20.10.2005 · Sie sollen was hermachen und wenig verbrauchen: Auf der Tokio Motor Show zeigen die Japaner vor allem umweltfreundliche Fahrzeuge. Hybridmotoren in schöner Schale wohin man blickt.
Von Stephan Finsterbusch, MakuhariGrün ist nicht gerade die Farbe, die in den Autohäusern derzeit der Renner der Saison ist; Grünes wird heute vor allem unter den Kühlerhauben erwartet - und dort gibt es auf der Tokio Motor Show in diesen Tagen einiges zu sehen. Zwar haben von Detroit bis Wolfsburg alle großen Fahrzeugbauer in den vergangenen Jahren Hunderte von Millionen Euro in die Entwicklung neuer, effizienter und umweltschonender Antriebstechniken investiert. Doch ein wirkliches Geschäft daraus haben bislang nur die Japaner gemacht. Grund ist die steigende Nachfrage nach ihren energiesparenden Hybridmodellen. Nun versuchen sie, ihre umwelttechnische Spitzenposition auszubauen.
Mazda rollt in Tokio einen mit Benzin, Strom und Wasserstoff angetriebenen Testwagen ins Rampenlicht, Suzuki stellt die nußschalenähnliche Studie eines neuartigen Brennstoffzellenautos daneben. Die Ingenieure von Mitsubishi Motors haben sich ganz auf die Entwicklung von Elektromotoren spezialisiert, die von Subaru auf die Kombination von Benzin- und Stromantrieben. Hier haben bislang Toyota und Honda die Nasen vorn. Während beide Hersteller auf den Messebühnen von Tokio futuristische Fahrzeugkonzepte auf Basis von Brennstoffzellen präsentieren, planen sie für ihre weltweiten Verkaufsräume, nahezu alle wichtigen Modelle auch mit Hybridantrieben anzubieten.
„Randerscheinungen mit hohem Unterhaltungswert“
Honda-Präsident Takeo Fukui kündigte an, im kommenden Jahr eine neue Generation dieser Doppelantriebe auf den Markt zu bringen. Darüber hinaus wird Japans drittgrößter Autobauer den Preis für das neue Hybrid-Civic-Modell senken. Das könnte Toyota mit seinem Erfolgshybrid "Prius" etwas in Zugzwang bringen. Hat doch Katsuaki Watanabe, Präsident von Japans größtem Autobauer, für das kommende Jahrzehnt das Ziel ausgegeben, mindestens eine Million Hybrid-Autos im Jahr zu verkaufen. 2004 setzte Toyota 150 000 dieser Einheiten ab, 2005 will es doppelt so viele, 2006 mehr als 400 000 Autos mit der Kraft der zwei Antriebe unter einer Haube verkaufen. Das würden knapp fünf Prozent aller abgesetzten Toyotas sein.
Diese Pläne haben die Konkurrenz in Europa und Amerika handeln lassen. Während in den ingenieurtechnischen Abteilungen von München bis Detroit eine gute Portion Skepsis über den momentanen Nutzen, Sinn und Wert der Hybrids mit ihren bis zu einer Viertel Tonne schweren Elektro-Zusatz-Motoren an den Tag gelegt wird, Renault-Chef Carlos Ghosn von einer "Randerscheinung mit hohem Unterhaltungswert" und der Vorstandsvorsitzende von BMW, Helmut Panke, von einem "Nischenmarkt" sprechen, fürchten viele Strategen in den westlichen Konzernzentralen, den Anschluß an die umwelttechnischen Entwicklungen der Kollegen in Fernost zu verlieren. Zwar ist auch in Europa und Amerika seit Jahrzehnten an Antriebsalternativen geforscht worden, doch zur Massenmarktreife hat es dort bislang noch nicht gereicht.
Gemeinsame Pläne in Sachen Hybrid
Das soll sich ändern. In Sachen Hybrid schmiedet Volkswagen mit seiner Luxusmarke Audi und dem Sportwagenbauer Porsche gemeinsame Pläne. Audi stellt in Tokio ein Modell seines Q-7 auf Hybridbasis vor. Ende 2006 soll es auf den Massenmarkt kommen. BMW forciert die Arbeiten an einem Motor, der Wasserstoff und Benzin im selben Verbrennungsraum verbrennen kann. An diesem Allroundmotor arbeitet das Unternehmen seit zwanzig Jahren. Über die hauseigenen Rennpisten der Bayern sind gerade die ersten Testwagen hinweggefegt. 2008 könnten Versuchsmodelle im Straßenverkehr rollen. Bis dahin engagieren sich die Münchner in der Hybridtechnik. Im September traten sie der Entwicklungs-Allianz von Daimler-Chrysler und General Motors (GM) bei.
Im August hatten Daimler-Chrysler und GM beschlossen, die Entwicklung von Hybrid-Antrieben zu forcieren. Stuttgart hatte schon in den sechziger Jahren den Bau von Motoren für nicht-fossile Kraftstoffe zum Forschungsziel erklärt. Aber erst mit den steil steigenden Hybrid-Absätzen der Japaner in den vergangenen drei Jahren rückte die Massenproduktion alternativer Antriebe ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dabei ist Stuttgart gerade ein gutes Stück vorangekommen. Anfang Oktober erhielt Daimler einen Auftrag zur Lieferung von 500 Hybrid-Bussen auf Dieselbasis von der Stadt New York. 2006 wollen die Schwaben ihre klassischen Dieselautos auf dem japanischen Markt plazieren. Dieter Zetsche, designierter Vorstandschef von Daimler-Chrysler, erklärte: "So wie die Japaner den Hybrid in der Welt populär machen, so machen wir unseren umweltfreundlichen Diesel in Japan populär." Langfristig setzt Zetsche auf Brennstoffzellen als mögliche Antriebstechnik. Dafür kooperiert Daimler-Chrysler unter anderem mit der amerikanischen Ford-Gruppe. In zehn Jahren könnte die Marktreife erreicht sein. Die Zwischenergebnisse auf diesem Weg sind in Form des "F-600 HY Genius"-Entwicklungsautos in Tokio zu sehen - der erste Mercedes auf Basis von Brennstoffzellen, den die Ingenieure speziell für diese Technik entwarfen und fertigten. Die in dem kleinen, 115 PS starken Genius eingesetzten Brennstoffzellen sind bis zu 40 Prozent kleiner als alles, was bislang die Testwagen mit dem Stern auf der Kühlerhaube in Bewegung versetzte. Die Zellen verbrauchen 60 Prozent weniger Energie, erbringen aber 30 Prozent mehr Leistung als ihre Vorgängermodelle.
Technischer Geniestreich
Dieser technische Geniestreich läßt die Japaner aufhorchen. Wollen sie doch auch Mitte des kommenden Jahrzehnts den Brennstoffzellenmotor kommerzialisiert haben. Bis dahin setzen sie auf den Ausbau ihrer Hybridangebote. Während Honda dabei auf die eigenen Ingenieure zählt, ist Toyota auf Einkaufstour. Anfang Oktober bestellte es beim Elektronikkonzern Hitachi Zehntausende Elektromotoren. Im September hatte es die Mehrheit am Batteriebauer Panasonic EV erworben.
Darüber hinaus stieg Toyota beim heimischen Konkurrenten Subaru ein. Mit den milliardenschweren Kooperationen, Akquisitionen und Übernahmen will Japans größter Autobauer sicherstellen, auch in Zukunft die technische Entwicklung von der Spitze her zu lenken. Scheint "grün" doch unter den Motorhauben vieler Kunden ein Muß zu werden. Auf dem Blech sieht das ganz anders aus. Hier sind die Lackfarben schwarz und weiß die Renner.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.372,61 | −1,55% |
| Dow Jones | 12.446,30 | −1,07% |
| EUR/USD | 1,2425 | −0,51% |
| Rohöl Brent Crude | 103,94 $ | −2,72% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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