http://www.faz.net/-gqe-xwla

Toyota : Im Innersten erschüttert

Tiefe Verbeugung vor vernachlässigten Kunden: Akio Toyoda, der Chef Bild: AFP

Erst hakte das Gaspedal, dann klemmte die Bremse: Bei Toyota folgt derzeit eine Pannenserie der nächsten. Das Wachstum des Konzerns war zu rasant, seine Kultur in der Krise hinderlich. Das sollte auch andere Autohersteller interessieren.

          An Gesprächsstoff wird es der Familie Toyoda nicht fehlen, wenn sie an diesem Samstag im japanischen Nagoya den 85. Geburtstag des Familienoberhaupts Shoichiro Toyoda feiert. Das von Shoichiros Vater Kiichiro 1937 gegründete Automobilunternehmen Toyota steckt schließlich in einer der größten Krisen seiner Geschichte. 8,5 Millionen Autos musste der Konzern in den vergangenen Monaten in die Werkstätten zurückrufen. Im vergangenen Herbst fing die Pannenserie an: Da verhakten sich plötzlich Gaspedale in den Fußmatten. Später klemmten dann die Gaspedale anderer Modelle ohne erkennbaren Grund. Beim Öko-Vorzeigemodell des Unternehmens, dem Hybridauto Prius, beklagten sich Kunden kurz darauf über klemmende Bremsen. „Eine richtige Pechsträhne“, sagen Mitarbeiter des Unternehmens in Tokio.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Doch diese Pechsträhne kostet Toyota, einst das Sinnbild für ein gewisses Maß an Langeweile, dafür aber hervorragende Qualität und Sicherheit, nicht nur viel Geld – von rund 1,4 Milliarden Euro ist die Rede Die größte Gefahr für Toyota ist: Der Nimbus des Unternehmens bröckelt, technisch stets auf der Höhe der Zeit zu sein und die Sicherheit der Kunden über alles zu stellen. Mit der Strategie, ein bisschen langweilig, dafür aber grundsolide zu sein, hat Toyota auf dem amerikanischen Markt Platz eins erobert und sich damit auch zum größten Autobauer der Welt gemacht. Jetzt droht dem Unternehmen wegen der Pannenserie – von der Toyota-Fahrer in den Vereinigten Staaten besonders betroffen sind – ausgerechnet in Amerika der Absturz.

          In der Krisen-Kommunikation versagt

          Der Fall Toyota ist beides: Er ist ein Beispiel dafür, dass Größe und zu schnelles Wachstum zu Problemen führen können. Er ist aber auch ein Beispiel dafür, wie Unterschiede zwischen den Kulturen eine technische Panne über mangelhafte Kommunikation erst zu einer richtigen Krise wachsen lassen. Im Blickpunkt steht in diesen Tagen Shoichiro Toyodas ältester Sohn Akio. Im vergangenen Sommer, als Toyota wegen der weltweiten Wirtschaftskrise erstmals seit langer Zeit rote Zahlen schrieb, kam der 53 Jahre alte Enkel des Firmengründers als Hoffnungsträger auf den Präsidentenstuhl des Unternehmens. Die Toyoda-Familie hat dort zwar schon lange keine Mehrheit, kontrolliert aber bis heute maßgeblich die Geschäftspolitik und stellt die Führung.

          Akio Toyoda ist ein typisches Toyota-Gewächs. Er ist – wie vor ihm schon sein Vater Shoichiro – im Unternehmen groß geworden. Das gilt für die meisten Manager an der Spitze des Autobauers. Das Management pflegt seit der Gründung 1937 eher einen nach innen gerichteten Blick. Nach außen wird bis heute selten so kommuniziert, wie es von Unternehmen in der globalisierten Welt erwartet wird. Auch unter der Führung Akio Toyodas ist das Unternehmen im besten japanischen Sinn eine lernende Organisation geblieben. Kaum ein Autobauer hat das industrielle Knowhow des 20. Jahrhunderts so perfekt organisiert wie Toyota. „Für Akio Toyoda standen daher Besuche in den Fabriken immer ganz oben auf der Tagesordnung“, berichten Mitarbeiter. Schon sein Vater, für den Qualitätskontrolle stets die Leitschnur des Handelns war, pflegte diese Praxis. „Toyoda wirkt lieber nach innen“, heißt es, „den öffentlichen Auftritt mag er nicht.“ Produktionsprozesse zu verbessern, das ist, was für ihn zählt. Und da haben Konkurrenten wie zum Beispiel der deutsche Autobauer Porsche in den vergangenen Jahren viel von Toyota gelernt und kopiert. Auf globalen Märkten wird aber auch die Kommunikation immer wichtiger. Und da haben Toyoda und sein Unternehmen während dieser Krise schlicht versagt.

          Weitere Themen

          Glut gemacht Video-Seite öffnen

          Glasmanufaktur Lasvit : Glut gemacht

          Böhmische Glasmanufakturen steckten lange in der Krise. Leon Jakimič hat vor zehn Jahren den Neuanfang gewagt. Eines seiner Erfolgsrezepte: Für Lasvit entwerfen namhafte Designer aus aller Welt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.