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Touristik Aktionäre fordern Zerschlagung der TUI

10.05.2006 ·  Auf der Hauptversammlung des TUI-Konzerns äußerte sich der Unmut vieler Aktionäre über den Einstieg ins Containergeschäft. Kritisiert wurden mangelnde Synergien der Geschäftsfelder und der drohende Konglomeratsabschlag für die Aktie.

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"Tränen unter Investoren" - so "übersetzte" ein Fondsmanager der Bank SEB den Firmennamen TUI und brachte damit den Verdruß der 2900 Aktionäre auf der Hauptversammlung von Europas größtem Reisekonzern auf den Punkt. Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der zur Deutschen Bank gehörenden Investmentgesellschaft DWS, ging mit dem TUI-Vorstand im Congress Centrum zu Hannover hart ins Gericht. Denn der sei verantwortlich für die "verheerende" Entwicklung des Aktienkurses. Über die vergangenen fünf Jahre habe die TUI-Aktie 40 Prozent an Wert verloren, während der Dax in der gleichen Zeit nur 4 Prozent eingebüßt habe. Binnen Jahresfrist sei der Dax um 44 Prozent gestiegen, die TUI-Aktie indes habe lediglich ihr Kursniveau gehalten.

Michael Gierse von der Fondsgesellschaft Union Investment, die 4,4 Millionen TUI-Aktien hält, den Bestand aber zuletzt bewußt zurückgefahren hatte, monierte, daß TUI auch im Börsenvergleich mit Wettbewerbern wie Kuoni und First Choice viel schlechter abgeschnitten habe. Er zeigte sich "sehr unzufrieden" mit der Art und Weise des Konzernumbaus und kündigte an, den Vorstand nicht zu entlasten. Die Übernahme der Container-Reederei CP Ships (für 2 Milliarden Euro) sei überaus riskant, verwässere die Ertragskraft der Tochtergesellschaft Hapag Lloyd und erhöhe die Volatilität im Konzern.

Skepsis hinsichtlich der Synergien im Konzern

Ein Vertreter der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger wertete den Zukauf und den damit einhergehenden deutlichen Ausbau des Schiffahrtsgeschäfts hingegen positiv: "Auf zwei Beinen steht es sich besser als auf einem Bein." DWS-Manager Kaldemorgen bezweifelte, daß zwischen Tourismus und Schiffahrt Synergien zu erzielen seien. Diese Geschäfte in einer Gesellschaft zu betreiben sei ineffizient, "da es den Aktienkurs mit einem Konglomeratsabschlag belegt". Daher schlug der DWS-Manager vor, die Anteilseigner jeweils direkt mit Aktien an der TUI und an Hapag Lloyd zu beteiligen. "Die Teilung hätte zudem den Vorteil, daß sich jede Gesellschaft entsprechend ihren Möglichkeiten und Wachstumsaussichten Kapital für zusätzliches Wachstum beschaffen könnte", sagte Kaldemorgen. Auch der SEB-Fondsmanager plädierte für eine Zerschlagung des Konzerns.

"Das ist nicht der richtige Weg, Werte zu heben", antwortete TUI-Vorstandschef Michael Frenzel und fügte hinzu: "Wir wollen nachweisen, daß die Zwei-Säulen-Strategie trägt. Geben Sie uns Zeit." Ein Vertreter der drei spanischen Anteilseigner (Riu, Caja de Ahorros del Mediterraneo, Matutes), die zusammen 13 Prozent des TUI-Kapitals halten, stärkte Frenzel den Rücken. Die Kombination der beiden Geschäftsfelder sorge für einen Risikoausgleich im Konzern. Man sehe keine Veranlassung, von der Zwei-Säulen-Strategie abzuweichen, "solange TUI die gesetzten Ziele erreicht".

Model des integrierten Reisekonzerns steht nicht zur Disposition

Kaldemorgen zweifelte auch an den Erfolgsaussichten von Frenzels Geschäftsmodell in der Touristik, das darauf ausgelegt ist, alle Wertschöpfungsstufen von Beratung und Verkauf über die Fluglinien bis hin zu den Hotels und Dienstleistungen am Urlaubsort abzudecken. Im wettbewerbsintensiven Fluggeschäft gleich mehrere Fluggesellschaften zu betreiben, sei nicht nötig. In jedem Fall seien die Flugkapazitäten deutlich zu hoch ausgelegt. Dies berge ein erhebliches Risiko, sobald es zu unerwarteten Buchungsrückgängen komme. Die Margen im Touristikgeschäft hält Kaldemorgen für "nach wie vor unbefriedigend". Unerwartete Verluste, wie die in Frankreich 2005, zeugten von unzureichender Managementkontrolle.

Frenzel sagte, das Modell eines integrierten Reisekonzerns stehe "im Kern nicht zur Disposition". Es sei allerdings auch kein Dogma, sondern schlicht ein Modell, durch eine höhere Wertschöpfungstiefe mehr Geld zu verdienen als ein reiner Vermittler von Reisen. Sein primäres Ziel sei, die Ertragskraft des Konzerns kräftig zu erhöhen, sagte Frenzel. Er will das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) in der Sparte Touristik bis 2008 auf rund 700 Millionen Euro erhöhen nach 365 Millionen Euro im Jahr 2005. Dieses Ziel hatte Frenzel schon auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr genannt - damals allerdings bezogen auf das Ergebnis vor Steuern und Firmenwertabschreibungen, also unter Einrechnung der Zinslast. De facto hat Frenzel sein Ergebnisziel also nach unten geschraubt, zumal die Zinslast wegen des teilweise fremdfinanzierten Erwerbs von CP Ships hoch bleibt. In der Schiffahrt will Frenzel das Ebita, das 2005 bei 318 Millionen Euro lag, bis 2008 auf rund 650 Millionen Euro verdoppeln. Auf Basis dieser Ergebnisziele werde der Konzern mittelfristig eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von 15 Prozent erreichen nach 9,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Quelle: rit., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.5.2006
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