11.09.2007 · Toyota-Präsident Katsuaki Watanabe will die Öko-Vorreiterrolle seines Konzerns ausbauen und die Japaner zum größten Autobauer der Welt machen. Für Watanbe laufen die Geschäfte rund - nur Deutschland bildet da eine Ausnahme.
Von Henning PeitsmeierAn den zahlreichen Ökoinitiativen der Autoindustrie findet ein kleiner Mann großen Gefallen. Katsuaki Watanabe, mächtiger Präsident der Toyota Motor Corporation, freut sich über das Einsehen so mancher Wettbewerber, dass die Kombination von Elektro- und Ottomotor wohl doch eine Schlüsseltechnologie für eine sauberere Umwelt ist. „Alle Hersteller wollen eigene Hybridautos bauen. Das ist für mich eine willkommene Neuigkeit“, sagte Watanabe der F.A.Z., um nicht ohne Stolz auf die Technologieführerschaft von Toyota hinzuweisen.
Den eigenen Messeauftritt haben die Japaner unter das Motto „Zehn Jahre Hybrid-Serienproduktion“ gestellt. Und während die Wettbewerber vorwiegend Prototypen zeigen, setzt Toyota seinen Hybridwagen Prius als Messe-Taxi ein, das auf den Türen eine nicht zu übersehene Botschaft trägt: „Mehr als eine Million Hybridfahrer in der Welt.“
„Wir sind dem Tiger auf den Schwanz getreten“
Watanabe reicht, wie er sagt, der Status quo nicht. „Wir werden jedes Jahr eine Million Hybridautos bauen“, gibt er als Ziel aus, das „so früh wie möglich in der kommenden Dekade“ erreicht werden müsse, also irgendwann nach 2010. Dass die deutschen Autohersteller ihr Heimspiel auf der IAA nutzen, um ebenfalls die Serienproduktion von Hybridautos zu verkünden, dürfte Watanabe eine besondere Genugtuung sein, er schweigt aber dazu. Und die Anmerkung der Deutschen, Toyota könne den Prius nur dank des schwachen Yen um bis zu 3000 Euro günstiger anbieten, lässt er ebenfalls unkommentiert.
Ein europäischer Toyota-Manager wird am Rande der IAA deutlicher: „Wir sind dem Tiger auf den Schwanz getreten.“ Bislang stand Deutschlands Autoindustrie der Technologie abweisend gegenüber, galt doch vor allem der aufwendige Dieselhybrid, den Mercedes-Benz nun mit großem Pomp als IAA-Neuheit feiert, als viel zu teuer.
Öko-Image - der wichtigste Trumpf
Den „Hybridantrieb in allen Fahrzeugklassen“ erschwinglich zu machen, ist für Watanabe eine „große technologische Herausforderung.“ Tatsächlich dürfte Toyota vor einer Hürde genauso stehen, wie der Rest der Autowelt: Es sind die Batterien für den Elektromotor. „Die Nickel-Batterie muss durch eine Lithium-Ionen-Batterie ersetzt werden, um Gewicht und Kosten zu sparen“, sagt Watanabe. „Wenn wir die Kosten und das Gewicht halbieren, entfaltet der Hybrid sein großes Potential auch in kleineren Autos.“
Das Öko-Image ist Toyotas wichtigster Trumpf nicht nur auf der IAA. „Die Technologieführerschaft ist für mich wichtiger, als die Nummer eins in der Welt zu sein“, antwortet Watanabe auf die Frage, wie bedeutsam es sei, General Motors als größten Autohersteller der Welt abzulösen. Dass Toyota aber auch Letzteres gelingen wird, bezweifelt in der Autowelt kaum jemand, nicht einmal die Amerikaner selbst. Watanabe bekräftigt die eigenen Absatzprognosen, wohl wissend, dass der amerikanische Automarkt im Zuge der Hypothekenkrise zusätzlich unter Druck steht. Im amerikanischen Bundesstaat Mississippi baut Toyota gerade für 1,3 Milliarden Euro eine Fabrik für Geländewagen – es ist das achte Werk in Amerika. „Unsere Entscheidung für ein neues Werk in Nordamerika gründet sich auf unserer Politik, dort zu produzieren, wo Nachfrage entsteht“, sagt Watanabe ungeachtet des derzeit rückläufigen amerikanischen Marktes.
