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Thyssen-Krupp Cromme legt Amt als Aufsichtsratschef nieder

 ·  Gerhard Cromme legt sein Amt als Thyssen-Krupp-Aufsichtsratschef nieder. Nach F.A.Z.-Informationen wünscht sich Berthold Beitz den früheren Henkel-Chef Ulrich Lehner als neuen Chefaufseher.

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© dpa Gerhard Cromme

Berthold Beitz und Gerhard Cromme haben sich am Freitag in einem Gespräch auf eine einvernehmliche Trennung verständigt. Cromme wird zum 31. März sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender der Thyssen-Krupp AG niederlegen. Gleichzeitig habe er die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gebeten, seine Entsendung in den Aufsichtsrat des Stahl- und Industriegüterkonzerns zu beenden, teilte Thyssen-Krupp überraschend mit. Folgerichtig will Cromme sich auch aus der Krupp-Stiftung zurückziehen, in der er seit Jahren im Kuratorium der Stellvertreter des Stiftungsvorsitzenden Beitz ist.

Erste Reaktionen sprechen von einem Befreiungsschlag für die Aufgaben des neuen Vorstand, den Konzern wieder auf einen gesunden Kurs zu bringen. Auch die Börse reagierte positiv. Nach der Adhoc-Mitteilung zur Mittagsstunde schoss der Kurs der Thyssen-Krupp-Aktie um mehr als drei Prozent hoch.

Seit Monaten kommt der Essener Stahl- und Industriegüterkonzern nicht zur Ruhe. Im letzten Geschäftsjahr haben 5 Milliarden Euro Verlust das Eigenkapital schwer ausgezehrt. Erstmals seit dem Zusammenschluss von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 erhalten die Eigentümer und damit auch der Anker-Aktionär, die auf diese Mittel angewiesene Stiftung, keine Ausschüttung. Abgesehen vom Rekordverlust leidet der Konzern mit seinen mehr als 150.000 Beschäftigten und 47 Milliarden Euro Umsatz unter schlimmsten Imageproblemen.

Berichte über Korruptionsskandale und vor allem über verbotene Preisabsprachen mit Wettbewerbern torpedieren immer wieder die Bemühungen des Vorstandsvorsitzenden Heinrich Hiesinger um einen kulturellen Neubeginn. Im Dezember haben Hiesinger und Cromme gemeinsam vor der Veröffentlichung des Rekordverlustes mit dem Ausmustern von drei seit Jahren im Unternehmen tätigen Vorstandsmitgliedern den Neubeginn zum Programm erklärt. Aber seither reißt die Kritik an Cromme nicht ab. Er gilt im eigenen Hause und auch in weiten Teilen der Wirtschaft als das größte Hindernis für den unerlässlichen Neuanfang.

Beitz wünscht sich Ulrich Lehner als Chefaufseher

Nach mehreren Gesprächen mit Beitz blieb Cromme nur noch die Wahl zum freiwilligen Rückzug. „In Verantwortung für das Unternehmen, seine Mitarbeiter und Aktionäre möchte ich nach 12 Jahren als Vorsitzender mit diesem Schritt auch im Aufsichtsrat einen personellen Neuanfang ermöglichen“, heißt es in einer Erklärung Crommes. Offen ist nun die Frage, wer im Aufsichtsrat zu Crommes Nachfolger gewählt wird. Auf dem Ticket der Stiftung sind dort seit langem der Beitz-Vertraute Kersten v. Schenk und neuerdings das Stiftungsvorstandsmitglied Ralf Nentwig tätig.

Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wünscht sich Beitz den früheren Henkel-Chef Ulrich Lehner als neuen Chefaufseher. Beitz, der im September 100 Jahre alt wird, dankte Cromme für eine langjährige enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Der Stiftungsvorsitzende hatte Cromme vor 27 Jahren zum Krupp-Konzern geholt, Hiesinger würdigt den scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden als einen Manager, der durch die Zusammenschlüsse von Krupp 1992 mit Hoesch und 1999 mit Thyssen zur notwendigen Neuordnung der Stahlindustrie beigetragen habe.

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Jahrgang 1949, Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

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