Home
http://www.faz.net/-gqe-77ihs
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
CIO View

Thyssen-Krupp Sparringspartner

Schon lange gehört Ulrich Lehner dem Aufsichtsgremium des angeschlagenen Thyssen-Krupp-Konzerns an. Der international erfahrene Manager gilt Berthold Beitz als Favorit für die Aufsichtsratsspitze.

© REUTERS Gut vernetzt und auf internationalem Parkett geübt: Ulrich Lehner gilt als Favorit für die Aufsichtsratsspitze von Thyssen-Krupp

Er ist einer der meistgefragten Aufsichts- und Beiräte in Deutschland. Sein Rat ist in Unternehmen wie Eon, Porsche, HSBC Trinkaus, Krombacher oder dem Baseler Pharmariesen Novartis gefragt. Er ist Mitglied im Gesellschafterausschuss von Henkel und Präsident der Industrie- und Handelskammer seiner Heimatstadt Düsseldorf. Dem Aufsichtsgremium des angeschlagenen Thyssen-Krupp-Konzerns gehört er schon lange an. Die Deutsche Telekom kontrolliert er seit fünf Jahren als deren Aufsichtsratsvorsitzender. Kurz, Ulrich Lehner ist eigentlich mehr als vollbeschäftigt.

Brigitte  Koch Folgen:

Das Nach-Managerleben des bald 67-Jährigen ist kaum weniger eng getaktet als seine Zeit als früherer Chef des Düsseldorfer Waschmittel- und Klebstoffkonzerns Henkel. Nun soll er, wie zu hören ist, auf Wunsch von Berthold Beitz, dem großen alten Herrn auf dem Essener Hügel, Nachfolger von Gerhard Cromme als Chefkontrolleur von Thyssen-Krupp werden.

Alles andere als ein routinemäßiger Wechsel

Eine heikle Mission: nicht allein wegen der ohnehin schon anspruchsvollen Kontrollaufgaben bei dem mit Milliardenverlusten, bedrohlichen Fehlinvestitionen und Korruptionsaffären kämpfenden Konzern. Vielmehr noch, weil es um alles andere als einen routinemäßigen Wechsel geht.

Er soll in die Bresche springen für einen der einflussreichsten Aufseher des Landes, hinter dessen gefasster Fassade eine Welt zusammenbrechen dürfte. Schließlich lässt Beitz seinen langjährigen Vertrauten und designierten Nachfolger in der Krupp-Stiftung fallen.

Dass Lehner als neuer Favorit des Krupp-Verwesers und der Stiftung gilt, liegt nahe. Kein anderer ehemaliger Dax-Manager kennt sich so gut aus in dem Zusammenspiel von Familienunternehmen und Börse. Bei Henkel, wo die Gründerenkel die knappe Mehrheit halten, hat er es stets geschafft, die Interessen der verzweigten Familie mit den hohen Ansprüchen des Kapitalmarktes an einen internationalen Dax-Konzern auszutarieren. Auch Thyssen-Krupp tickt mit dem 25,3 Prozent ausmachenden Anteilsbesitz der Stiftung ein wenig wie ein Familienunternehmen. Dass er bei einem Wechsel an die Aufsichtsratsspitze des Ruhrkonzerns andere Ämter aufgeben würde, soll er Beitz zugesichert haben.

Erfahrungen mit anspruchsvollen Mandaten

Anspruchsvolle Mandate sind dem Rheinländer nicht fremd. Zuletzt wurde er als stellvertretender Verwaltungsratspräsident von Novartis in der Generalversammlung mit der öffentlichen Empörung über die geplanten Millionenzahlungen an den scheidenden Daniel Vasella konfrontiert. Bei der Telekom, wo er auf den über eine Steueraffäre gestolperten Klaus Zumwinkel folgte, musste er sich intensiv mit Vergangenheitsbewältigung befassen, mit Spitzelaffären, Datenschutzverstößen oder Rückschlägen im Amerika-Geschäft. Auch das Mandat bei Porsche ist angesichts der juristischen Aufarbeitung der Übernahmeschlacht um Volkswagen keine Einladung zum Kaffeekränzchen.