Schon dieses Jahr Weltmarktführer?
In der Welt will Watanabe in diesem Jahr 9,34 Millionen Autos absetzen, nach 8,81 Millionen im Jahr davor. In dem im März 2008 zu Ende gehenden Geschäftsjahr sollen es 9,8 Millionen Fahrzeuge werden, 2009 dann 10,4 Millionen. Das wäre dann ein Fünftel mehr als 2006 und doppelt so viel wie 2001.
Watanabes Wachstumsprogramm hätte zur Folge, dass Toyota womöglich schon in diesem Jahr GM die Weltmarktführerschaft abnehmen wird. Genau sieben Jahrzehnte hätte Toyota, 1937 von Kiichiro Toyoda gegründet, dann für den Weg an die Spitze benötigt. Watanabe, seit 2005 im Amt, könnte eines Tages also seinem Nachfolger das größte Autounternehmen der Welt übergeben, es ist voraussichtlich Akio Toyoda, der Enkel des Gründers.
„Toyota ist ein Synonym für Konsequenz“
Die höchste Marktkapitalisierung aller Autokonzerne der Welt, jedes Jahr neue Rekorde bei Umsatz, Absatz und Gewinn, Watanabe könnte zufrieden sein. Und Lob erhalten die Japaner in diesen Tagen von allen Seiten: „Toyota ist ein Synonym für Konsequenz“, sagt zum Beispiel Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. „Wir müssen uns immer weiter verbessern“, sagt Watanabe dazu nur, und ergänzt, dass Toyota diesen Weg allein weitergehen will.
Der 64 Jahre alte Manager ist ein typischer Toyota-Generalist, der sich seit seinem Wirtschaftsstudium bei Toyota 40 Jahre kontinuierlich hochgearbeitet, eine der wichtigsten Toyota-Fabriken in Japan geleitet hat und zuletzt im Board für die Beschaffung zuständig war. „Ich habe generell kein Interesse an Wettbewerbern“, antwortet er auf die Frage, warum Toyota nicht Chrysler gekauft hat.
Deutschland ist die Ausnahme von der Regel
Für das im April begonnene Geschäftsjahr peilt Toyota bei Umsätzen von umgerechnet 155 Milliarden Euro nun einen Betriebsgewinn von 14 und einen Überschuss von 10 Milliarden Euro an. Damit ist Toyota eines der renditestärksten Unternehmen der Welt. Die Kassen sind gut gefüllt. Die anstehenden Investitionen auch in neue Umwelttechnologien können ohne Schwierigkeiten aus dem Mittelzufluss finanziert werden.
Weniger gut läuft es für Toyota auf dem deutschen Markt. Hier musste das Unternehmen die Absatzprognose von 153.000 auf 144.000 Einheiten zurücknehmen. Auch war die Markteinführung des Golf-Wettbewerbers Auris trotz des höchsten Werbeetats kein großer Erfolg. In Europa will Toyota den Nachfolger des Erfolgsmodells Corolla in diesem Jahr voraussichtlich 159.000 Mal verkaufen, das wären 6000 Fahrzeuge mehr als geplant.
Ohnedies stehen auf dem alten Kontinent alle Zeichen auf Wachstum. Arashima rechnet in diesem Jahr in Europa mit rund 1,22 Millionen verkauften Fahrzeugen und 2008 soll der Absatz dann nochmals um rund fünf Prozent zulegen. Dafür soll vor allem die rege Nachfrage in Osteuropa sorgen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.738,47 | +0,68% |
| FAZ-INDEX | 1.504,02 | +0,59% |
| TecDAX | 775,33 | +0,71% |
| MDAX | 10.290,00 | +0,40% |
| SDAX | 5.011,74 | +0,53% |
| REX | 421,76 | +0,17% |
| Eurostoxx 50 | 2.491,54 | +0,43% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,48 | +0,59% |
| Dow Jones | 12.874,00 | +0,57% |
| Nasdaq 100 | 2.569,49 | +0,87% |
| S&P500 | 1.351,77 | +0,68% |
| Nikkei225 | 8.999,18 | +0,58% |
| EUR/USD | 1,3162 | −0,06% |
| Rohöl Brent Crude | 117,79 $ | −0,09% |
| Gold | 1.727,00 $ | +0,91% |
| Bund Future | 138,32 € | −0,22% |