17.03.2011 · General Motors wechselt mitten in der Sanierung den Chef seiner deutschen Tochter Opel aus. Der Brite Nick Reilly verlässt zum 1. April den Chefsessel und soll Vorsitzender des Aufsichtsrates werden. Nachfolger wird Karl-Friedrich Stracke. Er ist bislang Chefentwickler bei GM.
Beim Autohersteller Opel wird mitten in der noch laufenden Sanierung überraschend der Vorstandschef ausgewechselt. Der Brite Nick Reilly verlässt zum 1. April den Posten an der Spitze und wird stattdessen Aufsichtsratschef der Adam Opel AG. Sein Nachfolger ist Karl-Friedrich Stracke, der Chefentwickler des amerikanischen Mutterkonzerns General Motors (GM). Anders als der gebürtige Waliser Reilly ist Stracke ein Deutscher. Er war früher Leiter des Opel-Werks in Bochum, in dem gerade die Verhandlungen über den Abbau von 1200 der 4200 Stellen gescheitert sind. Reilly selbst, der erst Ende 2009 von GM an die Spitze von Opel geschickt wurde, begrüßte die Entscheidung.
Er könne sich dadurch stärker auf strategische und längerfristige Aufgaben konzentrieren. Der gebürtige Hesse Stracke werde dagegen die alltäglichen Aufgaben der Restrukturierung bewältigen. Er sei dafür als guter Entwickler bestens geeignet - zumal er deutsch spreche und jünger sei. „Ich werde in Rüsselsheim bleiben und eng mit Karl zusammenarbeiten“, sagte Reilly in einer am Nachmittag sehr kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz.
Reilly soll neben dem Aufsichtsratsvorsitz als Chef des GM-Europageschäfts Strategien für die Marken Vauxhall und Chevrolet erarbeiten. Mit dem Wechsel an der Spitze sei aber keine Änderung der Strategie für Opel verbunden, betonte Reilly. Die Entscheidung über die Personalie wurde seinen Angaben zufolge in Detroit von GM-Chef Daniel Akerson getroffen. Der neue Opel-Chef Stracke arbeitet seit 1979 für das Rüsselsheimer Unternehmen und für GM. Seit 2009 verantwortete er als GM-Chefentwickler den globalen Produkt- und Technologiebereich. Unter seiner Führung wurden unter anderem die Elektroautos Opel Ampera und Chevrolet Volt entwickelt.
Nach Angaben aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter war Stracke schon länger für den Wechsel zurück zu Opel vorgesehen. Allerdings - so wird berichtet - nicht an der Spitze des Unternehmens, sondern schlicht als einer von mehreren Managern. Warum GM-Chef Akerson nun doch anders entschied, ist offen. Manche Beobachter behaupten, er wolle die Sanierung nach seinem Europa-Besuch im März schneller vorantreiben. Allerdings gilt Stracke - anders als Reilly - nicht eben als ausgewiesener Sanierer.
Das Europageschäft von GM, das zu über 90 Prozent aus Opel besteht, ist die letzte defizitäre Sparte des nach der Insolvenz 2009 teilverstaatlichten GM-Konzerns. Opel soll den Verlust im laufenden Jahr um mehr als zwei Drittel verringern. Allerdings dürfte wegen der hohen Ausgaben für Abfindungen beim Stellenabbau noch ein Verlust von mehreren hundert Millionen Euro anfallen.cru.
Opel vom Regen in die Traufe
Ede Fuchs (Dietrich-Ulespegel)
- 17.03.2011, 19:03 Uhr
GM wird Opel nicht wirklich gesund bekommen...
Hans Glück (hansglueck)
- 17.03.2011, 20:46 Uhr
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