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Veröffentlicht: 15.03.2017, 13:49 Uhr

Umstrittenes Pflanzengift EU-Behörde stuft Glyphosat als nicht krebserregend ein

Mit Glyphosat werden Milliarden verdient, doch das Mittel ist umstritten. Die EU-Chemikalienagentur stufte es nun als nicht krebserregend ein, warnt aber mit eindringlichen Worten vor dessen Auswirkungen.

© dpa Krebserregend oder nicht? Das Pflanzengift Glyphosat

Im Streit über die Wiederzulassung des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat in der Europäischen Union ist eine Vorentscheidung gefallen. Die Europäische Chemikalienagentur ECHA in Helsinki stufte am Mittwoch die massenhaft als Unkrautvernichtungsmittel eingesetzte Chemikalie als nicht krebserregend ein. Der amerikanische Monsanto-Konzern setzt das Mittel unter dem Markennamen Roundup ein und hat damit Milliardenumsätze gemacht. In der Agrarindustrie wird das Mittel als entscheidend für eine Ertragssteigerung bewertet.

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Die EU-Zulassung für Glyphosat war eigentlich am 30. Juni 2016 ausgelaufen. Die EU-Kommission hatte damals die Genehmigung um eineinhalb Jahre verlängert, obwohl der Einsatz unter den Mitgliedsstaaten umstritten ist, da die Chemikalie unter anderem als krebserregend galt. In dieser Zeit sollte untersucht werden, ob Glyphosat Krebserkrankungen auslösen kann.

Massive negative Einflüsse auf die Artenvielfalt unstrittig

Die Ergebnisse der Studie liegen nun vor. Der Vorsitzende der Abteilung für Risikobewertung der ECHA, Tim Bowmer, erklärte, die Unbedenklichkeit von Glyphosat für die menschliche Gesundheit ergebe sich aus human- und tiermedizinischen Studien. Unstrittig sind massive negative Einflüsse der Chemikalie auf die Artenvielfalt.

Bislang konnten die EU-Staaten keine Einigung darüber erzielen, ob das Herbizid weiter eingesetzt werden darf. In dem entscheidenden Gremium stimmten von den 28 Mitgliedsländern 19 für eine weitere Zulassung, sieben enthielten sich. Frankreich und Malta waren dagegen.

Deutschland gehörte in Brüssel zu denjenigen, die sich der Stimme enthielten, da die Frage im Bundeskabinett umstritten ist. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Agrarminister Christian Schmidt (CSU) für die Zulassungsverlängerung sind, lehnen Umweltministerin Barbara Hendricks sowie die anderen SPD-geführten Ministerien dies ab.

„Kein Freibrief für eine Neuzulassung“?

Eine europäische Bürgerinitiative, bei der Umweltorganisationen aus 13 Ländern mitmachen, will bis Ende Juni eine Million Stimmen gegen das Unkrautgift sammeln und ein EU-weites Verbot durchsetzen. Damit eine solche Initiative die EU-Kommission veranlassen kann, in ihrem Sinne zu entscheiden, sind mehr als eine Million Unterschriften aus mindestens sieben EU-Staaten notwendig. Die Kommission kann das Gesuch aber auch ablehnen.

Kritik an der Einstufung der Behörde kam von den Grünen. Harald Ebner, Sprecher für Gentechnik-Bioökonomiepolitik der Bundestagsfraktion sagte: „Das ist kein Freibrief für eine Neuzulassung.“ Fachleute der WHO hätten vor zwei Jahren Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Die ECHA-Bewertung sei daher „unverständlich für alle, die besseren Schutz vor unverantwortlichen und unnötigen Risiken fordern.“

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