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Umstrittener neuer Job : Schröder wird bei Rosneft sogar Aufsichtsratschef

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Ab sofort Leiter des Aufsichtsrats bei Rosneft: Gerhard Schröder Bild: AFP

Unmittelbar nach seiner umstrittenen Wahl zum Chef des Rosneft-Aufsichtsrats sprach sich Gerhard Schröder für eine Lockerung der Sanktionen gegen Russland aus. Der Altbundeskanzler verteidigte sein Engagement in der russischen Wirtschaft.

          Altbundeskanzler Gerhard Schröder ist zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates beim größten russischen Ölkonzern Rosneft gewählt worden. In dieser Funktion sehe er es als seine Aufgabe, Kompromisse zu suchen, wenn es unterschiedliche Interessen der Teilhaber geben sollte, sagte er am Freitag in St. Petersburg. Dort hatte ihn eine Aktionärsversammlung in den Aufsichtsrat gewählt.

          Schröder sagte vor Journalisten, er gehöre nicht zu den Verfechtern von Sanktionen gegen Russland. Wenn es Fortschritte zur Beilegung des Krieges in der Ostukraine gebe, sollten die Sanktionen gelockert werden, zitierte ihn die Agentur Interfax. Rosneft steht wegen des verdeckten russischen Militäreinsatzes in der Ostukraine seit Herbst 2014 auf der EU-Sanktionsliste.

          Schröders Berufung in den Aufsichtsrat war seit längerem geplant. Unklar war bis Freitag zunächst, ob er auf Anhieb an dessen Spitze treten würde. Zum Abschluss der Versammlung gab der Altkanzler dann vor Journalisten bekannt, dass er tatsächlich zum Aufsichtsratschef gewählt worden sei.

          Vor der Abstimmung hatte Konzernchef Igor Setschin auf der Versammlung für die Berufung des Altkanzlers geworben. Der Rosneft-Chef erwartet durch die Wahl neue Impulse für das deutsch-russische Verhältnis: Schröder sei ein Politiker, der „regelmäßig die strategische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland verteidigt“ habe, sagte Setschin. Schröders Engagement für Rosneft werde „die Beziehungen unserer Länder beleben“.

          Der frühere Kanzler verfüge über „erhebliche Erfahrung“ und „einzigartige Kompetenz“, sagte Setschin. Der Eintritt des Altkanzlers in den Aufsichtsrat werde „zur Entwicklung unserer internationalen Aktivitäten beitragen“.

          In Deutschland wird Schröders Einzug in die Konzernspitze vielfach kritisiert. Rosneft pflegt enge Verbindungen zum Kreml. Dem Ex-Kanzler wird vorgeworfen, sich von seinem Freund Präsident Wladimir Putin vereinnahmen zu lassen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bezeichnete Schröders Vorgehen als „nicht in Ordnung“.

          Schröder selbst verteidigt sein Engagement in der russischen Wirtschaft. Aus seiner Sicht sei es nicht vernünftig, „unseren größten Nachbarn Russland ökonomisch und politisch zu isolieren“, sagte er kürzlich.

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