28.08.2008 · Der amerikanischen Finanzinvestor Lone Star hat sich bei der IKB eingekauft. Doch wie geht es mit der Bank nach ihrem Desaster jetzt weiter? Das bleibt auch nach der achtstündigen Hauptversammlung unklar.
Von Holger Appel und Werner SturbeckMit dem in der vergangenen Woche beschlossenen Verkauf der IKB-Mehrheitsbeteiligung an den amerikanischen Finanzinvestor Lone Star steht die mit enormen finanziellen Hilfen vor dem Untergang geretteten Mittelstandsbank vor dem Aufbruch zu neuen Ufern. Diese Stimmung versuchten zumindest der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Oerter und der IKB-Vorstandsvorsitzende Günther Bräunig auf der Hauptversammlung der IKB Deutsche Industriebank am Donnerstag in Düsseldorf zu vermitteln.
Aber der Funke sprang nicht über. Von Normalität oder gar Aufbruchstimmung war unter den knapp 700 Aktionären auf der zweiten ordentlichen Hauptversammlung innerhalb von fünf Monaten nichts zu spüren. Nicht nur diesig wie dieser Sommertag in der Messehalle am Rheinufer blieb dieses gut achtstündige Treffen der frustrierten Aktionäre, die in der einjährigen Krise fast 90 Prozent ihres in IKB-Aktien angelegten Vermögens verloren haben. Am Ende der Hauptversammlung war es den fast zwei Dutzend Diskussionsteilnehmern nicht gelungen, den über den wirklichen Verantwortlichen dieses Desasters und der Zukunft des Unternehmens sowie seiner Beschäftigten liegenden Nebel auch nur stellenweise zu lichten.
Aktionärin: „Wir haben resigniert“
Fast 11 Milliarden Euro kostete es, die einst stocksolide IKB vor dem Exitus zu bewahren. Mehr als 9 Milliarden davon stammen aus dem Bundeshaushalt oder dem Vermögen des bisherigen IKB-Großaktionärs, der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). In diesem einzigartigen Fall, der größten Stützungsaktion einer Bank in der jüngeren deutschen Geschichte, besteht naturgemäß Interesse, zu erfahren, wer die Schuldigen sind oder wie es nach diesem Kraftakt weitergehen soll. Aber für erschöpfende Antworten war dies offenbar der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt. Stereotyp antworteten Oerter, ein aktiver KfW-Direktor, und Bräunig, der in wenigen Wochen an seinen Frankfurter KfW-Schreibtisch zurückkehren will: „Das kann nur die KfW sagen“, „die Analysen sind noch nicht abgeschlossen“ oder „dazu wurde Vertraulichkeit vereinbart“. Von der bis in die Nacht überaus gereizten Stimmung der vorangegangenen Hauptversammlung war an diesem Donnerstag kaum noch etwas zu spüren. Die Aktionäre nahmen die Ausführungen von Vorstand und Aufsichtsratsvorsitzendem mit Ruhe zur Kenntnis. Gegen 14 Uhr war der Versammlungssaal schon halb leer. „Wir haben resigniert. Wir sind total frustriert, wir können ja nichts mehr machen“, sagte eine Aktionärin, die nur zwei Wochen vor Bekanntwerden der Krise im vergangenen Jahr Aktien gekauft hatte. 3500 Euro habe sie verloren, berichtet sie, was im Vergleich wohl wenig sei. „Schauen Sie sich mal um. Hier sitzen viele ältere Ehepaare, die einen Teil ihrer Rente verloren haben.“
Der bisherige Mehrheitseigner KfW verkaufte seine Anteile an den Investor Lone Star. Dieser kündigte an, dass die IKB sich wieder auf ihr Kerngeschäft Mittelstandsfinanzierung konzentrieren werde.
Aber auch die, die viel mehr Geld verloren haben, haben keine Kraft mehr für umfangreichere Protestkundgebungen. Immerhin drei Aussagen erregen die Gemüter: Als Aufsichtsratsvorsitzender Oerter sagt, dass die ehemaligen Vorstände die Rückzahlung der von der IKB eingeforderten variablen Vergütungen über rund 3 Millionen Euro abgelehnt haben; als er sagt, dass diese Hauptversammlung 1,3 Millionen Euro kostet; und als er aufzählt, wer alles an der Krise mitverdient: Insgesamt seien vom 1. August 2007 bis heute Beratungskosten über 46 Millionen Euro angefallen, davon für den Wirtschaftsprüfer PWC 8,4 Millionen Euro, die Anwaltskanzlei Linklaters 12 Millionen Euro, die Managementberater der Investmentbank JP Morgan 3,9 Millionen Euro, Oliver Wyman 5,3 Millionen Euro oder die Öffentlichkeitsarbeitsagentur Brunswick 1,8 Millionen Euro.
Lone Star kennt keiner wirklich
Völlig unbefriedigend fanden viele Aktionäre die Aussagen über die Verkaufsverhandlungen wie auch zur Zukunft der IKB. Die Verwaltung weicht Fragen und Nachfragen meist aus. „Wir waren nicht in den Verkaufsprozess involviert. Das Geschäft hat zwischen der KfW und Lone Star stattgefunden.“ Zu Details wie der künftigen Zusammensetzung des Vorstandes, Dutzender eingereichter Klagen, laufender Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen frühere Vorstandsmitglieder oder ein Sondergutachten zur Rolle früherer Aufsichtsratsmitglieder äußert man sich sowieso nicht. Was ein Aktionär bitter kommentiert: „Ich habe mein Aktienkapital verloren und werde für die Rettung auch noch als Steuerzahler geschröpft. Und die sagen nichts, das ist eine Unverschämtheit.“
Derart niedergeschlagen, erhoffen sich die Aktionäre wenigstens ein wenig Besserung in der Zukunft, doch Lone Star kennt keiner wirklich. Dass die Amerikaner bei der Sanierung der AHBR-Bank nicht zimperlich waren, macht die Runde, ebenfalls, dass Lone Star die nach der Übernahme verbliebenen freien Aktionäre „mit legalen und nicht ganz so legalen Mitteln abgespeist hat“, wie ein Aktionär meint. Der Vertreter einer Aktionärsschutzgemeinschaft will beobachtet haben, dass jemand an der Börse umfangreich IKB-Aktien kauft und leitet daraus ab, dass womöglich ein Herausdrängen der freien Aktionäre (Squeeze out) durch Lone Star bevorstehe – obgleich dem IKB-Vorstandsvorsitzenden Bräunig nach eigenem Bekunden derlei Pläne nicht bekannt sind. Dafür bräuchte der neue Eigentümer der IKB 95 Prozent des Grundkapitals, 90,8 Prozent hat Lone Star von der KfW übernommen. Der Preis dafür betrug 137 Millionen Euro, wovon 22 Millionen Euro Kosten im Rahmen des Verkaufs abzuziehen sind, so dass der KfW 115 Millionen Euro bleiben – für eine IKB, die von ihren Alteigentümern mit 2 Milliarden Euro Eigenkapital und einem Besserungsschein über 1 Milliarde Euro ausgestattet wird.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
Jüngste Beiträge
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |