28.04.2009 · Am Mittwoch lädt der Versicherungskonzern zur Hauptversammlung. Die Aktionäre werden die Bilanzierung des Quartalsverlusts der Dresdner Bank hinterfragen. Fachleute hatten der Allianz mangelnde Transparenz vorgeworfen.
Von Henning Peitsmeier, Georg Giersberg und Markus FrühaufDie Dresdner Bank wird am Mittwoch die Hauptversammlung der Allianz beherrschen. Zwar gehört die Dresdner offiziell seit dem 12. Januar dieses Jahres nicht mehr zu Europas größtem Versicherungskonzern, aber ihre Bilanzierung wird auch für die Aktionäre ein Thema sein. Fachleute hatten der Allianz mangelnde Transparenz vorgeworfen, weil der letzte Quartalsverlust der Dresdner von 3,9 Milliarden Euro nicht im Abschluss der Allianz sichtbar ist (siehe Neue Bilanzen gefordert: Verlust der Dresdner Bank ist verschwunden). Ein Sprecher der Allianz stellte klar, dass die Dresdner Bank und damit auch ihr Milliardenverlust im Schlussquartal vollständig konsolidiert sei, ausgewiesen unter „nicht fortgeführtes Geschäft“. Genau mit dieser Darstellung haben selbst Bilanzfachleute ihre Schwierigkeiten.
Denn die Allianz hat den Fehlbetrag der ehemaligen Tochtergesellschaft nur in den ersten neun Monaten mit 2,1 Milliarden Euro berücksichtigt. Der Verkauf an die Commerzbank war am 31. August 2008 mitgeteilt worden. Im vierten Quartal ging die Dresdner Bank mit einer Wertminderung von 2,7 Milliarden Euro und sonstigen Verlusten von 0,2 Milliarden Euro in das Zahlenwerk des Versicherungskonzerns ein. Darüber hinaus hatte die Allianz im dritten Quartal eine Wertberichtigung von 1,4 Milliarden Euro gebildet. Diese hatte der Versicherer in seinem Geschäftsbericht 2008 mit dem Unterschied aus dem Zeitwert (Fair Value) des Verkaufspreises von 7,8 Milliarden Euro und dem Buchwert der Dresdner Bank von 9,2 Milliarden Euro begründet.
Ergebnis eingedampft
Aufgrund der Marktverwerfungen im vierten Quartal kam es zu Nachverhandlungen. Dadurch ging der Verkaufspreis der Dresdner Bank um weitere 2,7 Milliarden Euro zurück, was der Wertberichtigung im vierten Quartal entspricht. Wegen der Transaktion hätten Änderungen im Ergebnis der Dresdner Bank seit Vertragsunterzeichnung keine Auswirkungen auf die Allianz mehr, schreibt der Versicherer im Geschäftsbericht. Damit musste die Allianz ihre Tochtergesellschaft zwar weiterhin bis zur Kontrollübergabe voll konsolidieren. Aber vom Zeitpunkt des Verkaufsbeschlusses an werden die Bilanzpositionen der zu verkaufenden Gesellschaft nur noch in einer Aktiv- und einer Passivzeile zusammengefasst. Das Vermögen der Tochtergesellschaft ist nach dem niedrigen Wert aus Buchwert oder Zeitwert zu bewerten. Das war bei Vorliegen eines Kaufvertrages der Verkaufspreis, auf den die Buchwerte abgeschrieben worden sind.
In der Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Konzerns wird die zu verkaufende Tochtergesellschaft ebenfalls nur noch in einer Zeile „Ergebnis aus aufgegebenen Geschäftsbereichen“ zusammengefasst. Mit dieser Eindampfung der Tochtergesellschaft auf jeweils nur eine Zeile soll die prognostische Qualität des Mutterkonzernabschlusses erhöht werden. Es sollen möglichst einfach die fortzuführenden Geschäftsbereiche zu erfassen sein. Aber was passiert, wenn die Tochtergesellschaft in den letzten Monaten nur Verluste produziert? Für diesen Fall gibt es eine Bruttomethode, bei der bis zum Vermögensübergang auf den neuen Eigentümer die volle Gewinn-und-Verlust-Rechnung fortgeführt und zu einer Zeile saldiert wird. Dieser Saldo wird dann mit dem Verkaufspreis verrechnet und als „Ergebnis aus aufgegebenen Geschäftsbereichen“ ausgewiesen. In diesem Fall wäre der Quartalsverlust der Dresdner Bank zumindest als Zwischenergebnis aufgetaucht. Eine zweite Variante – und die hat die Allianz gewählt – ist, dass man vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses an jede einzelne Zeile der Gewinn-und-Verlust-Rechnung gegen den Verkaufspreis aufrechnet. In diesem Fall wird so getan, und die Allianz schreibt das auch, als habe das Geschäft nach dem Verkaufsbeschluss keinen Einfluss mehr auf den Konzern, weil es vom Kaufpreis aufgefangen wird. Unter dem Strich führen beide Verfahren zum gleichen Ergebnis. Im zweiten Fall tauchen die 3,9 Milliarden Euro Verlust der Dresdner aber nicht einmal mehr als Zwischenergebnis auf.
Ganz verschwunden ist die Dresdner Bank aus dem Allianz-Zahlenwerk des laufenden Geschäftsjahres jedoch noch nicht. Finanzvorstand Helmut Perlet hatte zur Bilanzvorlage Ende Februar angekündigt, dass im ersten Quartal 2009 noch einmal eine Belastung von 400 Millionen Euro zu verbuchen sei.
Georg Giersberg Jahrgang 1955, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.
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