http://www.faz.net/-gqe-75qe4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 14.01.2013, 16:39 Uhr

Uhren- und Schmuck Swatch kauft amerikanischen Edeljuwelier Harry Winston

Mit der Akquisition für insgesamt 1 Milliarde Dollar stärken die Schweizer ihr Luxusgeschäft. Außen vor bleibt die Diamanten-Förderung von Harry Winston. Die Börse reagiert dennoch begeistert.

von , Zürich
© AFP Harry-Winston-Filiale in Paris

Der Uhren- und Schmuckkonzern Swatch Ltd. in Biel verstärkt sich weiter im Luxussegment: Die Schweizer haben nach eigenen Angaben den vollständigen Erwerb der HW Holdings Inc. in den Vereinigten Staaten vereinbart. Für einen Kaufpreis von 750 Millionen Dollar plus maximal 250 Millionen Dollar Nettoschulden geht damit die Harry Winston Inc. mit der gleichnamigen Marke und einem Werk in Genf an Swatch. Der größte Uhrenkonzern der Welt ist bereits mit Marken wie Blancpain und Breguet, die zum Teil sechsstellige Beträge kosten, in der obersten Preisklasse vertreten.

Jürgen  Dunsch Folgen:

In Amerika war 2011 eine Zusammenarbeit zwischen Swatch und Tiffany & Co. spektakulär gescheitert und führte zu milliardenschweren rechtlichen Auseinandersetzungen. Die nun angekündigte Transaktion bedarf noch einiger kartellrechtlicher Genehmigungen. Außen vor bleibt dabei die Diamanten-Förderung der börsennotierten Harry Winston Diamond Corp., hieß es.

Swatch-Aktie gewinnt zeitweise fast 5 Prozent

An der Börse sorgte die Ankündigung der bisher größten Akquisition von Swatch für Begeisterung. In der Spitze gewann die Aktie nahezu 5 Prozent. Am Nachmittag übertraf sie mit 511 Franken den Vortag um 3,8 Prozent. Auf ein Jahr gesehen hat der Kurs um gut ein Drittel zugelegt, der Schweizer Konkurrent Richemont mit der Schmuckmarke Cartier verbesserte sich in derselben Zeit allerdings um 48 Prozent.

Analysten loben in erster Linie die strategischen Komponenten der Akquisition. Nach Ansicht von Jon Cox von Kepler Equities wächst das Premiumsegment von Schmuckuhren, wie sie Harry Winston anbietet, trotz der Konjunkturschwäche weiter. Daneben bietet die rund 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftende Schmucksparte zum Beispiel diamantenbesetzte Verlobungsringe und Anstecknadeln an. Michael Heider von Helvea verweist auf die großen Synergiemöglichkeiten, die sich für die amerikanische Marke mit dem Schweizer Uhrenkonzern ergebe. Unabhängig davon hat die Deutsche Bank im Rahmen einer Branchenstudie neu ein Kursziel für Swatch von 590 Franken formuliert.

Mit ungefähr 430 Millionen Dollar (323 Millionen Euro) Jahresumsatz verstärkt Harry Winston das Geschäftsfeld Uhren und Schmuck von Swatch, das 2012 umgerechnet rund 6 Milliarden Euro erlöste. Das Unternehmen, dessen Verkauf von der Bank Rothschild begleitet wurde, war in ganz Amerika bekannt geworden, als Gründer Harry Winston den berühmten Hope-Diamanten der Smithsonian Institution in Washington schenkte. Der amerikanische Anbieter mit Gründungsjahr 1932 beschäftigt 535 Mitarbeiter. Die Pretiosen werden in 220 Geschäften rund um die Welt angeboten.

Die Profitabilität von Harry Winston liegt mit einer betrieblichen Rendite von rund 10 Prozent deutlich unter der von Swatch, die Patrick Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank für 2012 bei 27,5 Prozent ansiedelt. Nach den Worten von Robert Gannicott, Unternehmenslenker der Harry Winston Diamond Corp., erhalten die Verkäufer einen „anständigen Return on Investment“, der in die künftige Expansion fließen werde.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Anlage in Sachwerte Singapur gründet Diamantenbörse

Edelsteine sollen in Singapur von Investoren zur Geldanlage entdeckt werden. Unterstützung gibt es für den Stadtstaat aus Kalifornien. Mehr Von Christoph Hein, Singapur

06.05.2016, 07:00 Uhr | Wirtschaft
1109 Karat Sotheby’s will Rekord-Diamanten versteigern

Der Edelstein mit dem Namen Lesedi la Rona ist mit 1109 Karat der größte Diamant, der seit mehr als 100 Jahren entdeckt wurde. Nach Angaben des Auktionshauses könnte er mehr als 60 Millionen Euro einbringen. Mehr

05.05.2016, 16:15 Uhr | Gesellschaft
Echtschmuck in der Mode Ware Liebe

Lange schlummerte das kostbarste Accessoire. Nun endlich entdecken Modemarken den wahren Wert von Echtschmuck für sich. Mehr Von Jennifer Wiebking

26.04.2016, 16:58 Uhr | Stil
Genf Eskalierende Kämpfe gefährden Syrien-Friedensgespräche

Die Syrien-Friedensgespräche, die am Montag in Genf fortgesetzt wurden, stehen derzeit unter keinem guten Stern. Die syrische Opposition nannte eine Fortsetzung der Verhandlungen auf Twitter inakzeptabel, sollte die Regierung und ihre Verbündeten nicht die Belagerungen von Städten beenden und Bombenangriffe gegen zivile Ziele einstellen. Mehr

18.04.2016, 17:49 Uhr | Politik
Luxus-Geschäfte Kaufhäuser in der Krise? Nicht in New York

In Deutschland haben Kaufhäuser es derzeit schwer. In New York hingegen sind viele neue Groß-Geschäfte geplant. Das Beispiel Barneys Downtown zeigt, wie es gehen könnte. Mehr Von Alfons Kaiser

30.04.2016, 15:14 Uhr | Stil

Geld für alle

Von Johannes Ritter

Ein bedingungsloses Grundeinkommen scheint vielen eine reizvolle Idee. Es soll dem Bürger seine Existenz sichern und „Spielraum verschaffen“. In der Schweiz wird bald tatsächlich darüber abgestimmt. Mehr 11 16


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --

Staatsfinanzen Was tun mit noch mehr Steuer-Milliarden?

Deutschland wird wegen der guten Wirtschaftslage wohl noch viel mehr Steuern einnehmen als gedacht. Schon beginnt der Streit, was damit geschehen soll. Mehr 17

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden