20.02.2008 · Der Übernahmekampf um das Internetunternehmen Yahoo wird immer feindseliger. Der Softwarekonzern Microsoft will offenbar bei seinem Versuch, Yahoo zu kaufen, zu härteren Mitteln greifen. Derweil bietet Yahoo seinen Mitarbeitern Abfindungungen für den Fall eines Verkaufs an, was die Übernahme verteuern würde.
Von Roland LindnerDer Übernahmekampf um das amerikanische Internetunternehmen Yahoo wird immer feindseliger. Der Softwarekonzern Microsoft will offenbar bei seinem Versuch, Yahoo zu kaufen, zu härteren Mitteln greifen. Microsoft will auf eine Ablösung des Verwaltungsrats von Yahoo drängen, der das Übernahmeangebot als zu niedrig abgelehnt hat. Derweil bietet Yahoo seinen Mitarbeitern Abfindungspakete für den Fall eines Verkaufs an. Das könnte eine Übernahme für Microsoft verteuern.
Microsoft hat Anfang des Monats ein Übernahmeangebot in Höhe von 44,6 Milliarden Dollar oder 31 Dollar je Aktie gemacht. Der Preis, den Microsoft jeweils zur Hälfte in bar und in eigenen Aktien bezahlen will, entsprach damals einem Aufschlag auf den letzten Yahoo-Kurs von 62 Prozent. Das Angebot ist mittlerweile unter 42 Milliarden Dollar gerutscht, weil der Aktienkurs von Microsoft gefallen ist. Yahoo hat das Angebot von Microsoft in der vergangenen Woche offiziell zurückgewiesen mit der Begründung, es stelle eine „substantielle Unterbewertung“ dar.
Microsoft engagiert Beratungsfirma für Übernahmen
Microsoft hat angekündigt, seine Übernahmepläne weiter verfolgen zu wollen, dabei aber bislang keine Erhöhung des Preises in Aussicht gestellt. Verwaltungsratsvorsitzender Bill Gates sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press, das Angebot sei fair und Yahoo solle es sich „genau ansehen“. Gleichwohl gibt es im Aktionärskreis von Yahoo Forderungen nach einer Aufstockung der Offerte. So signalisierte die Fondsgesellschaft Legg Mason Value Trust, der zweitgrößte Aktionär von Yahoo, einem Verkauf grundsätzlich offen gegenüberzustehen, allerdings nur zu einem höheren Preis. Jeder zusätzliche Dollar je Aktie würde den Gesamtpreis für Microsoft um rund 1,4 Milliarden Dollar erhöhen.
Die „New York Times“ meldete unterdessen, Microsoft sei bereit, bei der nächsten Aktionärsversammlung eine Kampfabstimmung anzuzetteln, um damit den Verwaltungsrat von Yahoo zu stürzen. Dazu muss Microsoft bis zum 14. März eigene Vertreter für das Gremium nominieren, und die Aktionärsversammlung wird voraussichtlich im Juni stattfinden. Vor wenigen Tagen war bereits bekanntgeworden, dass Microsoft eine Beratungsfirma engagiert hat, die auf solche Kampfabstimmungen spezialisiert ist. Analysten können sich allerdings vorstellen, dass Microsoft das Drohen mit einer Kampfabstimmung in erster Linie als Druckmittel einsetzt, um Yahoo an den Verhandlungstisch zu zwingen. Solche Kampfabstimmungen im Rahmen eines feindlichen Übernahmeversuchs gibt es in Amerika nicht sehr oft.
Yahoo verspricht Mitarbeitern höhere Abfindungen bei Entlassung
Seit der unerwünschten Annäherung von Microsoft hat Yahoo verzweifelt nach Alternativen gesucht, bislang aber ohne Ergebnis. So soll es noch immer Gespräche mit dem Medienkonzern News Corp. über eine Kombination mit dessen Internetaktivitäten geben, zu denen die Online-Gemeinde Myspace gehört. Als weitere Möglichkeit wurde über eine strategische Allianz mit dem Wettbewerber Google spekuliert, die es Yahoo ermöglichen könnte, unabhängig zu bleiben. Google-Vorstandsvorsitzender Eric Schmidt hat Yahoo direkt nach dem Angebot von Microsoft seine Hilfe angeboten. Daraus hat sich bislang aber ebenfalls nichts Konkretes ergeben.
Unterdessen hat Yahoo vor dem Hintergrund des Übernahmekampfes ein neues Abfindungsprogramm angekündigt. Demnach würden alle Mitarbeiter ein besseres Abfindungspaket bekommen für den Fall, dass sie nach einem Verkauf des Unternehmens entlassen werden. Die von Yahoo in Aussicht gestellten Leistungen sind an sich nicht ungewöhnlich. Analysten halten es aber für bemerkenswert, dass sich das Programm auf die gesamte Belegschaft erstreckt. Das Programm würde es für Microsoft teurer machen, sich nach der Übernahme von Mitarbeitern zu trennen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.370,73 | −1,68% |
| Dow Jones | 12.437,70 | −1,14% |
| EUR/USD | 1,2421 | −0,54% |
| Rohöl Brent Crude | 103,93 $ | −2,73% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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