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F.A.Z. exklusiv : TUI macht Dampf mit seinen Kreuzfahrtschiffen

Die „Mein Schiff 6“ fährt an der Elbphilharmonie vorbei. Bild: EPA

Urlaub auf hoher See wird immer beliebter. Daher erhöht der Reisekonzern das Tempo – und bestellt nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein neues Schiff: Die „Mein Schiff 7“. Aber das ist noch nicht alles.

          Es ist eine Flotte, die sich sehen lassen kann. 16 Kreuzfahrtschiffe schippern für den Reisekonzern TUI über die Ozeane. Die Bandbreite reicht vom vergleichsweise kleinen Luxusdampfer „MS Europa“, der für die Tochtergesellschaft Hapag-Lloyd Cruises fährt, über mittelgroße Schiffe der britischen Gesellschaft Marella bis zu den großen Pötten von TUI Cruises, die unter dem Namen „Mein Schiff“ unterwegs sind. In den nächsten Jahren will TUI weitere Urlaubsdampfer in Betrieb nehmen und einige ältere Schiffe durch Neubauten ersetzen. Doch die bisherige Planung reicht nicht, um das Marktpotential voll auszuschöpfen. Daher plant der Konzern einen weiteren Vorstoß.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bestellt die Reederei TUI Cruises, ein Gemeinschaftsunternehmen der TUI AG und des amerikanischen Anbieters Royal Caribbean Cruises, ein zusätzliches Kreuzfahrtschiff. Es soll „Mein Schiff 7“ heißen und auf der finnischen Werft Meyer Turku Oy gebaut werden, einem Standort der Meyer Werft aus Papenburg. Dort lässt TUI schon zwei weitere, baugleiche Schiffe herstellen, die in diesem und im kommenden Jahr in See stechen sollen. Sie sollen zwei ältere der bislang sechs Modelle ersetzen, die aus heutiger Sicht nicht mehr groß genug sind; die bisherige „Mein Schiff 1“ und die „Mein Schiff 2“. Der Kaufpreis des neuen Dampfers dürfte, wie bei früheren Bestellungen, etwa 500 Millionen Euro betragen. Dem Vernehmen nach finanziert TUI Cruises die Investition komplett aus eigenen Mitteln.

          „Zeitnah zusätzliche Schiffe“

          Durch den zusätzlichen Neubau wächst die Kapazität der Flotte von TUI Cruises auf knapp 19.000 Passagiere heran. Allerdings gibt es einen Haken. Die „Mein Schiff 7“, die Platz für rund 2900 Urlauber haben soll, wird erst im Jahr 2023 geliefert. Hintergrund ist die hohe Auslastung der Werften, die wegen der seit Jahren andauernden Hochkonjunktur der Kreuzfahrten mit Neubauaufträgen überschwemmt werden. Dem Vernehmen nach denkt die TUI-Führung um den Vorstandsvorsitzenden Fritz Joussen deshalb über weitere Optionen nach. Eine Lösung könnte sein, die bisherige „Mein Schiff 2“ – ein Kreuzfahrtschiff aus dem Jahr 1997, das TUI vor sieben Jahren von einem Wettbewerber übernommen und aufwendig umgebaut hatte – länger in der Flotte zu lassen als ursprünglich geplant.

          Eigentlich sollte dieser Urlaubsdampfer im Jahr 2019, wenn die neue und deutlich größere Version der „Mein Schiff 2“ kommt, zur Schwestergesellschaft Marella wechseln und dort unter neuem Namen die Flotte erweitern. Das Gleiche wird schon im laufenden Jahr mit der bisherigen „Mein Schiff 1“ passieren, die unter dem Dach von TUI Cruises zu den kleinsten Dampfern gehört, für die Verhältnisse von Marella aber sehr groß ist. Sollten die Briten das zweite Schiff nicht oder deutlich später bekommen, risse dies allerdings eine Lücke. In der Branche wird daher spekuliert, dass TUI für Marella kurzfristig ein gebrauchtes Schiff am Markt erwerben könnte, um Ersatz zu schaffen. Ob es tatsächlich so kommt, steht aber in den Sternen. Ein Sprecher des TUI-Konzerns wollte sich am Sonntag nicht äußern.

          Für TUI ist ein Ausbau der Flotte wichtig, denn auch die Wettbewerber wachsen kräftig. Nach Berechnungen des Fachmagazins „Seatrade Cruise News“ kommen allein in diesem Jahr rund um den Erdball 16 neue Kreuzfahrtschiffe im Wert von 8,4 Milliarden Dollar auf den Markt. Dazu gehört das bislang größte Schiff der Welt, die „Symphony of the Seas“, die für Royal Caribbean fahren wird und Platz für fast 6900 Urlauber hat. Auch der deutsche Rivale Aida nimmt ein neues Schiff in Dienst, die „Aida Nova“ mit Raum für 6600 Fahrgäste. In den nächsten Jahren dürfte sich das Wachstum fortsetzen, denn die Nachfrage steigt weiter. Nach Schätzungen des Branchenverbands Clia wird die Zahl der Menschen, die eine Kreuzfahrt machen, 2018 rund um den Globus gegenüber dem Vorjahr um mehr als 5 Prozent auf 27,2 Millionen steigen. Auch in Deutschland wird der Markt immer größer.

          Um darauf zu reagieren, baut TUI nicht nur das Geschäft von TUI Cruises und der Reederei Marella aus, die bis zum vergangenen Jahr Thomson Cruises hieß. Auch der Anbieter Hapag-Lloyd Cruises, der auf Luxus- und teure Spezialkreuzfahrten spezialisiert ist, soll wachsen. 2019 wird das Unternehmen zwei neue Expeditionsschiffe in Dienst stellen, die auf der Vard-Werft in Norwegen gebaut werden. Dass TUI darüber hinaus weitere Neubauten für eine seiner Konzerngesellschaften ordern könnte, hatte Joussen im Januar angedeutet. Das Kreuzfahrtgeschäft sei „hochprofitabel, und die Nachfrage bleibt höher als das Angebot“, sagte er der F.A.Z. Man müsse „zeitnah über zusätzliche Schiffe“ nachdenken.

          Nach bisheriger Planung wollte TUI Cruises bis 2019 im deutschsprachigen Raum einen Marktanteil von 30 Prozent erreichen. Durch das zusätzliche Flottenwachstum könnte das Tempo weiter steigen. Die Offensive im Kreuzfahrtgeschäft ist Teil einer Konzernstrategie, die das Unternehmen vom klassischen Reiseveranstalter zum Rundumanbieter machen soll, der die ganze Wertschöpfungskette abdeckt – von der Buchung bis zum Zimmer. Dafür investiert TUI nicht nur in Schiffe, sondern auch in eigene Hotels.

          Kreuzfahrt : Der Luxus-Kreuzer MS Europa II

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