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Umstrukturierung Nokia streicht Arbeitsplätze in großem Stil

 ·  Jetzt wird es für die Mitarbeiter des angeschlagenen Handyherstellers richtig bitter: Bis 2013 will der Konzern 10.000 Stellen abbauen. In Deutschland schließt Nokia sein Ulmer Forschungszentrum.

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Die Krise bleibt dem angeschlagenen Handy-Hersteller Nokia treu, und das bekommen nun auch die Mitarbeiter schmerzhaft zu spüren. Nach mehreren Kürzungsrunden in der Vergangenheit baut das Unternehmen nochmals in großem Stil Arbeitsplätze ab und sein Management um. Bis Ende 2013 sollen insgesamt 10.000 Stellen und damit in etwa jeder fünfte Arbeitsplatz wegfallen. Damit macht Vorstandschef Stephen Elop Ernst mit seiner Ankündigung, weitere Kosten einsparen zu wollen, um das Unternehmen aus der Verlustzone zu holen. Zuletzt entwickelte sich das Geschäft angesichts der scharfen Konkurrenz durch Wettbewerber wie Apple und Samsung schlechter als erwartet. Nokia musste seine Geschäftsprognosen abermals senken. An der Börse zeigten sich die Anleger am Donnerstag stark enttäuscht. Zeitweise verlor das Papier rund 13 Prozent an Wert und fiel auf dem tiefsten Stand seit 1996.

Am stärksten trifft der Personalabbau die Heimatbasis in Finnland. Hier sollen 3700 Stellen wegfallen. In Salo will Nokia sein traditionsreiches Produktionswerk schließen. Auch Forschungs- und Entwicklungsstandorte in Kanada und Deutschland stehen auf der Streichliste. Hierzulande baut der finnische Konzern sogar jeden zweiten Arbeitsplatz ab. Das Forschungszentrum in Ulm, wo 730 Mitarbeiter mit der Mobiltelefonentwicklung beschäftigt sind, wird Ende September dichtgemacht. Bestehen bleibt der Standort Berlin mit rund 600 Beschäftigten. In der Hauptstadt hat Nokia seine Entwicklung ortsbezogener Dienste unter Führung des Vorstandsmitglieds xx konzentriert. Auf diese sogenannte „location-based services“, zu denen unter anderem das Kartenangebot Nokia Maps gehört, setzt der Konzern große Zukunftshoffnungen, wie ein Sprecher sagte.

Nicht nur „normale“ Mitarbeiter müssen diesmal gehen. Auch an der Spitze sollen mehrere Topmanager ihre Vorstandssessel räumen, darunter Marketingchefin Jerri DeVard, die Handy-Verantwortliche Mary McDowell und der für Märkte zuständige Vorstand Niklas Savander. Sie werden durch Nachfolger aus den eigenen Reihen ersetzt. So wird Chris Weber, der für die Markteinführung des Smartphones Lumia in Amerika verantwortlich zeichnete, neuer Marketingchef, Timo Toikkanen übernimmt McDowells Job. Einige der nun zurückgetretenen Manager hatte Elop selbst im vergangenen Jahr befördert, doch offenbar konnten sie nicht die gewünschten Ergebnisse liefern.

Vorstandschef Elop begründete die einschneidenden Schritte damit, dass sich das Unternehmen nun konzentrieren wolle. „Wir fokussieren uns noch stärker als bisher auf die Produkte und Dienste, die unsere Konsumenten am meisten schätzen.“ Dabei nannte er vor allem die Smartphone-Reihe Lumia und die ortsbezogenen Dienste. Nokia müsse dafür allerdings „das operative Geschäft anpassen und so aufstellen, dass wir unsere ambitionierten Ziele im Wettbewerb erreichen können“.

Kostensekungen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro geplant

Das ist offenbar in diesem Jahr noch nicht gelungen. Im zweiten Quartal habe der „dynamische Wettbewerb“ das Geschäft mit Smartphones in einem höheren Ausmaß als bisher erwartet beeinträchtigt. Zwei Zahlen machen deutlich, wie sehr der einstige Handy-Weltmarktführer der Konkurrenz hinterherhinkt: Im vergangenen Quartal haben die Finnen gut zwei Millionen Stück ihrer Lumia-Geräte verkauft, während Apple mehr als 35 Millionen iPhones absetzen konnte. Der scharfe Wettbewerb führt dazu, dass die Finnen ihre Geschäftsprognosen korrigieren müssen und das Unternehmen wohl noch tiefer ins Minus rutscht. Die negative operative Marge im Handygeschäft (Devices & Services) dürfte demnach im zweiten Quartal noch schlechter ausfallen als im ersten Quartal, wo sie minus 3 Prozent erreichte.

Mit den Sparmaßnahmen will Elop gegensteuern. Den Angaben zufolge sind jetzt zusätzliche Kostensenkungen in einer Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro bis Ende 2013 vorgesehen. Finanzchef Timo Ihamuotila geht davon aus, „dass wir mit den geplanten Maßnahmen nun einen klaren Weg zur Profitabilität für unser Devices & Services Geschäft haben“. Neutrale Beobachter zeigen sich da weniger überzeugt. Das Unternehmen sei zu Kostensenkungen gezwungen, sagte Exane-BNP-Paribas-Analyst Alexander Peterc. Ansonsten drohe das geschäftliche Aus binnen zwei Jahren.

An den betroffenen Standorten haben die Menschen unterdessen andere Sorgen. Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) sprach von einem „großen Fehler“ des Konzerns und von einer „sprunghaften Geschäftspolitik“. Vor Jahren sei die Produktion von Bochum nach Rumänien verlagert, später der rumänische Standort geschlossen worden. „Dann wurde erklärt, dass die Forschung in Ulm konzentriert werden soll.“ Vor kurzem sei noch über Ausbaupläne gesprochen worden. Das passe alles nicht zusammen.

Quelle: FAZ.net mit dpa-AFX, Dow Jones
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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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