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Übernahmeschlacht : Deutsche Wohnen wehrt sich

  • Aktualisiert am

Die „weiße Stadt“ in Berlin gehört schon zum Bestand von Deutsche Wohnen. Bild: Deutsche Wohnen

Zwischen den Wohnungskonzernen geht es rund: Der größte will den zweitgrößten kaufen. Doch der macht sich unattraktiv – mit einem klassischen Manöver.

          Die Übernahmeschlacht auf dem deutschen Immobilienmarkt geht in eine neue Runde: Deutschlands zweitgrößter Wohnungskonzern Deutsche Wohnen verleibt sich ein Portfolio von rund 13.600 Wohnungen von der kleineren Rivalin Patrizia ein, um eine feindliche Offerte von Marktführerin Vonovia doch noch abzuwehren. Das Berliner Unternehmen lässt sich das Manöver 1,2 Milliarden Euro kosten – den Zukauf von knapp 2000 weiteren Einheiten im zweiten Halbjahr mit eingerechnet.

          „Nach Monaten intensiver Vorbereitung erweitern wir mit diesen Transaktionen den Bestand in unserer Kernregion Berlin“, erklärte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn am Freitagabend. Er wolle abermals beweisen, dass sein Haus Wert für die Aktionäre schaffen könne. Das jährliche operative Ergebnis (FFO) dürfte sich durch die Akquisitionen nach seiner Rechnung um rund 40 Millionen Euro erhöhen.

          Das Portfolio, das Deutsche Wohnen von Patrizia kauft, war in der Branche unter dem Namen „Obligo“ bekannt und wechselt nun als „Harald“ den Besitzer. Patrizia hatte den Wohnungsbestand erst im Frühjahr selbst gekauft, von einem skandinavischen Immobilienfonds. Allein auf Berlin entfallen nach früheren Angaben mehr als 5000 Wohnungen. Hinzu kommen Einheiten in Kiel, Köln, Düsseldorf, München, Hamburg und Frankfurt.

          Der Zukauf dient der Abwehr

          Reuters hatte in dieser Woche bereits aus Finanzkreisen erfahren, dass Deutsche Wohnen unmittelbar vor einem Gegenschlag steht. Zahn nutzt dabei eine Hintertür, die sich Vonovia selbst offengelassen hat: Denn die 14-Milliarden-Euro schwere Übernahmeofferte soll „voraussichtlich“ nur dann zum Tragen kommen, wenn Deutsche Wohnen keine größeren Zukäufe stemmt und das Kapital nicht signifikant erhöht. Eine Kapitalerhöhung steht jetzt zwar nicht an, denn die neuen Wohnungen will Zahn je zur Hälfte durch Bankkredite und Cash-Reserven finanzieren. Aber ein kleiner Deal ist es auch wieder nicht.

          Die Avancen von Vonovia hat Zahn mehrfach zurückgewiesen – weil ihm der Preis zu niedrig ist und er nicht an die in Aussicht gestellten Synergien glaubt. Er möchte Deutsche Wohnen als eigenständiges Unternehmen weiterführen.

          Die nächste Entscheidung steht am Montag an, wenn die Vonovia-Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung grünes Licht geben sollen für die Mega-Übernahme. Eine Vonovia-Sprecherin sagte, der Konzern werde die Sachlage neu bewerten. Aber das Aktionärstreffen werde wie geplant stattfinden. Nötig ist dort eine Dreiviertel-Mehrheit. Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern stehen die Chancen nicht schlecht: Zwei einflussreiche Stimmrechtsberater hatten sich zuletzt für ein Zusammengehen von Vonovia und Deutsche Wohnen ausgesprochen, auch immer mehr Großinvestoren sind von der Logik des Deals überzeugt. Beide Unternehmen kämen zusammen auf eine halbe Million Wohnungen in Deutschland und würden der Konkurrenz uneinholbar davonziehen.

          Nach der Vonovia-Hauptversammlung gibt es allerdings noch eine zweite Hürde: Mehr als 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Aktionäre müssen ihre Anteilsscheine an Vonovia verkaufen. Zahn, der in den vergangenen Wochen intensiv auf Werbetour bei den Investoren war, hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass diese Marke verfehlt wird – und der Megadeal deshalb nicht zustande kommt.

          So oder so hat der Deutsche-Wohnen-Chef aber an Ansehen verloren, wie einer der zehn größten Aktionäre des Unternehmens hinter vorgehaltener Hand klagt. „Zahn hat dieses Jahr zwei Übernahmen verpatzt. Und er kann nicht richtig begründen, warum die Standalone-Lösung jetzt auf einmal die richtige sein soll.“ Im Frühjahr scheiterte die Übernahme der österreichischen Conwert am Widerstand der dortigen Anleger. Und vor wenigen Wochen musste Deutsche Wohnen den Plan aufgeben, die kleinere Rivalin LEG in Nordrhein-Westfalen zu schlucken. Hier zweifelten die eigenen Aktionäre. Viele fürchteten eine Verwässerung des bislang auf den Berliner Markt fokussierten Geschäftsmodells. Jetzt soll abermals ein Portfolio gekauft werden, das nicht nur Hauptstadt-Wohnungen umfasst.

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