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U-Bahn-Bau in Köln : Pfusch-Verdacht gegen Bilfinger weitet sich aus

Bilfinger Berger steht unter Verdacht Bild: APN

Die Ermittlungen gegen den Mannheimer Baukonzern Bilfinger wegen Pfuschs am Bau haben sich über die Stadtgrenzen von Köln hinaus auf den Bau der ICE-Strecke Nürnberg-München ausgedehnt. Die Deutsche Bahn will noch keine Erkenntnisse über Unregelmäßigkeiten haben.

          Die Ermittlungen gegen den Mannheimer Baukonzern Bilfinger wegen Pfuschs am Bau haben sich über die Stadtgrenzen von Köln hinaus ausgeweitet. Bilfinger wird vorgeworfen, beim Bau der 2006 in Betrieb genommenen ICE-Trasse zwischen Nürnberg und München möglicherweise schlampig gearbeitet zu haben. Die Kölner Staatsanwaltschaft, die die Pfuschvorwürfe rund um den Kölner U-Bahn-Bau untersucht, informierte den Konzern am Freitag über den Verdacht auf Manipulation von Arbeitsprotokollen beim Bau der ICE-Strecke.

          Bernd  Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Entsprechende Hinweise stammen offenbar aus der Vernehmung eines Bauleiters, gegen die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Deutsche Bahn AG betonte am Wochenende in Berlin, sie habe nach einer umgehend eingeleiteten internen Prüfung bislang noch keine Erkenntnisse über Unregelmäßigkeiten an Bauwerken, die durch Bilfinger errichtet worden.

          Bahn sieht bisher keine Anzeichen für bauliche Mängel

          Ein Bahnsprecher sagte: „Sollte Bilfinger Berger über Indizien oder gar Erkenntnisse verfügen, dass es zu baulichen Mängeln gekommen sein könnte, fordern wir Bilfinger Berger auf, uns diese Erkenntnisse unverzüglich zur Verfügung zu stellen. Beim geringsten Verdacht ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft.“ Die Deutsche Bahn widersprach ausdrücklich Berichten, nach denen auf der Strecke Nürnberg-Ingolstadt-München wegen der Pfuschvorwürfe eine Geschwindigkeitsreduzierung angeordnet worden sei. Sie schloss ferner jeden Zusammenhang mit der Überprüfung der Gleisanlagen auf dieser Strecke Anfang Februar aus.

          Die 171 Kilometer lange ICE-Trasse zwischen Nürnberg und München war im Mai 2006 nach acht Jahren Bauzeit in Betrieb genommen worden. Die Reisezeit konnte auf dieser Hochgeschwindigkeitsstrecke von mehr als 100 auf 60 Minuten verkürzt werden; die Züge erreichen auf dem neuen Abschnitt Nürnberg-Ingolstadt ein Tempo von bis zu 300 Stundenkilometern. Der Neu- und Ausbau der Verbindung, die inzwischen seit mehr als 140 Jahren existiert, kostete insgesamt rund 3,6 Milliarden Euro. Das Konsortium von Bilfinger hat an dem Infrastrukturvorhaben großen Anteil; nach Angaben im Geschäftsbericht hat Bilfinger Berger den mit 35 Kilometern längsten Abschnitt der Eisenbahnverbindung erstellt.

          Zum Auftrag gehörten demnach zwei große Tunnelbauwerke, vier Großbrücken, elf Straßenbrücken und weitere 24 kleinere Eisenbahnbrücken. Erstmals sei für den Oberbau auf der Neubaustrecke Nürnberg-Ingolstadt die „Feste Fahrbahn“ als Fertigteillösung zum Einsatz gekommen. Bei diesem mittlerweile geläufigen Verfahren werden Schotter und Bahnschwellen durch feste Bauteile aus Beton oder Asphalt ersetzt.

          Untersuchungen in Köln ausgeweitet

          Die Untersuchungen zum Kölner U-Bahn-Bau wurden derweil ebenfalls deutlich ausgeweitet. Es deutet inzwischen vieles darauf hin, dass an mehr Baustellen, als bisher vermutet, vorgesehene Befestigungsspangen aus Eisen nicht oder falsch eingebaut wurden. Die zugehörigen Bauprotokolle wurden vermutlich anschließend gefälscht, und das Eisen wurde verkauft.

          Die Stadt erwägt mittlerweile, die Baugrube am Heumarkt bei einem Pegelstand des Rheins von 6,50 Meter zu fluten, um dem Druck des Grundwassers stand zu halten und so die Stabilität der Baustelle zu gewährleisten. Zur Zeit beträgt der Pegelstand 2,80 Meter. In der Affäre wird inzwischen auch Kritik an der Bauaufsicht geäußert. Die Zeitschrift „Focus“ berichtete am Wochenende unter Berufung auf Ermittler, entgegen allen Regeln habe der Bauherr, die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), zum Teil selbst die Bauüberwachung ausgeübt. Nach Aussagen von Arbeitern auf den entsprechenden Baustellensei „faktisch keinerlei Bauaufsicht vor Ort“ gewesen.

          Bilfinger will Vorgänge genauer untersuchen

          Am Freitag hatten Fahnder die Arbeitsgemeinschaft der Baufirmen für den Kölner U-Bahn-Bau durchsucht, darunter auch Büros von Bilfinger. Das Mannheimer Unternehmen fungiert dort als technischer Konsortialführer eines Konsortiums, dem die Baukonzerne Züblin und Wayss & Freytag - eine Tochtergesellschaft der holländischen Bam-Gruppe - angehören.

          Die Deutsche Bahn AG stellte am Wochenende klar, am Betrieb der Kölner U-Bahn nicht beteiligt zu sein. Bilfinger kündigte an, die internen Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Bau deutlich auszuweiten. Bilfinger wolle sicherstellen, „dass alle Projekte, in denen ähnliche Technologien verwendet wurden, korrekt ausgeführt worden sind“, wird der Vorstandsvorsitzende Herbert Bodner zitiert. In diesem Zusammenhang werde auch das Projekt ICE-Trasse Nürnberg-München überprüft.

          Nach möglichen Schlampereien auf der Großbaustelle Köln muss sich der Baukonzern nun mit neuen
          schwerwiegenden Vorwürfen auseinandersetzen. Denn möglicherweise soll es auch beim teuren Bau der ICE-Strecke Nürnberg-Ingolstadt-München Manipulationen gegeben haben.

          Quelle: F.A.Z.

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