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Trotz der Rücktrittsforderungen Société-Générale-Chef Bouton bleibt im Amt

30.01.2008 ·  Viele hielten es schon für sicher, dass Daniel Bouton, Chef der Société Générale, an diesem Mittwoch sein Büro würde räumen müssen. Doch alles kam ganz anders: Der Verwaltungsrat setzt weiter auf die Führung Boutons - obgleich sogar die Regierung und Präsident Sarkozy eine Ablösung empfohlen hatten.

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Der im Spekulations-Skandal bei der französischen Großbank Société Générale unter Druck geratene Bankchef Daniel Bouton bleibt trotz Rücktrittsforderungen im Amt. Das gab der Verwaltungsrat nach einer mit Spannung erwarteten Sitzung am Mittwoch in Paris bekannt. Bouton wurde allerdings ein vierköpfiges Krisenkomitee zur Seite gestellt. Das Gremium soll die Hintergründe des Milliardenskandals aufklären. Der Verwaltungsrat halte an Bouton fest, damit er die Krise überwinden könne, hieß es. In den vergangenen Tagen hatten sich Stimmen auch aus der Regierung gemehrt, die ihm den Rücktritt nahelegten. Auch Staatschef Nicolas Sarkozy hatte einen solchen Schritt ins Gespräch gebracht.

Die Bank ist durch die heimlichen Spekulationen des Aktienhändlers Jérôme Kerviel in die Krise geraten. Der 31-Jährige soll dem Geldinstitut einen Verlust von knapp fünf Milliarden Euro eingehandelt haben. Mittels ausgleichender Scheinbuchungen soll er monatelang die Warnsysteme der Bank außer Kraft gesetzt haben. Gegen ihn läuft ein Verfahren. Die Ermittler werfen ihm Fälschung, Vertrauensmissbrauch und unerlaubtes Eindringen in Computersysteme vor. Kommt es zur Anklage, drohen dem Franzosen eine jahrelange Haftstrafe und eine hohe Geldstrafe.

Kerviel beschuldigte seine Vorgesetzten

Gewerkschaften forderten bessere Kontrollen, damit kein Händler wieder derartige Risiken eingehen könne. „Wir wollen mit dem Management eine Diskussion über Kontrollmechanismen und die Arbeitsorganisation beginnen“, sagte Gewerkschaftsvertreter Michel Marchet der Zeitschrift „Nouvel Observateur“. Es müsse Garantien geben, dass niemand mit solchen Summen handeln könne, fügte er hinzu. Die Gewerkschaften fordern außerdem eine Reform des Bonussystems, das Händler zu riskanten Geschäften motiviert.

Kerviel hatte bei seiner Vernehmung seine Vorgesetzten beschuldigt. „So lange ich Gewinne gemacht habe, haben meine Chefs bewusst nicht hingesehen“, sagte er nach Aufzeichnungen der Ermittler, die französische Medien am Dienstag veröffentlicht hatten. Ende vergangenen Jahres habe er mit Hilfe von Scheingeschäften 1,4 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Sein Ziel sei gewesen, eine gute Prämie zu bekommen. Die Richter hatten den Antrag der Staatsanwaltschaft zurückgewiesen, auch wegen versuchten Betruges zu ermitteln. Kerviel habe sich nicht persönlich bereichert, hieß es.

Anwalt erstattet Anzeige im Namen von 100 Kleinanlegern

In der Affäre hat daneben ein Anwalt im Namen von rund 100 Kleinanlegern Anzeige wegen des Verdachts auf Insiderhandel erstattet. Im Visier steht Verwaltungsratsmitglied Robert Day, Präsident der amerikanischen Investmentfirma Trust Company of the West (TCW). Er soll vor Bekanntwerden des Skandals große Aktienpakete verkauft haben. Seitdem ist der Aktienkurs stark gesunken. Die Bank wies die Vorwürfe zurück. Die Société Générale hatte seit Anfang vergangener Woche die angehäuften Terminkontrakte Kerviels im Wert von etwa 50 Milliarden Euro in „Notverkäufen“ abgestoßen, bevor sie am Donnerstag die Affäre öffentlich machte.

Die Aktien der Bank waren nach Übernahmegerüchten am Dienstag erstmals wieder ins Plus gedreht. Am Mittwochnachmittag notierten die Titel an der Pariser Börse weiter leicht im Plus bei zeitweise 78,70 Euro, einem Plus von 0,32 Prozent. Im Mai vergangenen Jahres hatte der Kurs mit 162 Euro noch gut das Doppelte betragen. Die Regierung bekräftigte, das Bankhaus vor einer möglichen feindlichen Übernahme schützen zu wollen. Als mögliche Käufer sind die BNP Paribas und die britischen Bankhäuser HSBC und Barclays im Gespräch.

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Von Heike Göbel

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