
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Martin Poettgen (m.poettgen)
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