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Umstrittenes Verkehrsprojekt : Die Apfelblüte und die Elbvertiefung

Legt die Fahrrinne tiefer: ein Eimerkettenbagger auf der Elbe Bild: Anna Mutter

Der Weg zur Elbvertiefung ist wohl frei: Niedersachsen stimmt dem Großprojekt zu, die Reeder atmen auf. Doch es gibt juristische Fallstricke - der Streit wird vor Gericht weitergehen.

          Die Apfelblüte ist ein Sensibelchen. Ist es ihr zu kalt, wird später nichts mehr aus den Äpfeln. Das wissen die Obstbauern im Alten Land nur allzu gut. In diesem Gebiet südwestlich von Hamburg wird seit Jahrhunderten Obst angebaut. Dabei steht der Apfel - ob Jonagold, Elstar oder Gala - im Mittelpunkt. Damit er die in Norddeutschland üblichen Frostattacken im Frühling überlebt, haben sich die Obstbauern einen Trick ausgedacht: Sie besprühen die Blüten mit Wasser. Dieses gefriert und setzt Erstarrungswärme frei. Unter dem Eispanzer herrschen dann keine gefährlichen Minusgrade.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Das Wasser holen sich die Bauern aus der Elbe, von der sie nur durch einen Damm getrennt sind. So kommt es, dass sie zu erbitterten Gegnern der seit vielen Jahren geplanten Elbvertiefung geworden sind. Denn wenn die Elbe tiefer wird, so ihre Furcht, kommt mehr Salzwasser aus der Nordsee den Fluss hinauf. Je salziger das Wasser in den Beregnungsanlagen wird, umso geringer ist dessen Gefrierfähigkeit.

          Letzte politische Hürde genommen

          Was wie ein Randthema klingt, war eine echte Hürde für eines der größten und umstrittensten Verkehrsprojekte in Deutschland. Doch nun ist der Weg zur Elbvertiefung wohl frei. Es gibt zwar noch juristische Fallstricke. Am Dienstag aber wurde die letzte politische Hürde genommen: Nach Hamburg und Schleswig-Holstein hat auch das Anrainerland Niedersachsen der „Fahrrinnenanpassung“, so die offizielle Bezeichnung, zugestimmt. Zwar arbeiten sehr viele Niedersachsen im Hamburger Hafen, der wegen der immer größer werdenden Schiffe tieferes Wasser benötigt.

          Doch Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat seinen Wahlkreis im Landkreis Cuxhaven. Und dort fragte man sich bang, was der wachsende Strömungsdruck für die Stabilität der Deiche bedeutet. Auch die 3000 Mitarbeiter in den 750 Obstbaubetrieben an der Niederelbe zwischen Cuxhaven und Hamburg machten Druck. Daher ließ McAllister die Hamburger lange zappeln. Sie mussten ihm entgegenkommen: Gemeinsam mit dem Bund zahlt Hamburg jetzt für die Sicherungsmaßnahmen, mit denen der Ministerpräsident seine Wähler zu besänftigen hofft.

          Hamburg trägt rund ein Drittel, der Bund zwei

          Nach Schätzungen von Umweltschützern kostet die schon auf den Weg gebrachte Ufersicherung am Altenbrucher Bogen an der Unterelbe 74 Millionen Euro. Bis zu 20 Millionen Euro müssen Hamburg und der Bund außerdem für das nun ausgehandelte alternative Bewässerungssystem aufbringen, das es den Apfelbauern erlaubt, fortan auf das Süßwasser der Elbnebenflüsse zurückzugreifen. Der Hamburger Hafenverband veranschlagt die Gesamtkosten für die Elbvertiefung nun auf 420 Millionen Euro. Andere rechnen sogar mit mehr als 500 Millionen Euro. Davon trägt Hamburg rund ein Drittel, der Bund zwei Drittel. Wegen der zahlreichen Ausgleichs- und Naturschutzmaßnahmen, die im Lauf der Zeit hinzugekommen sind, werden sich die Kosten gegenüber der ursprünglichen Planung damit mehr als verdoppeln.

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