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Ulrich Brixner am Ziel : Der Zentralbanker der Genossen

Nachdem sein "ewiger Rivale" Bernd Thiemann den Rückzug angekündigt hatte, war der Weg frei für Ulrich Brixner an die Spitze des neu entstehenden Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken.

          Nachdem sein "ewiger Rivale" Bernd Thiemann den Rückzug angekündigt hatte, war der Weg frei für Ulrich Brixner an die Spitze des neu entstehenden Spitzeninstituts der Volks- und Raiffeisenbanken. Schon einmal war Brixner, der 1969 seine berufliche Karriere bei der DG Bank begann, dort als Vorstandsvorsitzender im Gespräch. Man entschied sich jedoch damals für eine externe Lösung und holte Thiemann 1991 von der NordLB. Nachdem die DG Bank in Schieflage geraten ist und Thiemann im November das Scheitern der Teilfusion mit der niederländischen Rabobank eingestehen mußte, witterte Brixner seine zweite Chance. Mehrmals preschte er in den vergangenen Wochen vor und machte Vorschläge für eine neue Struktur im genossenschaftlichen Finanzverbund. Nun ist er am Ziel. Er wird die neue große Zentralbank der 1800 Volks- und Raiffeisenbanken in Deutschland führen. Daß er mit seinen Vorschlägen die Düsseldorfer WGZ, die er gerne mit ins Boot geholt hätte, brüskierte, wird er verschmerzen können.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Seinen 60. Geburtstag vor wenigen Wochen hat er in aller Stille begangen. Brixner macht kein Aufhebens um seine Person. Er ist ein harter Arbeiter, der tief im genossenschaftlichen Verbund verwurzelt ist. Sein zupackender Arbeitsstil bleibt für Außenstehende oft verdeckt hinter einer ruhigen und durchaus charmanten Art. Er ist mit einer Elsässerin verheiratet und schätzt die französische Kultur und Lebensweise.

          Was Brixner bis zur Fusion von DG Bank und GZ-Bank noch bevorsteht, weiß er aus frischer Erinnerung. Denn im Jahr 2000 gelang ihm als Vorstandsvorsitzender der SGZ-Bank der Zusammenschluß mit der GZB-Bank zur GZ. Damit stellte er sich selbst sein Reifezeugnis aus. Auch wenn manche Beobachter mäkeln, durch die Fusion hätten die Kosten stärker gesenkt werden müssen, so wird von nahezu allen anerkannt, daß die Fusion schnell und ohne den oft üblichen Lärm vollzogen wurde. Die jetzt entstehende neue Bank, die Deutsche Zentralgenossenschaftsbank (DZ-Bank) heißen wird, soll im September operativ tätig werden. Bis dahin müssen GZ-Bank und DG Bank bewertet und das Umtauschverhältnis für die Aktionäre festgelegt werden. Dann müssen außerordentliche Hauptversammlungen beider Häuser dem Zusammenschluß zustimmen. Der Zeitplan ist ehrgeizig: Bis zum 31. August soll alles über die Bühne sein, damit die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2001 wirksam werden kann.

          Daß Brixner nicht den eingeführten Namen DG Bank übernimmt, ist sein Programm. Die DZ-Bank gab es schon einmal. 1972 wurde sie von dem Vorläufer der DG Bank, der Deutschen Genossenschaftskasse (DGK), gegründet, um als Nukleus für die Verschmelzung der regionalen Zentralbanken mit der DGK zu dienen. Damals war die Zeit dafür noch nicht reif. 1977 wurde der Firmenmantel DZ bei der Gründung der DG Immobilien-Leasing verwendet. Nun hat ihn Brixner wieder aus dem Schrank geholt: Sein Programm für die DZ im Gegensatz zur DG Bank lautet: mehr dienende Funktion für den Verbund, weniger Investmentbanking. Dazu paßt auch, daß er der neuen Bank das Logo der Volks- und Raiffeisenbanken vorwegstellen wird. Seiner Ansicht nach hat sich die DG Bank, zu stark auf das Auslandsgeschäft und den Neuen Markt konzentriert und dabei die Betreuung der Volks- und Raiffeisenbanken vor Ort vernachlässigt.

          Wer wegen dieser Analyse Reibungspunkte mit seinem zukünftigen Stellvertreter Uwe Flach, dem bisherigen Vorstand für das Investmentbanking der DG Bank vermutet, geht wohl fehl. Die beiden verstehen sich bislang gut. Schon allein dies dürfte die von den vielen Eskapaden an der Spitze des Genossenschaftsverbundes gernervten Volksbanker im Lande beruhigen.

          HANNO MUSSLER

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