In das Kontrollgremium von Thyssen-Krupp wurde Lehner seinerzeit zunächst vom Großaktionär, der Stiftung, entsendet, was für das große Vertrauen in ihn spricht. 2010 wählten ihn alle Aktionäre in den Aufsichtsrat des Unternehmens, bei dem der langjährige Henkelaner ganz zu Beginn seines Berufslebens sogar einmal einen kurzen Karriere-Abstecher absolviert hat.

Bodenständig, ohne Allüren, besonnen

Der gut vernetzte, bei aller rheinischen Bodenständigkeit auch auf internationalem Parkett geübte Lehner stapelt trotz des großen Einflusses, den er allein kraft seiner Ämter hat, in seinem persönlichen Auftreten eher tief. Der studierte Wirtschaftsingenieur, promovierte Betriebswirt und gelernte Wirtschaftsprüfer kommt ohne Allüren und große Bugwelle daher, wirkt eher besonnen. Große Hornbrille, verschmitzter Blick, blauer Blazer und Streifenkrawatte sind seine Markenzeichen. Zu seinen Stärken zählen Analyse und strategische Durchdringung.

Mehr zum Thema

Man kann sich leicht vorstellen, dass der Fan von klassischer Musik, Jazz, Kunst und Sport gut zu dem in seiner Art ebenfalls recht unprätentiösen Konzernchef Heinrich Hiesinger passt. Bei dem grundlegenden Kulturwandel, den Hiesinger in dem verkrusteten Unternehmen anstrebt, könnte der Vater dreier erwachsender Kinder guter Sparringspartner werden. Mit diesem Tandem hätte der Neuanfang eine Chance.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Arzneimittelkonzern 7-Millionen-Gehalt des Stada-Chefs soll geprüft werden

Obwohl der Gewinn des Arzneimittelkonzerns Stada im vergangenen Jahr einbrach, verdoppelte sich das Gehalt des Stada-Chefs auf über 7 Millionen Euro. Jetzt drängt ein alter Bekannter auf eine Sonderprüfung. Mehr Von Klaus Max Smolka und Joachim Jahn

03.08.2015, 12:07 Uhr | Wirtschaft
Für den guten Zweck Sopranistin Omo Bello auf der Bonner Operngala

Die französisch-nigerianische Sängerin Omo Bello tritt als Solistin in Bonn auf. Dort findet die vierte festliche Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung statt. Zu hören sind Arien von Mozart, Puccini und Co. Mehr

12.05.2015, 11:56 Uhr | Feuilleton
Richtfest in Rottweil Ein Riesenturm für Aufzug-Tests

Mehr als 230 Meter hoch ist ein Turm im schwäbischen Rottweil, mit dem Aufzüge getestet werden sollen. Nun feiern die Bauarbeiter Richtfest. Mehr

29.07.2015, 13:14 Uhr | Wirtschaft
Big Bang Stipendium Big Bang Theory-Stiftung vergibt Stipendien

Schauspieler und Produzenten der US-Sitcom Big Bang Theory wollen einen Teil ihres Erfolges an Studenten aus den Bereichen Mathematik, Wissenschaft, Ingenieurwesen und Technologie weitergeben. Mehr als vier Millionen Dollar haben der Produzent der Serie Chuck Lorre und die Schauspieler schon beigesteuert. Mehr

30.05.2015, 14:07 Uhr | Feuilleton
Alte Meister in London Wer war eigentlich Richard Parkes Bonington?

Zu wenig erstklassige Werke, zu hohe Taxen: Die Auktionen mit Alten Meistern in London bringen Rückgänge. Doch marktfrische, hochkarätige Werke können sich auch in schwierigen Zeiten behaupten. Mehr Von Gina Thomas, London

24.07.2015, 06:00 Uhr | Feuilleton

Veröffentlicht: 09.03.2013, 08:29 Uhr

Neues vom BMW-Chef

Von Henning Peitsmeier

Bisher ging es im Reich der Mitte immer nur aufwärts, nie zurück. Der neue BMW-Chef mahnt nun zur Vorsicht. Und er handelt. Mehr 6


Die Börse
Name Kurs Änderung
  Dax --  --
  F.A.Z.-Index --  --
  Dow Jones --  --
  Euro in Dollar --  --
  Gold --  --
  Rohöl Brent --  --
Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden

Grafik des Tages Was auf Deutschlands Flüssen verschifft wird

Innerhalb Deutschlands werden viele Güter per Schiff transportiert. Etwa Erze, Steine und Erden – aber auch viele weitere Rohstoffe. Mehr 0