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Übernahmen Investmentbanken im Goldrausch

16.03.2006 ·  Das Übernahmefieber deutscher Großunternehmen heizt das Geschäft für Investmentbanken in Deutschland an. Die Zahl der Aktiven steigt und jede will an die Spitze. Bisher hält sich da die Deutsche Bank.

Von Benedikt Fehr und Daniel Schäfer
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Der Kuchen ist groß, der Appetit noch größer. Immer mehr Investmentbanken drängen auf den deutschen Markt. Sie wollen daran teilhaben, daß die Nachfrage nach ihren Diensten seit etwa einem Jahr wieder kräftig steigt. Fette Gebühreneinnahmen winken. Inzwischen rangeln aber mehr als ein gutes Dutzend Banken um die Kundschaft.

Für Schwung auf dem Übernahmekarussell haben zunächst vor allem die Beteiligungsunternehmen (Private Equity) gesorgt. Mit ihren milliardenschweren Fonds schnappten sie bei kleinen und mittelgroßen deutschen Unternehmen, einer ganzen Reihe großer Immobilienportefeuilles sowie bei notleidenden Kreditpaketen zu.

Just in dem Augenblick, in dem jenem Beteiligungsmarkt - mit Ausnahme des boomenden Immobilienmarktes - eine Stagnation auf hohem Niveau vorhergesagt wird, treten nun die deutschen Konzerne auf den Plan und sorgen für einen weiteren Wachstumsschub.

Kapital in Bewegung

Denn nach den harten Konsolidierungsschritten der vergangenen Jahre haben nun auch viele deutsche Unternehmen auf Expansion geschaltet. „In Deutschland ist die Bereitschaft zu großen Transaktionen erwacht, die das gesamte Unternehmen transformieren“, sagt Karl Altenburg, der frischgekürte Deutschland-Chef von JP Morgan.

In der Tat: Mit BASF, Thyssen-Krupp, Linde, Eon und Merck arbeiten derzeit gleich fünf deutsche Konzerne an milliardenschweren Übernahmen. „Unternehmen denken wieder aktiv über Fusions- und Übernahmeoptionen nach. Eine Reihe weiterer Transaktionen bahnt sich aus unserer Sicht an“, sagt auch Stefan Leithner, der für den Branchenprimus Deutsche Bank das Investmentbanking in Deutschland leitet.

Die Beratung bei Fusionen und Übernahmen (M&A) gilt im Investmentbanking als die Königsdisziplin. Nicht von ungefähr: Nirgends sonst wird mit einzelnen Geschäften so viel Kapital bewegt. Das verdeutlicht das Beispiel Eon: Der Versorger will den spanischen Branchenkollegen Endesa für insgesamt 55 Milliarden Euro übernehmen. Auch wenn sich die Gebühren der Berater nur im Promille-Bereich bewegen, fallen da schon Millionenhonorare ab.

Mindestens zehn größere Börsengänge

Und das ist oft nur der Anfang. Denn wer den Konzernchef bei einer Übernahme berät, erhält oft auch das Mandat für nachgelagerte Geschäfte. So hat der Eon-Berater HSBC, zusammen mit JP Morgan, Citigroup und Deutscher Bank, unlängst für Eon eine Kreditlinie über 32 Milliarden Euro arrangiert, der größte syndizierte Kredit aller Zeiten.

Auch für solche Geschäfte fallen erkleckliche Gebühren an, vor allem für die Arrangeure. Das ist derart lukrativ, daß Investmentbanken mitunter die M&A-Beratung als fast kostenlose Dreingabe zum Finanzierungspaket einer Übernahme offerieren, nur um ins Geschäft zu kommen.

Doch nicht nur bei Fusionen und Übernahmen brummt das Geschäft der Investmentbanken. „Wir rechnen in diesem und dem nächsten Jahr in Deutschland mit mindestens zehn größeren Börsengängen“, sagt Hermann Prelle, einer der beiden Leiter des deutschen Investmentbankings bei der Schweizer Großbank UBS. Börsengänge sind besonders lukrativ.

