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Prüfgesellschaften : TÜV Süd und TÜV Nord bleiben eigenständig

Traum vieler Auto-Fahrer: das Auto am heimischen PC zulassen Bild: dpa

Eigentlich wollten der TÜV Süd und der TÜV Nord bis zum Jahresende fusionieren. Ein gemeinsamer Konzern wäre die zweitgrößte Prüfgesellschaft der Welt gewesen. Aber daraus scheint nichts zu werden.

          Die Fusion von TÜV Süd und TÜV Nord kommt nicht zustande. Man habe sich darauf verständigt, die Gespräche über einen gesellschaftsrechtlichen Zusammenschluss nicht fortzuführen und eigenständig zu bleiben, teilten die beiden Unternehmen am Montag in München und Hannover mit. Der Zusammenschluss hätte hinter dem Schweizer Konkurrenten SGS das auf der Welt zweitgrößte Unternehmen der Branche mit 18.000 Beschäftigten und einem Umsatz von rund 1,8 Milliarden Euro entstehen lassen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Das Ende der Fusionspläne kommt überraschend. Denn noch jüngst hatte der TÜV Süd mitgeteilt, der Zeitplan für das Zustandekommen der Fusion stehe. Nun heißt es, dies sei geschehen, um vor den entscheidenden Gremiensitzungen keine Spekulationen aufkommen zu lassen. Eitelkeiten hätten nicht zum Scheitern der Fusion geführt, denn es war offenbar schon geklärt, dass Guido Rettig, der Vorstandsvorsitzende des TÜV Nord, zum alleinigen Chef geworden wäre.

          Kein Interesse an zeitraubender Integration

          Mit dem Schritt wollten sich die Unternehmen auch für die Zeit nach dem Fall des letzten Monopols im Industrie-Prüfgeschäft rüsten. Der TÜV ist der Öffentlichkeit vor allem durch die Hauptuntersuchungen von Fahrzeugen bekannt, doch erstrecken sich die Prüfdienstleistungen auch auf Kraftwerke, Aufzüge, Haushaltsgeräte und Spielwaren. Analysen der Wettbewerbsbedingungen hätten nun gezeigt, dass man unabhängig voneinander schneller und flexibler auf die Markterfordernisse reagieren könne als in einem großen Verbund, hieß es in München zur Begründung des Scheiterns des Fusionsvorhabens.

          TÜV-Süd

          „Ein Zusammenschluss beider Unternehmen hätte einen erheblichen Integrationsaufwand bedeutet und daher auf lange Zeit auch operative Kapazitäten gebunden“, werden die Vorstandsvorsitzenden von TÜV Süd und TÜV Nord, Axel Stepken und Rettig, in der gemeinsamen Pressemitteilung zitiert. Dabei geht es vor allem um die Weiterentwicklung des Auslandsgeschäfts. Hier befürchtete vor allem der TÜV Süd, in einem wettbewerbsintensiven Markt durch die Arbeit an der Integration zu viel Zeit zu verlieren. Der Auslandsmarkt ist für die Prüfunternehmen derzeit als Wachstumsfeld hoch interessant, da der heimische Markt weitgehend aufgeteilt ist. Im Fokus steht dabei die Zertifizierung von Managementsystemen und Produkten.

          Projektbezogene Kooperationen fortgeführt

          Nach Beendigung der Gespräche wolle man die jeweiligen Dienstleistungen nun eigenständig weiterentwickeln und separate Strategien verfolgen, heißt es. Projektbezogene Kooperationen in einzelnen Arbeitsgebieten, zum Beispiel in kerntechnischen Projekten, sollten aber fortgeführt werden. Eine weitere Zusammenarbeit kann sich Stepken zum Beispiel auch bei Fahrzeughauptuntersuchungen oder Aufzügen vorstellen.

          Schon in der vergangenen Woche habe sich abgezeichnet, dass eine Entscheidung gegen die Fusion falle, war zu hören. Ein Sprecher des TÜV Nord sagte, man sei bei den Verhandlungen zu dem Ergebnis gekommen, dass man getrennt schneller wachsen und reagieren könne als in einem Verbund. Zudem hätten kartellrechtliche Fragen eine Rolle gespielt, beispielsweise zu erwartende hohe Auflagen bei einer Fusion. „Beide Unternehmen haben juristisch prüfen lassen, ob eine Fusion kartellrechtlich tragfähig wäre“, sagte der Sprecher. Nach dem Ergebnis der juristischen Prüfungen habe man erhebliche Auflagen des Bundeskartellamts erwarten müssen: „Das gemeinsame Unternehmen hätte seine Tätigkeit stark beschränken müssen.“ Vor allem bei medizinisch-psychologischen Untersuchung von Verkehrsteilnehmern und in der Begutachtung von Kerntechnik seien eine Vormachtstellung des fusionierten Unternehmens und entsprechende Auflagen zu erwarten gewesen. „Die juristischen Berater prognostizierten zu hohe Auflagen“, sagte der Sprecher. In München wurde dieser Punkt aber wohl weniger kritisch gesehen.

          Kein Interesse beim TÜV Rheinland

          Der TÜV Rheinland wiederum hatte ohnehin nie Interesse, sich der geplanten Fusion von TÜV Nord und TÜV Süd anzuschließen. „Wir sehen für uns in einer Dreierformation derzeit keine Vorteile“, hatte Bruno Braun, Vorstandsvorsitzender des TÜV Rheinland, bei der Bilanzvorlage gesagt. Ein Zusammenschluss mit den Konkurrenten würde auf den TÜV Rheinland „eher bremsend als beschleunigend“ wirken. Zudem entstehe durch deren Zusammengehen ein großes Unternehmen, „das vermutlich anfangs schwerfällig arbeiten wird“. Vielleicht haben auch diese Bemerkungen die Wettbewerber in Hannover und München nachdenklich gestimmt. Denn Braun hatte sich lange Zeit für einen einzigen TÜV in Deutschland starkgemacht. Als dies nicht gelang, hat sich der TÜV Rheinland auf seine eigene Entwicklung und den Ausbau des Auslandsgeschäfts konzentriert, das dort inzwischen 37 Prozent zum Umsatz beisteuert.

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