http://www.faz.net/-gqe-9213i

Umstrittener Fahrdienst : London wirft Uber raus

  • Aktualisiert am

Uber in London ist bald Geschichte. Bild: Reuters

Mehr als 40.000 Uber-Fahrer gibt es in der britischen Hauptstadt. Jetzt entzieht London dem umstrittenen Fahrdienst die Lizenz. Und nennt auch Gründe dafür.

          Schwere Schlappe für den Privattaxi-Dienst Uber: London entzieht dem amerikanischen Fahrdienstvermittler die Lizenz. Im Oktober ende die Genehmigung für die mehr als 40.000 Fahrer, teilte die Verkehrsbehörde Transport for London (TfL) am Freitag mit.

          Uber sei nicht "fähig und geeignet", um eine Verlängerung der Lizenz zu erhalten, hieß es zur Begründung. Unter anderem bemängelte die Behörde, Uber zeige nicht genug Verantwortungsbewusstsein hinsichtlich der Sicherheit seiner Fahrgäste und der Öffentlichkeit. "Alle Unternehmen in London müssen nach den Regeln spielen und die hohen Standards einhalten, die wir erwarten - vor allem, wenn es um die Sicherheit von Kunden geht", erklärte Londons Bürgermeister Sadiq Khan einer Mitteilung zufolge. Im einzelnen gehe es unter anderem um das Melden ernsthafter Straftaten und die medizinische Begutachtung der Fahrer. Die Behörde nannte keine konkreteren Kritikpunkte dazu. Uber entgegnete, man habe sich immer an die Regeln zum Melden von Straftaten gehalten.

          Zudem zeigte sich Transport for London unzufrieden mit Ubers Erklärungen zum Einsatz der sogenannten „Greyball“-Software. Damit hatte Uber unter anderem in amerikanischen Städten versucht, Behördenkontrolleure hinters Licht zu führen, die den Dienst bei Regelverstößen auf frischer Tat ertappen wollten. „Greyball“ sorgte dafür, dass ihnen in der App falsche Inhalte angezeigt wurden. Die amerikanische Justiz ermittelt schon deswegen. Uber erklärte dazu am Freitag, die Software sei in London nie zum Täuschen von Behörden genutzt worden. Das lässt die Möglichkeit offen, dass „Greyball“ gegen Rivalen eingesetzt wurde.

          Die laufende Lizenz für Uber läuft am 30. September aus. Uber kündigte umgehend an, gegen die Entscheidung vorzugehen. Bis über den Einspruch entschieden ist, kann Uber der TfL zufolge seinen Fahrdienst aufrecht erhalten. Uber vermittelt Mitfahrgelegenheiten per App über das Internet. Damit greift der Fahrdienst vor allem das klassische Taxi-Geschäft an. In vielen Ländern steht Uber deshalb in der Kritik.

          In Großbritannien erlitt das Unternehmen schon mehrere Rückschläge. Im März entschied ein Gericht, alle Fahrer müssten einen Nachweis über ausreichende Englischkenntnisse vorweisen. Im Oktober urteilte ein Gericht, dass die Fahrer als Arbeitnehmer behandelt werden müssen und ihnen Mindestlohn und Urlaubsgeld zusteht. Die Forderung der TfL nach einem rund um die Uhr besetzten Call Center konnte Uber jedoch abwenden.

          Für das zuletzt krisengeschüttelte Uber ist es ein weiterer schmerzhafter Rückschlag - und ein Problem mehr für den neuen Chef Dara Khosrowshahi. Der bisherige Chef des Online-Reisebüros Expedia übernahm vor wenigen Wochen den Spitzenjob von Mitgründer Travis Kalanick. Der charismatische Kalanick, der als treibende Kraft hinter der aggressiven globalen Expansion von Uber galt, musste auf Druck von Investoren gehen. Zuvor legte eine Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung schwerwiegende Defizite offen.

          Ein weiteres massives Problem ist eine Klage der Google-Schwestergesellschaft Waymo, die Uber den Diebstahl von Roboterwagen-Technologie vorwirft. Uber war in Finanzierungsrunden mit bis zu 69 Milliarden Dollar bewertet worden und die Investoren wollen jetzt nach dem kostspieligen internationalen Ausbau eine Aussicht auf Profite.

          Quelle: hade./Reuters/dpa

          Weitere Themen

          Eine Luxussiedlung im armen Gebiet Video-Seite öffnen

          Westjordanland : Eine Luxussiedlung im armen Gebiet

          Für den Entwickler Baschar al-Masri ist sie der Baustein auf dem Weg zu einem unabhängigen palästinensischen Staat: die Luxussiedlung Rawabi. 3000 Menschen wohnen dort schon, 40.000 sollen es einmal werden. Was macht die Stadt so besonders?

          Übernimmt jetzt Niki Lauda? Video-Seite öffnen

          Insolvente Airline : Übernimmt jetzt Niki Lauda?

          Nach der gescheiterten Übernahme durch die Lufthansa wird händeringend nach einem Retter für die insolvente Air-Berlin-Tochter „Niki“ gesucht. Übernimmt jetzt Firmengründer und Ex Formel 1- Fahrer Niki Lauda?

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.