Streng gehütete Zahlen

Ein weiteres Wachstumsfeld ist die Privatisierung von Vermögen der öffentlichen Hand, wie zum Beispiel der spektakuläre Verkauf von 48000 Wohnungen durch die Stadt Dresden an private Investoren. Der Verkauf von Gewerbeimmobilien großer Unternehmen werde ein weiterer Wachstumsmarkt, sagt Andreas Raffel, Leiter des Deutschland-Geschäfts der Investmentbank Rothschild. Viel Beratungsbedarf sehen die Investmentbanken zudem beim Einsatz moderner Finanzinstrumente wie Hybridkapital oder bei der Auslagerung betrieblicher Pensionsrückstellungen in eigenständige Fonds.

Unbestrittener Marktführer in Deutschland ist die Deutsche Bank. „Unter Leithner hat die Deutsche Bank wieder Tritt gefaßt“, sagt der Investmentbanking-Chef eines großen Mitbewerbers. Solches Lob ist ungewöhnlich. Denn in der Branche gehört nicht nur Klappern zum Geschäft, sondern auch, die Konkurrenz nach Kräften schlechtzureden.

Genaue Zahlen über die Marktposition werden streng gehütet, doch hat die Deutsche Bank hierzulande im Investmentbanking wohl einen Anteil von 20 Prozent. Wer danach folgt, ist heftig umstritten, zumal jedes Haus seine Zahlen auf eigene Art und zum eigenen Vorteil aufbereitet.

Alle wollen an die Spitze

Zur Verfolgergruppe zählen die beiden globalen Marktführer Goldman Sachs und Morgan Stanley mit vermutlich jeweils etwa 12 Prozent, ferner JP Morgan, Merrill Lynch, Citigroup und UBS. Auch Dresdner Kleinwort Wasserstein, die Investmentbank der Dresdner Bank, mischt aufgrund ihrer tiefen Verankerung in Deutschland wohl noch in der Spitzengruppe mit.

Deutlich kleiner, aber hochambitioniert sind hierzulande Credit Suisse, Lehman Brothers und HSBC. Ein Stück vom Kuchen wollen zudem Häuser wie Bank of America, Rothschild, Lazard, Societe Generale und Calyon. „Wir wollen unter die Top fünf“, sagt Lehmans Deutschland-Chef Karl Dannenbaum. Dazu müßte Lehman seinen Marktanteil allerdings glatt verdoppeln.

Auch die übrigen Häuser streben einen Platz in der Spitzengruppe an. Der Grund: Wenn Konzernchefs große Transaktionen planen, setzen sie damit auch ihre eigene Karriere aufs Spiel. Sie gehen deshalb beim Berater meist auf Nummer Sicher und wählen eines der führenden und damit renommiertesten Häuser. Die kleineren bleiben außen vor.

2006 könnte ein Rekordjahr werden

Um unter die „Top fünf“ vorzustoßen, setzen fast alle Investmentbanken darauf, die Großkonzerne zu gewinnen. Weil diese die größten Geschäfte tätigen, sind die dicksten Prämien zu verdienen. Als „Türöffner“ setzen dazu immer mehr Häuser auf politische Prominenz. So hat Merrill Lynch Lothar Späth angeheuert, die Deutsche Bank Caio Koch-Weser und die Bank of America Hans-Olaf Henkel.

Die Societe Generale setzt auf kostenlose Vorleistungen: Sie bietet Großkonzernen eine gründliche Analyse ihrer Bilanzstruktur an. So sei man schon mit 15 der 30 Dax-Unternehmen ins Gespräch gekommen, sagt ihr Deutschland-Chef Charles Pierron.

So könnte das Jahr 2006 für die Branche in Deutschland ein Rekordjahr werden. Deshalb suchen nahezu alle händeringend nach neuen Mitarbeitern. Doch der Wettbewerb ist knallhart. Ludger Kübel-Sorger, Leiter des Investmentbankings der Boston Consulting Group, sagt: „Nur die vier oder fünf führenden Häuser verdienen das große Geld“, sagt Ludger Kübel-Sorger, der beim Beratungsunternehmen Boston Consulting Group (BCG) das Investmentbanking Europa leitet.

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